Das Klima und die Armen

„Öko“ und „Bio“ ist nur etwas für Wohlhabende? Spätestens bei 44 Grad im Gemeindebau wird man umdenken.

Wir leben in einer polarisierten Welt, in der manche Debatten viel zu schnell zu Phrasendreschereien werden und bei der sich bei diesen Keilereien dann gleich zwei verfeindete „Stämme“ gegenüber stehen, die wie Apachen und Irokesen in den alten Westernfilmen aufeinander einprügeln. Oft ist das absurd. So kann man häufig voraussagen, dass beispielsweise ein x-beliebiger FPÖ-Funktionär zugleich „gegen Ausländer“ ist, gegen Anti-Pandemie-Maßnahmen, höchstwahrscheinlich gegen die Corona-Impfung und außerdem fix auf „die Grünen“ schimpft, wenn jemand über den Klimawandel spricht. Absurd ist das deshalb, da ja an sich Themen wie Migration, das Wetter und ein Virus eher wenig miteinander zu tun haben, es von daher also nicht unbedingt logisch ist, dass jemand dazu immer leicht vorhersehbare überideologisierte Meinungen haben müsse.

Bleiben wir bei der drohenden Klimakatastrophe. Sehr oft wird gesagt, Klima, Öko und Bio seien nur etwas für Wohlhabende, weil die es sich leisten können. Die brauchen ja auch nicht unbedingt ein Auto, denn ins Büro haben sie es meist nicht weit, das kriegt man gut mit dem Fahrrad hin – unmöglich für den Hackler oder die Pflegerin im mobilen Dienst. Außerdem ist für die arbeitenden Klassen das Auto seit den sechziger Jahren ein Statussymbol, der kleine Luxus, der zeigt, dass man sich auch einen Teil vom Wohlstand verdient hat. In den oberen Schichten hat man das nicht so notwendig, da ruht man sowieso selbstbewusst im Wohlstand. Dafür fliegt man drei Mal im Jahr auf die Seychellen, und redet in Wirklichkeit nur scheinheilig. Zudem: „Verzichten“ ist einfacher, wenn man eh von allem Überfluss hat. Das ist alles wahr, nur eines ist nicht wahr: Dass der Klimaschutz ein Luxusthema für die Reichen ist, aber für die normalen Leute keine Priorität habe.

In Wirklichkeit sollte es umgekehrt sein: die weniger Wohlhabenden, die ganz normalen Leute, sie haben das größte Interesse am Klimaschutz. Denn die Reichen werden sich es immer richten können. Im Großen gesprochen: Wenn der malerische Küstenstreifen, auf dem ihr Anwesen steht, im Ozean versinkt, weil der Meeresspiegel steigt, kaufen sie sich eben ein schmuckes Chalet in der Schweiz. Im Kleinen gesprochen: Für sie ist der Einbau einer Klimaanlage und der Strom dafür – diese läppischen tausend Euro im Jahr – keine große Ausgabe, und in den Villengegenden am Stadtrand mit viel Grün rundherum kühlt es auch in den heißesten Sommernächten ab. Währenddessen steht in den Innenstädten die Hitze.

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In zehn, fünfzehn Jahren wird es in den Innenstädten 44 Grad haben, und das oft tagelang. Wo wenig Grün und viel Beton ist, steht die Hitze, wo viele Menschen auf engem Raum leben, wird es unerträglich sein. Die Städte zu begrünen, sie mit den verschiedensten Maßnahmen zu kühlen wird für viele Menschen überlebenswichtig sein – und zwar gerade für jene, die nicht auf die Butterseite des Lebens gefallen sind. Die Mindestrentnerin im Gemeindebau, der sich aufheizt wie ein Backofen – sie wird dann sterben. Ärmere sterben früher als Reiche – ungesunde Wohnsituationen sind ein ganz wichtiger Grund dafür.

Gerade wer die Sache der „kleinen Leute“ vertritt, muss eigentlich sagen: In 15 Jahren dürfen am Gürtel in Wien oder auf der Simmeringer Hauptstraße keine Autos mehr fahren, wir müssen den öffentlichen Verkehr so gut machen, dass wir weniger Parkplätze brauchen und wir überall Alleen, am besten sogar kleine Wäldchen pflanzen können. Sonst wird das für die normalen Leute verdammt ungemütlich.

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