„Die neutralen und indifferenten Journalisten sind nie die, die eine Spur hinterlassen“

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Die tollen jungen KollegInnen vom Online-Portal „Paroli“ haben mich zu einem ausführlichen Interview zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Journalismus gebeten. Herausgekommen ist unter anderem das da: 
Überschätzen sich die Jungen gerne?
Es ist nicht der schlechteste Charakterzug, wenn man als junger Mensch der Meinung ist, dass man besser als alle Generationen vor einem ist. Das habe ich auch gemacht. Ironisch hinzugefügt: Ich war allerdings der, der mit dieser Meinung recht hatte (lacht). Im Ernst: Das ist als Motiv, Höchstleistungen zu vollbringen, nicht gerade das Schlechteste. Generell kommen mir die Jungen heute allerdings nicht so arrogant und aufgeblasen vor. In welcher Hinsicht denn? 
(…)
Darf ein Journalist aus Ihrer Sicht also ein Aktivist sein, Herr Misik?
Ich stehe dazu ambivalent. Ich verstehe das Neutralitätsgebot, das aus einer Zeit kommt, wo Parteilichkeit nicht selten bedeutet hat, dass ich das Gegenteil dessen schreibe, was ich mir denke, weil die Partei das von mir verlangt. Oder wo Parteilichkeit auch mit schwülen Pathos daher kam. Die Neutralität, die dem entgegen gestellt wurde, war durch den Gedanken motiviert, dass man sich nicht als Journalist deklarieren und keine Meinung haben darf und zu allem Distanz wahren muss. In dieser Zeit leben wir jetzt, ich finde aber tatsächlich, dass das genauso absurd ist, wie die perverse Parteilichkeit zuvor. Die besten Journalisten, die, an die man sich später erinnert, die irgendeine Spur hinterlassen haben, waren nie die Indifferenten. Man denke nur an den großen George Orwell, aber auch an die vielen anderen.

Zum gesamten Interview geht’s hier

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