Mein Mai: Zwei Bücher & eine Theaterproduktion im Schauspielhaus

Manche Leute halten mich ja für fleißig, und das ist auch nicht ganz falsch, trügt aber manchmal. Der Eindruck entsteht dann gelegentlich, wenn sich die Veröffentlichung von Dingen, an denen man ja ein Jahr arbeitete, in ein paar Wochen zusammendrängt, und die Leute glauben, ich mach das alles in ein, zwei Monaten.

So wie in diesem Mai.

Also mein Mai wird so:

1.

Am 22. Mai erscheint das Buch, an dem ich – gemeinsam mit dem Bundeskanzler, der viele Stunden für Gespräche beisteuerte -, jetzt seit knapp einem Jahr gearbeitet habe.

„Christian Kern – Ein politisches Porträt.“

Das Buch erscheint im Residenz-Verlag.

Voraussichtlich am 30. Mai werden wir – also ich und der Beschriebene – das Buch dann gemeinsam im Kreisky-Forum präsentieren. Wer dabei sein will, bitte so gegen 15. Mai noch mal auf meiner FB-Seite oder gleich auf der Kreisky-Forum-Website vorbei schauen, und sich dort anmelden.

2.

Schon am 8. Mai erscheint ein kleines Büchlein – oder ein größerer Essay, je wie man es nimmt – von mir, in dem ich mich den medialen und politischen Pathologien unserer Zeit widme, den Echoräumen, Erregungsspiralen, den Blödmaschinen und den entsprechenden politischen Resultaten wie der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten.

Titel: „Der Aufstand der Dummheit“

Hier schon mal zur Einstimmung ein paar Zeilen:

Nun ist natürlich gegen Volksnähe nichts einzuwenden, und auch eine gewisse Rücksicht auf die kognitiven Aufnahmefähigkeiten und Konzentrationsspannen des Durchschnittspublikums ist gewiss empfehlenswert, aber dennoch stellt sich die Frage, warum es eigentlich gerade arrogant und herablassend sein soll, auf kluge Weise mit den Menschen zu kommunizieren, was ja schließlich die Annahme voraussetzt, dass auch der Ungebildete, sofern er ein wenig Interesse für die Sache mitbringt, intelligent genug sein wird, ihr zu folgen. Ist das denn wirklich arrogant? Darüber kann man jedenfalls debattieren. Oder genauer gesagt: Es ist eigentlich nicht leicht erklärbar, warum es weniger arrogant sein soll, auf möglichst dumme Weise mit dem Publikum zu kommunizieren, was ja schließlich die gegenteilige Annahme voraussetzt, nämlich dass dieses zu blöde sei, komplexere Argumente auch nur zu verstehen oder sich das Verständnis für diese durch Bildung anzueignen.

Offen gesagt: Eigentlich haben die angeblichen Eliten viel weniger Verachtung für „das Volk“ als dessen selbsternannte Fürsprecher, die glauben, man könne den kleinen Mann mit jedem Trottelargument in Bravo- und Hurra-Stimmung versetzen und verhetzen.

Es ist also kompliziert geworden mit dem Verhältnis von Wissen, Bildung und Demokratie. Wer auch nur den Anschein erweckt, man müsse Argumente begründen, und wer sich dem Verdacht aussetzt, der Meinung zu sein, dass eine gewisse Bildung und ein gewisses Maß an Wissen dafür möglicherweise nicht schlecht wäre, der muss damit rechnen, als hochnäsiger Volksverächter und Anti-Demokrat angesehen zu werden. Als Büttel des Establishments.

Das war jedoch nicht immer so. Eigentlich war es, als das mit der Demokratie anfing und sich langsam durchzusetzen begann, genau andersherum. Damals hielten die herrschenden Mächte die Mehrheit der Menschen mehr oder weniger für unheilbare Toren, weshalb sie ihre undemokratische Herrschaft auch für unabänderlich hielten. Die ersten Spurenelemente der demokratischer Grundhaltungen wurden dagegen durch die Idee der Aufklärung verbreitet, die von nichts weniger ausging als der Überzeugung, dass Menschen durch Bildung und den Gebrauch der Vernunft klüger und urteilsfähiger werden können, und dass, wenn das nur massenhaft genug geschehe, viel bessere und demokratischere Zustände geschaffen werden können.

Der kleine Großessay erscheint in der edition-a.

3.

