Immer im Dienst

Rund um die Uhr sind wir connected. Stets haben wir zu tun. Aber sollten wir uns deswegen gleich auf die Suche nach der verlorenen Freizeit machen? Standard, Album, 13. Dezember 2008

 

 

Neulich blinkte auf meiner Facebook-Startseite folgende Statusmeldung auf: „Eva läuft jetzt durch den Wienerwald“. Ich stellte mir das lebhaft vor: Eva läuft und hackt währenddessen mit fahrigen Fingern die Nachricht in ihr iPhone. Die erscheint flugs auf twitter, dem Microblog, über das Evas „Followers“, also jene, die sich regelmäßig unterrichten lassen, was Eva so denkt und tut, nun erfahren, dass Eva joggt. Praktischerweise wird die twitter-Nachricht sofort mit ihrer Facebook-Seite synchronisiert, sodass auch ihre Facebook-Freunde sofort auf dem, ja, Laufenden sind. Bloß: Warum sollte das irgendjemanden interessieren? Und: Warum läuft Eva nicht einfach? Warum, verdammt, will sie, dass andere erfahren, dass sie läuft? Läuft es sich dann irgendwie anders? Wieso muss sie auch noch am holpernden Waldweg connected sein?

 

Während ich darüber nachdenke und mich auf diesen Artikel konzentriere, klicke ich nur kurz mal rüber auf meine Twitter-Seite. Nur schnell reinklopfen, dass ich diesen Artikel schreibe. „Robert schreibt gerade einen text, in dem stehen wird, wie absurd es ist, dass wir aller welt twittern, was wir gerade tun.“

 

Ich mache das, weil es mir Spaß macht. Ich mache das, weiß es mich schnell mit Leuten verbindet, die ich ansonsten nie kennen lernen würde (und die ich tatsächlich in irgendeinem „echten“ Sinn auch nicht kenne), und mit denen ich eine schnelle, auch präzise Kommunikation pflegen kann, die nicht viel Zeit in Anspruch nimmt. Und ich mache das natürlich auch aus Gründen, die man als „beruflich“ charakterisieren muss, auch wenn sich der Nutzen schwer berechnen lässt. Ich bin mit meinen Lesern verbunden. Ich kann sie darauf aufmerksam machen, wenn wieder etwas von mir irgendwo erschienen ist. Das generiert „Klicks“, „Traffic“, wie das im Internet heißt, also das, was bei normalen Medien „Quote“ genannt wurde. Und die Leser, die von mir dies und das erfahren, fühlen sich mir näher. Wenn das nächste Buch von mir erscheint, bin ich für sie nicht dieser Irgendwer, der ein Buch geschrieben hat, sondern einer, der in ihrem Leben eine Rolle spielt. Eine Micronebenrolle, aber immerhin. Ich mache also Selbst-PR.

 

Klingt irgendwie mies, aber das machen wir ja alle heute. Der moderne Großstadtbewohner weiß, dass er stets an ihr zu arbeiten hat, an der „Brand called You“.  Und das ist nicht so schlimm, weil man uns dafür ja Dinge gegeben hat – die berühmten Gadgets – mit denen das Arbeiten so richtig Spaß macht. Ach, was rede ich: Mit denen das Spaß haben so richtig Arbeit ist. Und richtig arbeiten ist das ja nicht. Weil arbeiten ist Mühe. In diesem Sinn haben wir ja keine Arbeit mehr. Deswegen haben wir auch keine Freizeit mehr. Freizeit ist etwas für Leute, denen die Arbeit keinen Spaß macht. Die sich in der Freizeit von der Mühe erholen müssen. Wir müssen uns höchstens gelegentlich von unserem Spaß erholen. Dann drehen wir den Computer ab. Geschieht selten genug.

