Todeszone Mittelmeer

Eine Meldung aus diesen Tagen: 40.000 Menschen, vor allem aus Afrika, haben dieses Jahr bereits mit kaum seetüchtigen Tschunken europäisches Staatsgebiet erreicht – 3000 sind beim Versuch, es zu schaffen, ertrunken. Mehr als 20.000, so Schätzungen, sind in den vergangenen zehn Jahren gestorben. An die Touristenstrände werden regelmäßig Wasserleichen gespült. Das Mittelmeer ist eine große Todeszone geworden.

Indem Europa sich gegen den Ansturm von Leuten abschottet, die hier her wollen, weil man hier nicht verhungert, sogar ein passables Auskommen finden kann und in einigermaßen befriedeten Gemeinwesen lebt, ist es verantwortlich für ein Massensterben. Wie damit umgehen, darauf hat kaum jemand eine Antwort – letztlich auch der humanitär gesinnte linksliberale Mainstream nicht. Denn dessen Argumentationsreihe lautet ja in etwa so: man soll diejenigen, die hier sind, ordentlich behandeln und die Migranten integrieren – aber natürlich könne Europa "nicht alle aufnehmen"; natürlich brauche es Regeln zur Einwanderung. Dieser "Migrationspragmatismus" gibt aber gerade keine Antwort auf den Einwanderungsdruck, der durch das nackte Elend im Süden entsteht. Was also tun? Grenzen aufmachen? Mechanismen entwickeln, die zumindest die Aussicht nicht völlig unmöglich machen, irgendwann legal einwandern zu können? Vielleicht würde das einige davon abhalten, mit Fischerbooten in den wahrscheinlichen Tod zu fahren. Jedenfalls ist es an der Zeit, darüber zu reden zu beginnen und aufzuhören, so zu tun, als gäbe es das Massensterben nicht, an dem Europas Abschottungspolitik verantwortlich ist.

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