Lern was, Kind! Zum Pathos der Bildung

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Ein Aufruf, das Bildungsvolksbegehren zu unterschreiben. Rede zur Eröffnung der „Kritischen Literaturtage“ des ÖGB. 
Dass der Österreichische Gewerkschaftsbund eine kritische Literaturmesse veranstaltet, ist überraschend und gar nicht so überraschend zugleich. 
Überraschend einfach deshalb: Es hat sie ja vor wenigen Jahren nicht gegeben und man würde sich denken, dass eine Literaturmesse zu veranstalten nicht zum Kerngeschäft einer Gewerkschaft gehört. 
Gar nicht so sehr überraschend ist es natürlich auch deshalb, weil Bildung seit jeher eine zentrale Forderung der Arbeiterbewegung war. 
Zu den ersten Organisationen der Arbeiterbewegung gehörten die „Arbeiterbildungsvereine“. Sie waren es, die ein regelrechtes Pathos der Bildung entwickelten: Wissen ist Macht! Die Parole klingt bis heute nach. Bildet Euch, Arbeiter, damit ihr gerüstet seid für den Aufbau einer besseren Gesellschaft. Aber auch Bildung als Aufklärung: Damit man Euch kein X für ein U vormachen kann. Damit man Euch nicht ideologisch verdummt. Damals die Kirche. Heute die Kronen-Zeitung. Nunja, da gibt’s ja jetzt eine neue Strategie, Inserate für die Krone und für Heute, eine neue Strategie im Kampf um die Hegemonie. Nicht sonderlich erfolgsträchtig. 

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Gerechtigkeit heißt Gleichheit

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Ist beim diesjährigen „Momentum-Kongress“ ab Donnerstag in Hallstatt „Track-Leiter“. Das Generalthema ist diesmal „Gleichheit“. Und bei der Vorbereitung habe ich diesen Essay gefunden, den ich vor mehr als zehn Jahren in der „Frankfurter Rundschau“ geschrieben habe, also in einer Zeit, als das Ideal egalitärer Gesellschaften so Out of Fashion schien wie nur was. Also, vielleicht interessiert es ja noch jemanden, wie man für mehr Gleichheit argumentierte, bevor uns die Ungleichheit in eine Finanzkrise stürzte und bevor wir noch so gute Argumente bei der Hand hatten, sie etwa jene, die uns Richard Wilkinson und Kate Pickett lieferten.  
I.
Die Idee der Gleichheit ist ganz gehörig aus der Mode gekommen. Dies ist kein bloß sekundäres polit- und ideengeschichtliches Phänomen, sondern von unerhörter Brisanz fÜr „die Linke“ jedweder Coleur, für die – nach dem Wort des italienischen marxistischen Philosophen Norberto Bobbio – „das Ideal der Gleichheit immer der Polarstern war, den sie angeschaut hat und weiterhin anschaut“. Für ihn blieb, auch in Zeiten der modischen Relativierung des Gegensatzes „Rechts und Links“, das egalitäre Prinzip konstitutiv für jede Linke – wenn auch nicht als Utopie einer Gesellschaft „der Gleichen“, so doch in Form des Strebens, „die Ungleichheiten etwas gleicher werden zu lassen“ . Doch schon Bobbio mußte sich in einer Kontroverse von seinem britischen Freund und Mitstreiter Perry Anderson fragen lassen, ob es denn wirklich „der Fall ist, daß die Linke, so wie sie aktuell in Europa heute existiert, alle Funktionaltität der sozialen Ungleichheit bestreitet?“ 

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Erlöse uns von unseren Schulden!

Alle kaufen auf Pump, Investoren verzocken Geliehenes und der Staat verschuldet sich über beide Ohren: Hat der Kapitalismus seine Ehrbarkeit verloren, weil er zu einer allgemeinen Schuldenwirtschaft wurde? Nein, denn ohne systematische Verschuldung wären wir alle noch arm wie Kirchenmäuse. Standard, 17./18. Oktober

 

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Blairs Last Days

Vor 10 Jahren wurde Tony Blair zum britischen Premierminister gewählt. In ein paar Tagen wird er abtreten – möglicherweise schon am 8. Mai, so Auguren in London. Als Einstimmung dafür schon einmal ein Griff ins Archiv: Die ersten beiden Kapitel meines Buches "Die Suche nach dem Blair-Effekt" (Aufbau-Verlag, 1998), für das ich den Förderpreis des Bruno-Kreisky-Preises für das politische Buch 1999 erhielt.

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Simulated cities, sedated living

The shopping mall as paradigmatic site of lifestyle capitalism. Eurozine, 15. Dezember 2006

Die deutsche Fassung findet sich im Wespennest, Dezember 2006

Übersetzung ins Englische: Simon Garnett

(This is a brief outline of the first two chapters of my forthcoming book about "culture capitalism", which will be published in fall 2007 in the Aufbau-Verlag, Berlin)

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Österreichs Wahlwunder

Kann die SPÖ unter Alfred Gusenbauer das Kanzleramt erobern und die Fenster weit aufstoßen? Notwendig wäre es nach den sechs bleiernen Jahren der ÖVP-FPÖ-Koalition. Ein Wahlkommentar für die "Blätter für deutsche und internationale Politik", das renommierte Außenpolitik-Journal aus Berlin. Als pdf können Sie die leicht gekürzte Druckfassung hier lesen: Download file  Montag, 9. Oktober 2006.

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Was ist Neo-Existentialismus?

Warum die alte Frage nach dem "richtigen Leben" neuerdings wieder gestellt wird – und was eine gelingende Existenz unter den Bedingungen des Kulturkapitalismus ausmachen könnte. Beitrag zu: Christian Reder: Lesebuch-Projekte. Springer-Verlag, Wien, 2006. Mit Beiträgen von Zaha Hadid, Alexander Kluge, Christoph Schlingensief, Dirk Baecker uva.

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