 

Wir wissen natürlich, dass das etwas mit uns anstellt. Mit unserem Verhältnis zur Zeit etwa. Tausend Kleinigkeiten drängen sich in unseren Tag. Zwanzig SMS, fünfzig E-Mails. Hier noch schnell mal die Mail gecheckt, da noch ein paar Freundschaftsanfragen verschickt, die Fotos vom netten Abend von vorgestern hochgeladen, den Weblog aktualisiert. Dazwischen ein Kaffee mit dem guten Freund, mit dem man auch ein paar Projekte am Laufen hat. Und Abends dann zur Party, wo man auch ein paar Leute trifft, die einem einmal nützlich sein könnten. Kontakte sind Geschäfte, und Zeit ist Geld. In den Buchhandlungen stapeln sich die Ratgeber, die einem helfen wollen, das Sozialkapital zu maximieren. „Sprechen sie mit niemanden länger als drei Minuten“, rät einer. In eine Stunde bringt man so zwanzig Dreiminutenkontakte. Längere Gespräche seien ineffektiv, lasse ich mich belehren. Der Gewinn stünde in keinem Verhältnis zum Verlust, den man erleidet, wenn man nur mit 15 Menschen pro Stunde auf einem Stehempfang redet. Höhere Angestellte belegen Kurse in „Zeitmanagement“, um Zugewinne an Selbstständigkeit psychologisch verkraften zu können. Die Arbeit schwappt ins Wochenende, in den Urlaub, in die Nächte. Neun Prozent der Deutschen verspüren „Angst, in den Ferien etwas wichtiges im Job zu verpassen“, ergab eine Studie. Jeder fünfte checkt die Büromails auch noch, wenn er Urlaub am Berg oder auf einer fernen Insel macht. Je mehr technische Geräte wir haben, die uns Arbeit abnehmen, umso weniger Zeit haben wir.

 

Halt! Nur ja keine Jeremiade anstimmen! Man kennt die ja auch schon seit Jahr und Tag, diese dunkelgrauen Anklagen gegen den „Modus atemloser Hast“ (Die Zeit), den unsere Gesellschaft verinnerlicht habe. Stets kommen sie mit kulturpessimistischer Wucht daher: Wie schön war die Zeit, als Telefone noch Wählscheiben hatten und es ein schwerer Verstoß gegen die guten Sitten war, nach neun Uhr abends wo anzurufen. Sie liegen gleich neben den Ratgebern zur Zeit-Effizienz-Maximierung, die Bestseller mit Titeln wie: „Vom Glück der Unerreichbarkeit“. Ziehen Sie mal den Stecker raus! Schalten Sie ab! schallt es einen bald auch schon aus vielen Kanälen entgegen. Klar, auch die Anhänger der „Kommunikationsökologie“ wollen ihre Bücher verkaufen und grämen sich, wenn ihre Webseiten im Google-Ranking weit unten herumgrundeln. Auch sie wissen, dass man eine Botschaft bewerben muss, wenn sie gehört werden soll. „Zeitmanagement“, um „Burnout“ zu verhindern und eine gute „Work-Life-Balance“ herzustellen – ohne diese Catchphrasen kommt heute auch keine Managerfibel mehr aus.

 

Sind wir hoffnungslos verfangen im Netz, hängen wir am Kabel, zappeln wir im Rhythmus beständiger Unruhe? Diese Art von Totalverwerfung ist etwas zu schwarz um wahr zu sein. Seit Jahrhunderten verändert sich unser Verhältnis zur Zeit. Die Zeit ist nichts Objektives, sie ist ein stetiges Problem. Wir sehen das schon an unserer Sprache: Man will sie „anhalten“ oder „zurückdrehen“, man kann sie „vergeuden“, mal ist es „höchste Zeit“, dann will man mit „der Zeit gehen“, sie kann einem „geraubt“ werden, man kann sie aber auch „gewinnen“ und „drängen“ tut sie auch, gelegentlich „reift“ sie. Die Christen glauben an die „Endzeit“, die anderen eher an den „Zeitgeist“. Früher schossen Aufständische in den Revolutionen zuallererst auf die Turmuhren.

