„Verbranntes Geld“ – Christian Marazzi am Donnerstag im Kreisky-Forum

Kommenden Donnerstag habe ich im Wiener Kreisky-Forum den Sozialökonomen Christian Marazzi zu Gast, den den Direktor für sozioökonomische Forschung an der Scuola Universitaria della Svizzera Italiana. Marazzi hatte in den vergangenen Jahren mit zwei Büchern regelrecht für Furore gesorgt: Dem Großessay „Verbranntes Geld“ und danach der ebenso schwungvollen Studie „Sozialismus des Kapitals“. In beiden analysiert er, wie die „Finanzialisierung“ den zeitgenössischen Kapitalismus prägt, sodass die Unterscheidung zwischen Real- und Finanzkapital längst unscharf geworden ist. Marazzi hat zu all dem sehr viel Bemerkenswertes zu sagen, die der untenstehende Ausschnitt aus einer Rezension des deutschen Südwestfunk zeigt. 
Christian Marrazi: Verbranntes Geld. 
Bruno-Kreisky-Forum für Internationalen Dialog
Donnerstag, 13. September, 19 Uhr
Armbrustergasse 15, 1190 Wien
Gekonnt und folgerichtig deckt Marazzi auf, dass das nahtlose ineinander übergehen der Krisen seit dem Jahr 2008 im Grunde genommen dieselbe Ursache hat: das Geschäftemachen auf Kosten der Allgemeinheit. Das war während der US-Hauskrise zu beobachten. Banken forcierten das Schuldenmachen, indem sie Leuten mit geringem Einkommen Immobilienkredite aufschwatzten. 
Als die Zinsen stiegen, konnten viele ihre Kreditraten nicht mehr abbezahlen und mussten ihr Haus den Banken überlassen. Diese Art des Geschäftemachens ruiniert nicht nur Hauseigentümer, sondern auch Gemeingüter wie hier im Beispiel den Wohnungsmarkt.
Dieses Motiv der Bereicherung ist Marazzi zufolge bei der aktuellen Staatsschuldenkrise ebenso erkennbar wie bei der Eurokrise. 
Marazzi ist überzeugt, dass es mit der Gemeinschaftswährung soweit kommen musste. Denn bei ihrer Geburt war es den verantwortlichen Politikern nicht darum gegangen, die Lohn- und Steuersysteme der Euro-Länder anzupassen und damit die Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Nein, sie erlagen dem neoliberalen Zeitgeist – und rückten die Kapitalmärkte ins Zentrum.
Doch inzwischen erkennen immer mehr Politiker und Bürger, dass es so nicht weitergehen kann. Auch Marazzi. Allerdings dämpft er allzu hochfliegende Hoffnungen. Obwohl die Zeit dafür gerade günstig zu sein scheint.
„Die Langsamkeit, mit der die Einsicht reift, dass es sich um die Zahlungsunfähigkeit des Bankensektors in seiner Gesamtheit handelt, sowie die Schwierigkeit, den zweifellos komplizierten Knoten zu lösen, den die Verstaatlichung großer Banken darstellt … werden einen extrem hohen Preis fordern.“
Dafür hat der Autor klare Vorstellungen, wie der gegenwärtige Krisen-Kreislauf durchbrochen werden kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.