Und am 29. Mai dann das letzte große Projekt dieser Saison. Im Schauspielhaus inszeniere ich einen theatralisch-realistischen Politabend, dabei hilft mir mein Freund Milo Rau, der gegenwärtig vielleicht grandioseste Theatermacher des deutschsprachigen Raums. Es ist mir eine Ehre und Freude, dass die Wiener Festwochen als Ko-Produzent an Bord sind (macht mich aber auch bissi nervös, bitte, ich bin jetzt Festwochen-Regisseur 🙂 )

Hier mal schon ein paar Takte. Wir wollen den Bühnenraum zum demokratischen Diskursraum machen und letztlich die Frage bereden: „In welchem Land wollen wir eigentlich leben?“

Genaueres sage ich hier noch durch. Hier schon mal ein paar Takte aus der Ankündigung. Wie gesagt, Premiere ist am 29. Mai und bis Mitte Juni werden wir sieben Abende machen.

AGORA

ein Projekt von Robert Misik & Milo Rau
URAUFFÜHRUNG

Realisation: Robert Misik
Konzeptionelle: Mitarbeit Milo Rau

Premiere am 29. Mai 2017 / 20 Uhr

Im Rahmen der Wiener Festwochen 2017

Wie wird Österreich 2030 aussehen? Wer sollen unsere Eliten sein? Wie wollen wir unsere Gesellschaft überhaupt strukturieren? Wie lassen sich die Herausforderungen der weltweiten Migrationsströme bewältigen? Hat die Europäische Union eine Zukunft? Gibt es weiterhin Platz für gesellschaftliche Solidarität? Wollen wir Teil eines supranationalen Europas werden? Wie stoppen wir den Klimawandel? Ist überhaupt die Demokratie die geeignete Staatsform für das 21. Jahrhundert?

Eine willkürliche Auflistung drängender politischer Fragen zeigt, wie sehr unsere Gegenwart nach gesellschaftlichem Austausch verlangt. In Zeiten, in denen die Bindungskräfte von Parteien, Vereinen und sozialen Bewegungen rapide abnehmen, ist das Theater als Ort der politischen Reflektion mehr denn je in der Pflicht. Gemeinsam mit dem Wiener Journalisten und Blogger Robert Misik verwandelt sich das Schauspielhaus in eine »Agora«.

Die »Agora« war in der antiken Polis der Mittelpunkt der Stadt und soll nun als soziale Institution lebendiger Staatsbürger-Demokratie auf performative Weise wiederbelebt werden. Politiker, Experten und Sachverständige sowie das Ensemble des Schauspielhauses und das Publikum – normale Bürger*innen – kommen zu wichtigen Themen unserer Zeit ins Gespräch. Kontroversen, die ansonsten allenfalls in der Soundbite-Kultur abgehandelt werden und bei denen die Bürger*innen im Normalfall bloß als passives Publikum ins Spiel kommen – oder eben gar nicht ins Spiel kommen, werden auf ernsthafte Weise verhandelt. Leidenschaften dürfen ins Spiel kommen, aber simple Emotionalisierung soll vermieden werden.

Wie in einem realen Parlament herrschen klare Regeln der Debatte – ein Eröffnungsredner umreißt zunächst die Fragestellung der Veranstaltung. Das Präsidium wacht über den Stil der Diskussion. Experten präsentieren ihre Positionen und die Zuschauer können Nachfragen stellen und sind eingeladen, sich mit eigenen Wortbeiträgen zu beteiligen, um die Anwesenden von der eigenen Position zu überzeugen. Sind schließlich die Argumente in der Agora ausgetauscht, schreitet man nach dem Vorbild eines Geschworenengerichts zur Abstimmung. Die Regelhaftigkeit bei gleichzeitiger Offenheit des Geschehens und des Ausganges rückt die Veranstaltungen in die Nähe von realistischem, dokumentarischem Theater.

Robert Misik, geboren 1966 in Wien, arbeitet regelmäßig für die in Deutschland erscheinende taz sowie für die Zeitschriften profil und Falter. Auf der Homepage des Standard betreibt er einen Videoblog. Er ist Sachbuchautor, etwa des Theoriebestsellers »Genial dagegen «. Seit 2002 arbeitet Misik als freier Autor. Zudem engagiert er sich in theoretischen und politischen Debatten. So hat er eine eigene Veranstaltungsreihe am Bruno-Kreisky-Forum für internationalen Dialog, einem Wiener Think-Tank.

Der Schweizer Regisseur Milo Rau gilt als einer der wichtigsten Vertreter eines zeitgemäßen Dokumentartheaters. Er ist Gründer des »International Insititute of Political Murder«. Zu seinen wichtigsten Arbeiten zählen die Reenactments »Hate Radio« (2011) und »Breiviks Erklärung « (2012). In den Performances »Zürcher Prozesse« (2013) und »Moskauer Prozesse« (2014) experimentierte er mit interaktiven Theaterformen.

PRODUKTIONSTEAM

Autor: Robert Misik, Milo Rau
Regie: Robert Misik
Realisation: Robert Misik
Konzeptionelle Mitarbeit: Milo Rau

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