 

Die Zurichtung des modernen Menschen war immer eine Anpassung an neue Zeitkulturen. Unternehmer und Fabrikchefs haben vor zweihundert Jahren begonnen, die Menschen in ein enges Zeitkorsett zu pressen. Das waren erst Maßnahmen äußerer Disziplinierung, die aber bald darauf abzielten, den Menschen eine „innere Uhr“ einzupflanzen. Arbeits- und Klassenkämpfe, aber auch subtile Verweigerungsformen waren immer auch Kämpfe um Zeit: Um den Achtstundentag, um Arbeitspausen, um das Recht auf ein Schwätzchen am Förderband. Solange die Stechuhr im Kopf nicht total verlässlich war, stand sie am Eingang zur Fabrik. Arbeitszeit und Freizeit waren klar geschieden. Wenn man nachmittags die Karte an der Stechuhr abstempelte, wartete auf der anderen Seite des Zauns der Feierabend. „Ökonomie der Zeit, darein löst sich schließlich alle Ökonomie auf“, notierte Karl Marx. Die heute am meisten entrechtete Arbeitnehmergruppe ist die der „Zeitarbeiter“.

 

Wenn heute freie Zeit und Arbeitszeit nicht mehr recht zu trennen sind, dann sind Laptop, Handy, Blackberry und iPhone die neuen mobilen und flexiblen Stechuhren. Aber die Fremddisziplinierung lässt sich nur in innere Selbsttechnik verwandeln, wenn damit Wunschproduktionen verbunden sind. Der Wunsch nach mehr Freiheit. Nach Selbstbestimmung. Wer die stetige Erreichbarkeit beklagt, soll sich mal an die bleierne Langeweile jener Zeit erinnern, in der man bis 17 Uhr im Büro sitzen musste, obwohl es seit drei nichts mehr zu tun gab. Seit es das Handy gibt, muss man nicht mehr im Büro auf dringende Rückrufe warten. Man muss aber auch nicht mehr vor Dienstschluss zurückrufen. Dank Blackberry muss man keinen Computer dabei haben, um Mails zu verschicken. Aber das Image des Blackberrys – ein Tool für Manager, für Mr. & Mrs. Wichtig – stand seiner allgemeinen Verbreitung entgegen. Blackberry ist „uncool“, ein Ding für graue Anzugstypen und für die Frauen in den Businesskostümchen. Damit auch kreative Milieus diese Technologie nutzten, brauchte es das iPhone. Dinge, die wir rund um die Uhr zum Arbeiten benützen, dürfen nicht zu sehr das Image von Arbeit haben.

 

Aber sie dürfen auch nicht nach Nichtarbeit aussehen. Die müssen nach diesem Zwischending von Arbeit riechen, das die Hippie-Businessleute mit dem schönen Wort „Wir nennen es Arbeit“ charakterisieren. Denn wir ziehen unser Sozialprestige aus unserer Arbeit. Ansehen wird nur gewinnen, wessen iPhone auch noch um 23 Uhr klingelt – und prestigefördernd ist natürlich nicht der Anruf der Uralt-Freundin Uschi, sondern der Call von einem Typen, der irgendetwas Interessantes macht. Das größte Desaster ist ein Handy, das niemals klingelt.

 

Früher hatten diejenigen Leute das größte Sozialprestige, die viel Muße hatten. Bei den Griechen arbeiteten die Sklaven, die Bürger hatten freie Zeit. Letztlich galt noch bis vor zwei, dreihundert Jahren Arbeit als Schande. Erst der Kapitalismus und das Wirtschaftsbürgertum verbanden Nichtstun mit Nichtsnutzigkeit, erst seither reimt sich Arbeit auf Arbeitsmoral. „Wer früher Zeit hatte, galt als freier Mensch“, schrieb der polnischstämmige Autor Adam Soboczynski unlängst in der „Zeit“, und fügt hinzu: „Hätte heute jemand Muße, er wäre nicht stolz darauf, sondern arbeitslos.“

 

