Jens Jessen in der „Zeit“: Der paranoide Stil der neuen konservativen Rechten

Jens Jessen, an sich ein bedächtiger, eher stiller Konservativer, klagt in der aktuellen „Zeit“ den neuen Feminismus und die außer Rand und Band geratene #metoo-Debatte an. Dabei versteigt er sich aber selbst immer mehr in schräge Thesen, etwa dass, was immer man als Mann sage und mache, es als Beitrag zu einer sexistischen Atmosphäre denunziert wird. Man(n) werde diffamiert, eine männliche Kollektivverantwortung konstruiert. Es gehe nur um den Triumph eines totalitären Feminismus, der so rigide wie der Stalinismus sei. Kurzum: Das totale zum Schweigenbringen der Männer sei das Ziel. Paranoide Schrillheit Das erinnert an einen legendären Essay des amerikanischen Historikers Richard J. Hofstadter aus dem Jahr 1964 über den „Paranoid Style in American Politics“. Darin wunderte er sich über die wachsende, paranoide Schrillheit des amerikanischen Konservativismus. Nun, dieser Stil hat sich ausgebreitet – und wenn selbst jemand wie Jessen davon schon angesteckt ist, dann ist das bemerkenswert. Generell ist es dieser paranoide Stil, der erlaubt, die hanebüchensten Dinge zu behaupten: Eben, dass Männer generell zum Schweigen gebracht werden sollen. Oder, dass wir alle islamisiert werden. Dass die Gewaltkriminalität eskaliert. Dass Gutmenschen ein linkes Meinungsdiktat exekutieren. Die Liste in endlos. Dieser Stil hyperventiliert vor eingebildeten Bedrohungen, und die Schillheit steht in umgekehrt proportionalen Verhältnis zu den Evidenzen, die solche Behauptungen auf ihrer Seite haben. Von der Aufmerksamkeitsökonomie der Netzdiskurse, die Aufgeregtheit und Gereiztheit triggern, Nachdenklichkeit aber im Ozean der Daten untergehen lassen, wird all das noch befeuert. Man würde am liebsten ausrufen: Kriegt Euch wieder ein!

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