Termine: Rahel Jaeggi mit „Kritik von Lebensformen“ im Kreisky-Forum

rahel.JPGDienstag, 24. Juni, Buchvorstellung im Kreisky-Forum

Was ist ein gutes Leben? Was ist ein richtiges Leben? Läßt sich das überhaupt diskursiv bestimmen, wenn doch jeder und jede andere Präferenzen und Werte hat? Wer kann es sich schon anmaßen, über einen anderen zu sagen, er führe kein richtiges Leben?

Diese und viele andere Fragen wirft die Berliner Philosophin Rahel Jaeggi in ihrem neuen Buch „Kritik der Lebensformen“ auf. Ich freue mich, Rahel nächste Woche (Dienstag, 24. Juni) schon zum zweiten Mal im Kreisky-Forum begrüßen zu können, wo sie ihr Buch vor- und zur Diskussion stellen wird. Damit Sie sich schon einmal ein grobes Bild machen können, hier ein paar Takte aus einem Interview mit der Autorin aus dem „Standard“:

Respekt vor anderen Lebensentwürfen und freie Hand, um das eigene Leben zu gestalten. Was ist daran falsch?

Jaeggi: Nichts. Unterschiedliche Lebensweisen zu respektieren und zu tolerieren, halte ich für einen wichtigen Schritt. Man muss aber sehen, dass auch diese Auffassung selbst Ausdruck einer bestimmten Orientierung und Lebensform ist, einer, die dadurch geprägt ist, solche Unterschiede aushalten zu können und von bestimmten Eingriffen in das Leben anderer Abstand zu nehmen.

Und was stimmt nicht an der Haltung einer liberalen Neutralität, die Sie in Ihrem Buch kritisieren?

Jaeggi: Problematisch erscheint mir vor allem die Tendenz, Lebensformen dadurch zu versteinern, also sie so anzuerkennen, wie sie sind, und dabei Debatten über ihre innere Gestalt – über den Charakter der Praktiken und Überzeugungen, die sie ausmachen – als unzulässigen Eingriff zu betrachten. Damit verliert man letztendlich aus dem Blick, dass Lebensformen immer schon dynamisch und konflikthaft sind und sich teilweise gerade als Resultate von Auseinandersetzungen verstehen lassen.

(…)

Die Antwort „weil es mir so am besten gefällt“ reicht nicht?

Jaeggi: Mir nicht. Lebensformen sind weder nur eine Geschmackssache noch eine unhintergehbare „Wertefrage“. Sie sind Bündel sozialer Praktiken, die sich aus bestimmten Gründen und durch bestimmte kollektive Deutungsmuster entwickeln. Meine These ist: Lebensformen lösen Probleme, Probleme allerdings, die nicht etwa das „Menschsein per se“ betreffen, sondern in einer bestimmten historischen und sozialen Situation eingebettet und von bestimmten normativen Erwartungen geprägt sind. Das ist eine völlig andere Beschreibung als die, dass man von Lebensformen quasi „ergriffen“ ist oder dass der eine dann halt von diesem Gott, der andere von jenem ergriffen ist und der Dritte vielleicht von gar keinem.

Hier geht es zum vollständigen Interview, das meine Kollegin Beate Hausbichler mit Rahel Jaeggi geführt hat.


Rahel Jaeggi: Kritik von Lebensformen.
Dienstag, 24. Juni, 19 Uhr.
Kreisky-Forum für internationalen Dialog, Armbrustergasse 15, 1190 Wien

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