Immer radikal

Zum Tode von Christopher Hitchens (Falter, 22. 12. 2011)
„Hüten sie sich vor dem Irrationalen. Seien Sie nie Zuschauer von Ungerechtigkeit oder Stupidität. Suchen Sie Streit und Diskussion um ihrer selbst willen; das Grab wird Ihnen viel Zeit zum Schweigen lassen.“ So beschließt Christopher Hitchens, der britisch-amerikanische Essayist, Journalist, Pamphletist das dünne Briefbändchen „Widerwort. Eine Verteidigung der kritischen Vernunft.“ Nicht in geringem Maße lebt das Buch von der Form, die der Autor gewählt hat: Ein Essay aus Briefen, den der alternde Radikale Hitchens an „einen jungen Unruhegeist“ schreibt. Und es wird so eine Art Leitfaden daraus: Wie man radikal, zornig und energetisch bleibt, wenn man den Glauben an die simplen Antworten verloren hat. Kaum einer ist dafür prädestinierter als der Grenzgänger Hitchens: Linker Trotzkist in seinen Jugendtagen, wurde er zum eigensinnigen linken Individualisten, der gerne auch den eigenen Leuten auf die Nerven fiel. Er kämpfte gegen die Religionen, zuletzt in seinem Bestseller „Der Herr ist kein Hirte“, stellte sich im Irak-Krieg aber auf die Seite von George W. Bush, Henry Kissinger hätte er aber wegen Kriegsverbrechen am liebsten vor den Kadi gezerrt. Wenn immer sich Hitchens einmischte, er ließ es anständig krachen, und doch war er kein bloßer Krachmacher, sondern ein hochgebildeter Intellektueller. Zigaretten und Whiskyflaschen waren seine ständigen Begleiter, und so war er erst 62 Jahre alt, als er vergangene Woche in Houston, Texas, an Speiseröhrenkrebs verstarb. 

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