Die Entgrenzung der Arbeit und der Zeit hat freilich noch eine weitere Voraussetzung, die meist nicht auffällt: die Entgrenzung dessen, was ein Produkt ist. Früher war ein Produkt ein materielles Ding, das von morgens bis Ladenschluss im Regal lag und auf Käufer wartete. Aber heute produzieren wir tendenziell immer. Wenn wir im Web 2.0 einen Kommentar posten, verändern wir ein Produkt, wir fügen ihm etwas hinzu. Wir „prosumieren“, wie man heute sagt: Wir verändern ein Produkt, indem wir es konsumieren. Wir produzieren, indem wir konsumieren. Und wir produzieren uns selbst. Früher sagte man höchstens, dass ein Mensch sich produziert, wenn man meinte, er sei ein aufgeblasener Typ – „der produziert sich“. Im Zeitalter des stetigen Selbstmanagements ist freilich jeder ein Produzent seines Selbst. Wir agieren in einer Ökonomie, die nicht nur Geldökonomie ist, sondern auch Aufmerksamkeitsökonomie und diese Ökonomiearten sind nicht klar voneinander geschieden. „Beachtung, Ansehen, Prominenz, Ruhm“, so formuliert der Theoretiker Georg Franck in seiner „Ökonomie der Aufmerksamkeit“, all das zahlt auf unser Sozialkapital-Konto ein – und übersetzt sich, auf subtile und nie ganz lineare Weise in Geld. Wer heute unter vierzig ist, weiß das instinktiv seit Kindertagen. Dies führt aber auch zu einer „lückenlosen Verwertbarkeit des Lebens“, wie Ramon Reichert in seinem eben erschienenen Buch „Amateure im Netz“ ausführt. Was einst nur für Kommissare und Ärzte galt, gilt in der Ära des Selbstmanagements tendenziell für alle: Wir sind immer im Dienst.

 

Oder für fast alle. „Kolumnist H. sagte mir beim Weißwein“, erzählt Adam Soboczynski, „er glaube schon, dass es den Feierabend noch gebe. Aber nur noch bei den einfachen Leuten. Die Bäckereifachangestellte werde gewiss nicht abends noch vom Bäcker angerufen wegen diesem oder jenem. Es sei denn, sie habe ein Verhältnis mit dem Bäcker. Der Feierabend sei heute – wie Übergewicht, Rauchen und schlechte Haut – ein Unterschichtenphänomen.“

 

All das schreibt sich in uns ein, durchfurcht unsere Mentalität. Das hat, auch wenn wir nicht ins Lamento der Kulturdepressiven einstimmen wollen, schon seine schlechten Seiten. Wir verfallen in blinden Aktivismus, sind stets in Panik, den Anschluss zu verlieren und sind gepeinigt von der Angst, etwas zu versäumen. Wir sind umstellt von Möglichkeiten, müssen ohnehin täglich hundert Gelegenheiten ausschlagen – und wollen wenigstens ein paar dutzend wahrnehmen. Stets drängt die Zeit.

 

Kulturphilosophische Geister haben den Beginn dieses Zeitgefühls übrigens mit der Säkularisierung in Zusammenhang gebracht – solange die Menschen an das ewige Leben glaubten, hatten sie es nicht allzu eilig. Und allzu viele Möglichkeiten hatten sie zu dieser Zeit auch nicht. Man hatte nur wenig zu tun und dafür unendlich lange Zeit. Heute ist es umgekehrt. Man hat unendlich viele Möglichkeiten, aber nur eine simple Lebenszeit zur Verfügung, die sich in biologischer Hinsicht zwar verlängert, aber in sozialer ziemlich verkürzt. Wer etwas aus sich machen will, der muss erst einmal studieren, bis er 25 ist. Und dann hat er noch 15 Jahre Zeit, bis er in die Jahre kommt, in denen man langsam zum alten Eisen zählt. Aber auch hier sieht man wieder: dieser Stress ist das Resultat unseres Freiheitsdranges. Noch vor ein paar Jahrzehnten zählte Seniorität hoch. Erst ab einem gewissen Alter gebührte Dir Respekt – sodass junge Leute, die etwas erreichen wollten, sich kleideten wie ihre eigenen Großeltern. Dennoch hatte, wer unter sechzig war, selten etwas zu melden. Es waren dann die rebellischen Jugendbewegungen, Pop, Rock und Hippies, die ab den sechziger Jahren die besondere Qualität der Jugend hochhielten. Aber das Energetische dieser Befreiung schlug wiederum in den Imperativ um, stetig unter Strom stehen zu müssen.

