Ja, ich will: Rot-Grün für Wien

Am frühen Wahlabend hat es viele ja wie eine Keule getroffen – die 27 Prozent für die FPÖ. 22, 23 hätte man ihr schon gegeben, aber so hoch hatte sie kaum jemand auf der Rechnung. Ein paar Aspekte zur Erklärung hab ich ja schon in meinem dieswöchigen FS-Misik Videoblog zusammengefasst. Ich will das hier nicht wiederholen.

Ansonsten ist das Wahlergebnis ja gar nicht so übel: Die Sozialdemokraten haben ihre absolute Mehrheit zwar knapp verloren, aber Totalabsturz sind die 44 Prozent, die sie erreichten, auch wieder nicht. Die Grünen verloren trotz des immensen Gegenwinds im Wahlkampf nur wenig. Und die Fekterpartei wurde gewissermaßen abrasiert, sie erhielt die Quittung für ihre Schurkenstücke wie der jüngsten Abschiebung zweier Zwillinge.

Jetzt braucht Wien eine Koalitionsregierung, die SPÖ einen Partner. Und eigentlich spricht einen Tag nach der Wahl sehr viel für Rot-Grün. Die ÖVP wurde derart betoniert, dass in der Wiener Landespartei mit Sicherheit kein Stein auf dem anderen bleiben wird. Wenn Häupl, dem Präferenzen für Rot-Schwarz nachgesagt werden, mit ihr koalieren will, dann wird das schwer. Er weiß ja nicht einmal, mit wem er dort reden soll? Mit der traurigen Marek, die sicher nicht mehr lange auf ihrem Sessel bleibt? Regierungsfähig? Diese ÖVP? Na, ich weiß nicht.

Wien ist eine moderne Metropole und die braucht Urbanität und frischen Wind. Das wird man mit dem ewig gleichen Rot-Schwarz nicht schaffen. Und Österreich braucht auch neue Regierungsoptionen. Die gegenseitige Fesselung von SPÖ und ÖVP, die nichts verbindet außer wechselseitige Abneigung, haben wir im Bund schon zu Genüge. SPÖ und Grüne dagegen haben, bei allen „lebenskulturellen“ Differenzen, als progressive Mitte-Links-Parteien in vielen Fragen eine ähnliche Agenda. Sie passen zusammen, auch wenn das ein Basisaktivisten in manchen SP-Sektionen und manchen Grün-Bezirksgruppen, die einander spinnefeind sind, anders sehen. Aber auf die sollte man nicht viel Aufmerksamkeit verschwende. Solche Sektierer sind für progressive Politik meist ohnehin nicht brauchbar.

Einen Tag nach der Wahl sehen das erfreuliche viele maßgebliche Leute in der Wiener SPÖ übrigens ganz ähnlich. Und die Grünen sind ohnehin erpicht, in die Regierung zu kommen. Und zwar aus gutem Grund: Sie müssen endlich einmal in einem wichtigen Bundesland mitregieren. Und sie wollen, dass endlich einmal rot-grün wo regiert. Schließlich gibt es Schwarz-Grün schon in Oberösterreich, Graz, Bregenz und anderswo.

Also: Es spricht praktisch alles für Rot-Grün. Trotzdem reagieren viele immer noch mit Verzagtheit. Würde Rot-Grün in Wien nicht die ÖVP schrecken und damit die Arbeit in der Bundesregierung noch mehr erschweren? Als würde sich die ÖVP bei ihren Landes-Koalitionsentscheidungen diese Frage stellen. Hat das denn jemand bei Schwarz-Grün in Oberösterreich gefragt? Ein besonders skuriller Einwand ist der folgende: Rot-Grün würde die Aversion der Strache-affinen Wähler schüren und dann gäbe es in fünf Jahren eine noch stärkere FPÖ. Wie absurd dieses Argument ist, läßt sich leicht zeigen: Ob Rot-Grün Strache starkmachen würde, wissen wir nicht. Aber was wir aus jahrelanger Erfahrung sehr sehr sicher wissen, ist, dass Rot-Schwarz der FPÖ karrenweise Wähler zutreibt.

Jetzt ist es wichtig, dass so viele Menschen wie möglich sich für Rot-Grün aussprechen. Dass all unsere A- und B-Promis mal wieder rauskommen und Häupl & his Friends sagen: Ja, ich will: Rot-Grün für Wien. Und seien wir uns ehrlich: Es ist schon so lange fällig und überfällig, dass diese Regierungskonstellation wo kommt. Noch nie waren wir so knapp davor.

4 Gedanken zu „Ja, ich will: Rot-Grün für Wien“

  1. Ich bin auch sehr für Rot-Grün, aber gestern bei Im Zentrum wurde mir diese Illusion ordentlich genommen. Häupl wird sich keine Grünen Basisdemokraten antun, wenn die ÖVP so dermaßen billig zu haben ist. Zusätzlich kann er auch gut mit der Wirtschaftskammer. Unterm Strich kommt die „große“ Koalition in Wien am ehesten an das ran was Häupl wollte, nämlich die Absolute. Sehr sehr schade!!

  2. Die Roten werden ihre einzige Chance, sich in einer Koalition mit den Grünen deutlich zu profilieren, am Altar der Bequemlichkeit (Feigheit?) opfern. Und bei der nächsten Nationalratswahl über ihre Verluste v.a. an die Nichtwähler sich wieder einmal den Kopf kratzen und zum Schluss kommen: Wir müssen in der nächsten Legislaturperiode unser Profil schärfen.
    Was können wir tun, um rot/grün zu unterstützen, außer beten (o.Ä.)? Oder ist eh schon alles ausgmacht?

  3. Eigenartige Argumentation, das Rot-Schwarz den Blauen hilft und Rot-Grün nicht, nur weil wir es nicht wissen. Natürlich wäre mir eine ROT-GRÜNE Koalition auch lieber, aber es gibt gute Argumente warum nicht:
    Die FPÖ ist eine reine Protestbewegung, die nur durch eine Einbindung in die Macht zerstörbar ist. Um ernsthafte Politik zu betreiben, fehlt es ihr außerdem an einer kompetenten Personaldecke.
    Ich bin eindeutig für ROT-BLAU um der FPÖ ihr Heckenschützen dasein zu nehmen und die 27% der Wähler in die Pflicht zu nehmen, die gerade diese Partei für kompetent hält.
    Der Herr Häupl wird seine Politik nicht ändern und egal wen er in die Koaltition einbindet, den wird er lediglich als Juniorpartner dulden. Zwangsläufig wird das weiter zu Verlusten führen und zwar nicht nur für ROT sondern auch für den jeweiligen Partner.
    Lieber einmal jetzt die FPÖ eine Legislaturperiode aussitzen als später an ihr nicht mehr vorbeizukommen.

  4. Rot-Grün ist das einzig Richtige, was passieren kann! Und was passieren soll!
    Im Falle einer Koalition mit den Schwarzen werden die Blauen bei der nächsten Wahl noch besser abschneiden.
    Es wird Zeit einzusehen, dass Rot-Schwarz nicht das Richtige ist.
    Die Situation, in der wir stecken, sollte nicht unterschätzt werden, denn es könnte sich schnell etwas ändern, schneller als man denkt.
    Es ist direkt peinlich, dass viele Österreicher, zu viele Österreicher, auf Straches Tour reinfallen. Aber was soll’s, anscheinend ist man wirklich zu dumm um zu kapieren, dass sich alles wiederholt…wir könnten einiges ändern, könnten, tun es aber nicht.

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