Der Staatssekretär – FS Misik 400 DIE JUBILÄUMSSHOW

Das Volk jubelt – 400 Folgen, 400 Sonntage FS-Misik. Zum Runden gibt’s diesmal ein Kleindrama – oder Großdramolette: Konrad Richard Oberhauser, als KRO eine Marke, ist Staatssekretär und Erfolgsmensch, privater Staatssekretär oder auch staatlicher Privatsekretär seines eigenen Kontostandes. Als er als erster Politiker in die Justizvollzugsanstalt eingeliefert wird, die er selbst seinerzeit eröffnet hat, vollzieht sich eine seltsame Charakterwendung: Im Knast fühlt er sich erstmals seit langem wieder frei.

Eine Geschichte über unsere kleine Erfolgskultur, die Wettbewerbsgesellschaft, das Ende der Scham und die Gefangenschaft in freier Wildbahn, die sich von realen Vorgängen bloß ein wenig inspirieren ließ, darüberhinaus aber natürlich völlig fiktiv ist.

blogwert

Ein Gedanke zu „Der Staatssekretär – FS Misik 400 DIE JUBILÄUMSSHOW“

  1. Die Geschichte vom Einen Prozent

    Josef hat dem Onkel von Alexis Geld geliehen. Dafür bekommt er 6% Zinsen. Das hat ihm gut gefallen, denn von Wolfgang hätte er nur 1% Zinsen bekommen. Dann, als die Rückzahlung ansteht, ist der Onkel nicht mehr da. Weil Alexis seinen Onkel beerbt, erbt er auch diese Schulden. Leider hat er das Geld nicht, denn sein Onkel hat alles mit seinen Freunden verprasst. Also sagt er dem Josef, dass kein Geld da ist. Daraufhin hat der Josef Angst, dass er sein Geld nie wieder sieht. Er geht zu Wolfgang und bittet ihn, die Schulden von Alexis zu übernehmen. Und weil der Wolfgang Sorge hat, dass der Josef sonst Bankrott geht, gibt er ihm das Geld und geht nun selbst auf Alexis zu, damit der seine Schulden bezahlt.

    Wolfgang: „Hallo Alexis, du schuldest mir 100,- €. Tu sie doch bitte hierher, in meine rechte Tasche.“
    Alexis: „Das ist richtig, aber leider habe ich das Geld nicht.“
    Wolfgang: „Kein Problem, Alexis, denn ich habe soviel Geld, und zwar in meiner linken Tasche. Und ich bin auch bereit, das Geld von meiner linken in meine rechte Tasche zu stecken. Allerdings müsstest du dafür etwas tun. Du müsstest deine Flughäfen verkaufen.“
    Alexis: „Was?! ALLE meine Flughäfen? Verkaufen?“
    Wolfgang: „Aber nein, nicht alle: nur die, die Gewinn abwerfen. Die, die Verlust machen, darfst du behalten.“

    Ein Jahr später sind alle verwundert, dass Alexis noch weniger Geld eingenommen hat, als früher. Und als Wolfgang nun 106,- € haben will (100,- € zuzüglich 6% Zinsen), kann Alexis ihn immer noch nicht auszahlen. Zum Glück hat Wolfgang auch dieses Jahr genug Geld, diesmal in seiner rechten Tasche, um es sich von dort in die andere Tasche zu stecken.
    Der gleiche Vorgang wiederholt sich in den Jahren darauf mit 112,36 €, 119,10 € und 126,25 €.

    Wie viel Geld schuldet Alexis jetzt eigentlich dem Wolfgang?
    Nun, da wäre die ursprüngliche Schuld in Höhe von 100,- €, sowie Zins und Zinseszins, die sich mittlerweile auf 26,25 € belaufen, also zusammen 126,25 €.
    So würde das jeder Kaufmann sehen.
    Nicht aber die so genannten Qualitätsmedien: sie werden schreiben, dass 100 + 106 + 112,36 + 119,10 + 126,25 = 563,71 € als Hilfsgeld und Notkredit in einem Fass ohne Boden versenkt worden seien, welche wir niemals wieder sehen würden, und das nur, damit der Alexis seine üppig lebenden Verwandten aushalten könne.

    Und wie viel Geld hat der Alexis nun vom Wolfgang erhalten?
    Nicht vergessen darf man die 100,- € an den Onkel. Und auch, dass ihm die Rückzahlung gestundet worden ist. Darüber hinaus aber erhielt er keinen einzigen Cent, geschweige denn 563,71 €.

    Wolfgang ist sehr zufrieden – schließlich ist eine Geldanlage zu 6% Zinsen heute sehr gesucht. Darüber hinaus steht er in den Augen seiner Freunde als Wohltäter da. Besonders in den Augen von Josef.

    Alexis aber wünscht sich einen Schuldenschnitt. Also schlägt er dem Wolfgang vor, dass die Schulden in voller Höhe von 126,25 € ab jetzt nur noch mit 0 % verzinst werden. Wenn er dann zwanzig Jahre lang immer 6,32 € pro Jahr zurückzahlt, wäre die Schuld beglichen.

    Dem Wolfgang gefällt das nicht, und der Josef weiß auch, warum: „Das wäre so, als wäre das Geld von Anfang an nur zu 0,98 % verzinst worden, also weniger als 1 % – da hätten wir damals das Geld ja gleich dem Wolfgang leihen können, statt dem Alexis…“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.