 

Noch die gegenwärtige globale Finanzkrise lässt sich aus dieser Perspektive deuten: diese ist ja nicht nur Resultat einer gigantischen Aufblähung durch Kreditschöpfung, sondern auch einer Beschleunigung der Vermögensumläufe. Beschleunigung macht komplexe Systeme störungsanfälliger, sodass eine lokale Havarie zu einer Großkatastrophe wird. „Das ist wie bei einem Unfall auf der Autobahn“, sagt Rudolf Scholten, der Vorstand der Österreichischen Kontrollbank. „Wenn alle zu schnell unterwegs sind, dann führt ein Crash zur Massenkarambolage.“ Diese ganz schnelle Zeit nennen wir „Echtzeit“, und die ist, nach einem Wort des Soziologen Manuel Castells eine „zeitlose Zeit“. Die führt, schreibt er „zu einer systematischen Irritation in der sequenziellen Ordnung der Phänomene. Kapitaltransaktionen in Sekundenbruchteilen, Unternehmen mit flexiblem Zeitregime, variable Lebensarbeitzeit, die Verwischung des Lebenszyklus – dies alles sind grundlegende Phänomene, die durch ihr Vorkommen die Zeitformen systematisch miteinander vermischen.“

 

Und dennoch ist das Behäbig-Betuliche, das in den Moralpredigten von der „Entschleunigung“ anklingt, nichts, was wache Geister elektrisieren könnte. Sanduhr ins Hamsterrad? Wer will das wirklich. Wollen wir die Zeit wieder fein auseinander sortieren, statt Multitasking die Dinge schön nacheinander erledigen? Hier Hektik, da „Quality Time“? Wollen wir die lässige Überforderung gegen die geordnete Langeweile tauschen? Wollen wir wieder Menschen mit „Hobbys“ werden, also Leute, die Fünf-Mal-Acht-Stunden die Woche Dinge tun, die sie nicht mögen, und Feierabends und am Wochenende das Große Andere des Erwerbslebens? Wollen wir sie wirklich zurück, die synchrone Zeit und das Leben mit seiner binären Logik, das noch klar unterschied zwischen: Job und Freizeit, privat und öffentlich, leben und arbeiten, der Banalität der alltäglichen Existenz und dem Glamourösen der Selbstdarsteller? Wollen wir das wirklich wieder: Etwas lernen und dann lebenslang das gleiche tun? Heute spielen wir mal einen Nachmittag mit dem Handy oder der Videokamera herum und, schwups, schon wird ein Job draus. Gewiss, wenn das so ist, dann ist nichts mehr unschuldiges „nur“ Spiel. Womöglich ist, bei aller Überforderung, das Ineinanderkollabieren von Leben und Arbeit, von Privatem und Öffentlichen, von Authentizität und Schauspielerei, von Banalem und Dramatischem dennoch ein ungeheuerlicher Gewinn.

 

Eva läuft jetzt schon lange nicht mehr. Ich muss mal nachsehen, was sie jetzt gerade macht. Aha, sie isst: „tolles abendessen: paprika-orangen-salat mit sehr zitronigen hummus drauf“. Es mag „unnütz“ sein, derartige Banalitäten mitzuteilen, aber es hat doch auch einen Nutzen. Es sprengt das Kontinuum der Zeit auf. Während ich etwas tue, mache ich etwas anderes und werfe einen Blick auf mich beim Tun. Indem ich die Abfolge von Banalitäten, die man so gemeinhin „ein Leben“ nennt, durch die bloße Mitteilung in den Status des Berichtenswerten erhebe, es in ein soziales Netz verwebe, mache ich schon „etwas“ aus meinem Leben – was genau, ist schwer zu sagen. Indem ich das Banale öffentlich mache, hört es schon auf, banal zu sein. Durch die Involvierung der Anderen wird es reflexiv. Selbst die Spießigkeit wird so noch erträglich.

 

Gepriesen seien die unnützen Dinge.

 

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