Schlammschlacht im türkis-blauen Sumpf

Die Kurz-Partie steckt im Finanzdesaster, täglich kommen neue Ungeheuerlichkeiten ans Licht. Die FPÖ wiederum muss hoffen, dass ihr beim Parteitag der Laden nicht um die Ohren fliegt, denn die Strache-Anhänger sind wütend ob der Treulosigkeit von Hofer & Co.

Können Sie sich noch an den „Fall Silberstein“ erinnern? Ich wette, Sie können das nicht. Gewiss, wann immer sie irgendein selbst verschuldetes Problem haben, wettern die Türkisen gegen irgendwelche „Silberstein-Methoden“, so dass sich bei den meisten Menschen eingeprägt hat, dass der Silberstein irgendwas Böses getan haben muss im letzten Wahlkampf. Zur Erinnerung: Silberstein hat mit drei, vier Leuten zwei Facebookseiten betrieben, auf denen die Konkurrenz schlecht gemacht wurde. Völlig hirnlos, da diese Facebookseiten auch kaum jemand gesehen hat. Dass all das völlig wirkungslos war, macht Silberstein natürlich nicht sympathischer. Es war die blödeste Idee von Christian Kern, diesem windigen Kerl einen Auftrag zu geben. Aber Silberstein hat nicht der ÖVP, sondern der SPÖ geschadet. Und zwar deshalb, weil jemand den gesamten Mailverkehr der SPÖ mit Silberstein in dunkle Kanäle geleitet hat, aus denen dann die Daten stapelweise an die Medien gingen. Das hatte viel mehr Wirkung als irgendwelche Facebook-Seiten.

Parteien, bei denen es nicht rund läuft haben oft Lecks, aus denen Interna in alle Richtungen dringen. Im aktuellen Wahlkampf wird immer deutlicher, dass es in der ÖVP Leute gibt, die offenbar verdammt sauer auf Sebastian Kurz sind. Es begann damit, dass die geheime Spenderliste der ÖVP (das Who-is-Who an heimischen Milliardären) an den „Standard“ gespielt wurde – und zwar die Spenden 2018 und 2019, also sehr aktuelle Daten. Und nun erhielt der „Falter“ offenbar die hochaktuelle Wahlkampf-Finanzplanung der ÖVP, aus der hervor geht, dass die Partei wieder bei der Budgetplanung trickst – und mit Vorsatz. Ob das kriminell ist oder ob diese schwindligen Buchungen gerade noch im Rahmen der Legalität sind, ist zur Zeit unklar.

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Die ÖVP behauptet, sie wurde gehackt. Kann man glauben, wenn man sehr gutgläubig ist.

Im Kurz-Team herrscht offenbar eine Schlammschlacht. Dass sich Kurz auch in den eigenen Reihen viele Feinde gemacht hat, weiß jeder. Aber dass sie ihn jetzt trotz seiner Erfolge weg haben wollen, dass also Corpsgeist, innerparteiliche Bunkermentalität und die Unterwerfung unter den Anführer nicht mehr wirken, ist die Überraschung der letzten Wochen. Jetzt herrscht helle Panik bei den Türkisen.

Eine Schlammschlacht gibt es nicht nur im türkisen, sondern auch im blauen Sumpf. Das Problem der FPÖ ist ja nicht allein, dass sie wegen Ibiza und allem was danach rausgekommen ist (Postenschacher, Räubermentalität) ins Trudeln geraten ist, noch viel gefährlicher ist für sie ja der Zwist ihrer einstigen Frontleute. HC Strache ist schwer von der Rolle und böse, dass seine Partei nicht in Treue zu ihm steht, sondern ihm sogar die Facebook-Seite abgeknöpft hat.

Seine Anhänger drohen damit, nicht zur Wahl zu gehen. Straches Filippa klopft sich öffentlich mit „Sonderbehandlungs“-Waldhäusl. Und Hofer und Kickl sind sich längst spinnefeind und schaffen gerade noch gute Miene zum innerparteilichen Schlammcatchen zu machen. Jetzt haben sie noch einen Parteitag vor sich, bei dem ihnen der Laden um die Ohren fliegen könnte. In einer Regierung hat so eine Partei nichts zu suchen.

Was machen aber rechte Wähler, die nicht mehr FPÖ wählen wollen, weil sie sauer auf ihre Partei sind? Die wählen dann Kurz, so nehmen die Meinungsforscher an. Bloß ist bei Kurz auch längst der Lack ab und mit jeder Enthüllung steht er mit einem dicken Patzer mehr da. Neuerdings verleugnet er sogar seine Heimat Meidling und behauptet, in Niederösterreich aufgewachsen zu sein, was wohl jedem sauer aufstößt, der findet, Politiker sollen nicht einfach Märchen erzählen. Vielleicht wandert ja ein Teil der Wähler zu den Neos ab, einige, die beim letzten Mal etwa von der SPÖ zur ÖVP gingen, könnten wieder zurück kehren. Aber dann gibt es noch jene Wähler, die weder zur SPÖ, noch zu den Grünen, noch zu den Neos wechseln wollen – aber die es zugleich unmöglich finden, die Türkisen und Blauen zu wählen. Viele von denen werden einfach daheim bleiben. Denn wenn die Parteien, denen ich mich nahestehend fühle, gerade unwählbar sind, was tue ich dann? Logisch, ich fahr lieber ins Grüne als ins Wahllokal.

Trotz der aktuellen Umfragen können sowohl ÖVP und FPÖ noch abstürzen. Und zwar nicht, weil ihre Wähler in großen Scharen zur Konkurrenz überlaufen. Sondern weil sie möglicherweise einfach am Wahltag angewidert daheim bleiben.

Ein Gedanke zu „Schlammschlacht im türkis-blauen Sumpf“

  1. Lieber Robert Misik!
    Ich kann nicht glauben, dass die Schlacht schon positiv für uns endet. Vor allem sehe ich als großes Problem den Stadt-Land-Konflikt. Die Sicht der Landbevölkerung auf die Politik ist eine andere als die Sicht der Stadt. Genaueres weiß ich nicht, aber die ÖVP ist am Land die stärkste Kraft und dort ist sie zu hinterfragen.
    Was hilft der Landbevölkerung (von Bauern zu Vorstadtbewohnern zu Gwewerbetreibenden zu Arbeitern,…) um zu einem klimaneutralen Handeln und Bewußtsein zu kommen und gleichzeitig die bäuerliche Arbeit zu entlasten. Und die Zusammengehörigkeit zu uns allen zu stärken?
    ???
    lg
    Manfred Gurtner

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