Die absurde Logik der Unmenschlichkeit

Ob bei Flüchtlingen, Armen, Arbeitslosen, Invaliden: Immer heißt es, es wäre irgendwie nützlich, Menschen zu quälen. Leider fallen viele darauf rein.

Sind Sie der Meinung, dass Österreich die Flüchtlinge aus Lesbos aufnehmen soll? Manche von Ihnen wohl ja, aber viele auch eher nein. Jedenfalls sagen das die Umfragen. Sind Sie also der Meinung, man sollte Kinder im Dreck verrotten lassen? Nein, dieser Meinung ist die überwältigende Meinung von Ihnen ganz sicher auch nicht.

Willkommen in der Welt des „Framing“, wie das die Experten nennen. Die Antwort auf eine Frage hängt immer sehr davon ab, wie man die Frage stellt. Und die Antwort hängt sehr davon ab, wie einzelne Begriffe vorher durch Kampagnen in eine bestimmte Richtung gebogen wurden. Deshalb sprechen der Bundeskanzler und der Innenminister ja auch so gerne von „gewaltbereiten Migranten“. Die Bürger und Bürgerinnen, also Sie, sollen nicht mehr an Kinder denken, die bei Regen in einem löchrigen Zelt frieren, sondern an junge Männer, vor denen man Angst haben muss. Falls Sie sich jetzt denken sollten, dass damit Sebastian Kurz und Karl Nehammer versuchen, Sie zu manipulieren und ihr Denken zu steuern, dann darf ich ihnen mitteilen: Klar, das ist ja die Absicht.

Sie sollen nicht Hilfsbereitschaft oder Mitleid verspüren, sondern Angst. Das ist der Zweck der ganzen Sache. Aber natürlich hat diese Manipulation auch ihre Grenzen. Da also nicht ausgeschlossen ist, dass Sie doch so etwas wie Mitgefühl mit frierenden Kindern und das menschlich normale Gefühl der Solidarität entwickeln, haben die Herrschenden seit jeher ein paar weitere Kniffs in ihrem Köfferchen.

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Außenminister Alexander Schallenberg hat vergangene Woche ein abgrundtief zynisches Interview gegeben. Darin hat er erklärt, warum es falsch wäre, armen Kindern zu helfen. Würde man jetzt armen Kindern und ihren Eltern helfen, würden sich nur weitere auf den Weg machen.

Dahinter steckt ein Argumentationsmodus, den hartherzige Menschen gerne auspacken: Dass das vermeintlich Gute langfristig schlechte Auswirkungen hätte, und man deshalb leider das tun müsse, was jeder Mensch mit Herz als Böse bezeichnen würde.

Kennt man: Die Sozialhilfe muss gestrichen werden, denn wenn man den Armen Geld gibt, dann strengen sie sich nicht an. Das Arbeitslosengeld darf aus dem gleichen Grund nicht steigen. Mietpreisbremsen darf es nicht geben. Die Löhne sollen schön niedrig bleiben. Die Regierung darf keine Arbeitsplätze schaffen. In all diesen Fällen wird gesagt: Unterstützung für Menschen hat zwar kurzfristig hilfreiche Auswirkungen für die Betroffenen, aber langfristig gibt es irgendwelche negativen Folgen. Natürlich weiß niemand genau, was die langfristigen Folgen sein werden, denn keiner hat eine Glaskugel. Aber es werden damit Dinge gerechtfertigt, die ganz unmittelbar Menschen das Leben erschweren.

Das ist getragen von einem Menschenbild, das eigentlich gemein ist, um nicht zu sagen, niederträchtig: Damit Menschen fleißig sind, muss man sie quälen. Der Staat ist dann gut verwaltet, wenn man es den Menschen möglichst schwer macht. Natürlich gilt das immer nur für arme oder normale Menschen. Ihren eigenen reichen Freunderln machen es diese Prediger der Rohheit natürlich gerne extra leicht.

Wir sollten also nicht vergessen: diese Niedertracht macht nicht bei Flüchtlingskindern halt. Sollten Sie einmal alt werden oder krank oder invalide oder ihren Job verlieren, dann werden Kurz, Schallenberg und Freunde über Sie genauso reden, nämlich erklären, dass man das Leben von Tollpatschen wie Ihnen so schwer wie möglich machen muss.

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