Kinoempfehlung: Last Shelter von Gerald Igor Hauzenberger

HauzenbergerDie Votivkirchenbewegung kommt ins Kino

Wer vor knapp zwei Jahren die Aktivitäten der Refugees verfolgte, die zuerst ein Zeltlager im Votivpark aufschlugen und dann wochenlang in der Votivkirche Unterschlupf fanden, der hat Gerald Igor Hauzenberger nicht übersehen können: Praktisch immer war er mit seiner Kamera und seinem Team dabei. Bei den Demonstrationen, beim Hungerstreik in der Votivkirche, bei den emotionalen Debatten dieser Männer, deren Nerven oft blank lagen, angesichts des immensen Drucks, unter den sie standen. Heute kommt das Produkt in die Kinos: Aus hunderten Stunden Material hat der Wiener Filmemacher einen abendfüllenden Kinofilm gemacht – „Last Shelter“.

Es ist ein großartiger Film geworden, beklemmend, voller Spannung, der sehr nahe an die Akteure rangeht. Und er erinnert an Episoden, die selbst die, die dabei waren, schon beinahe vergessen haben: die düstere Atmosphäre der Menschenjagd rund um die Votivkirche, als zivile Polizisten dauernd Leute aus der Dunkelheit abgriffen und in Schubhaft steckten; die Lebensgefahr, in die sich die jungen Männer hungerten; auch die Niedertracht, mit der die Innenministerin im letzten Vorwahlkampf aus Wahltaktik eine Handvoll Pakistanis in einer Nacht- und Nebelaktion abschob und damit sogar Caritas und Kardinal brüskierte. Ja, jene Innenministerin, die einige Skandale und einige Episoden erwiesener Unfähigkeit später immer noch im Amt ist.

Aber seht Euch den Film einfach selbst an – er ist einer der aktuellsten, beklemmendsten und hinreisendsten Beiträge zur gegenwärtigen Flüchtlingsthematik geworden. Auch, weil Hauzenberger die Geschichte bis ins Jetzt zieht, wenn seine Protagonisten heute dorthin zurück kehren, wo ihr Protest seinen Ausgang nahm: nach Traiskirchen.

Die Radikalität und Unbeugsamkeit des Protests der rund 60 Refugees ging damals vielen ein wenig auf die Nerven, auch Wohlmeinende beklagten ihre Kompromisslosigkeit. Mit den Betreuern der Caritas gab es regelmäßig Konflikte, was auf beiden Seiten gelegentlich für böses Blut sorgte: die Flüchtlinge fühlten sich von der Caritas verraten, die Caritas fühlte sich in ihrer Arbeit ungerecht und unfair beurteilt. Dabei war alles wohl primär ein Zusammenprall von Kulturen, und das ist gar nicht religiös-ethnisch gemeint: Von Protestkultur, von linker Supportern, von Caritas, von Kirchenhierarchie, Welten somit, die bisher nicht viel miteinander zu tun hatten.

So haben diese Refugees, wie man heute weiß, einiges bewirkt: Erstens haben heute 30 Prozent jener, die den Protest begonnen haben, einen ordentlichen Aufenthaltstitel. Weil sie protestiert und etwas durchgesetzt haben, aber auch, weil sie der Flüchtlingsthematik Gesichter gaben und damit Helfer bis weit ins politische Establishment hinein gewannen. Sie haben aber auch die Zivilgesellschaft als Ganzes einem Lernprozess ausgesetzt, Hilfsorganisationen, die plötzlich mit Flüchtlingen konfrontiert waren, die selbst ihr Wort erhoben. Die für sich selbst sprachen. Sie haben erzwungen, dass man sie als Menschen wahrnimmt, nicht als Nummern im Asylverfahren. Dass die verschiedenen Kulturen der Zivilgesellschaft während der Hilfsaktionen der vergangenen Monate so reibungsfrei miteinander gearbeitet haben, hat auch damit zu tun, dass man schon ein wenig üben konnte.

Ein Lernprozess – bei dem Igor Hauzenberger seine Kamera draufhielt. Vieles lässt der Dokumentarfilmer weg, etwa die Rolle der Helfer und Unterstützer, um auf das zu fokussieren, was an dieser Geschichte am Wichtigsten ist: auf Gebeutelte, Gestrandete, auf die Rechtlosesten der Rechtlosen, die dennoch die Kraft aufbrachten, für ihre Sache zu kämpfen. Eine Geschichte, die zwischendrin fast nur dunkelgraue Momente hatte, und doch für überraschend viele verdammt gut ausging.

Ein Gedanke zu „Kinoempfehlung: Last Shelter von Gerald Igor Hauzenberger“

  1. bin aus Chile mein vater war in der 70 jahre in traiskirchen ich nur kurz aber es war schon damals traurig einer Katastrophe alles gute für euch viva el ser humano!!!no a la Guerra !!

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