Wir gegen sie

Nach den Karikaturenstreit: Wenn identitäre Konflikte nur lange genug beschworen werden, dann gibt es sie irgendwann auch. Anatomie einer Kriegspsychose Falter & Frankfurter Rundschau, Februar 2006

 

Es riecht nach Krieg. Zumindest bekommt man langsam eine Ahnung davon, wie das in früheren Zeiten einmal gewesen sein muss; wie eines das andere ergab. Sich plötzlich gegenüberstanden: Wir gegen sie.

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Der Nutzensbegrenzer

Im Kaffeehaus ist er eine Berühmtheit und das reicht ihm schon: Franz Schuh, Kritiker, Chronist, Type aus Wien, hat mit „Schwere Vorwürfe, schmutzige Wäsche“ sein Hauptwerk vorgelegt, das aus lauter Nebensachen besteht. taz, März 2006

 

Es gibt in Österreichs Hauptstadt den Typus des Großdenkers, über den man sagt, er sei „in Wien weltberühmt“. Das ist, wie das meiste in Wien, nicht freundlich gemeint. Gemünzt ist die bissige Formel auf Schein-Titanen, die daheim mit Genie-Geste renommieren, es anderswo aber, also in der Welt, zu nichts bringen. Des weiteren gibt es die, die tatsächlich weltberühmt sind, was meint, dass man sie zumindest in Deutschland kennt. Und dann gibt es Franz Schuh.

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Shopping am Emotions-Markt

Affekte im Büro, Partnersuche im Internet, Liebeskonsum: Die israelische Soziologin Eva Illouz erforscht die Gefühlswelt des Kapitalismus.

 

Wer vom Kapitalismus reden will, darf von seinen ironischen, paradoxen Volten nicht schweigen. Denn der Kapitalismus ist ja mehr als nur eine Produktionsweise, er richtet sich die Menschen her, färbt Ideen, Affekte, Gefühle ein. Aber er macht darum eben nicht nur die Gefühle „kapitalistisch“, der Kapitalismus wird damit auch zu einer „Gefühlssache“.

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Ethik für das Kapital

Klaus M. Leisinger, Chemiemanager und UN-Sonderberater, meint, dass Menschenrechtsfragen längst Teil der Produktqualität sind und unmoralische Firmen am Markt unnötige Risiken eingehen. 

 

Kennen Sie von Bertolt Brecht „Der gute Mensch von Sezuan“?

 

Leisinger: Vor allem die letzten beiden Zeilen.

 

Wie lauten die schnell noch mal?

 

Leisinger: „Verehrtes Publikum, los, such dir selbst den Schluss / Es muss ein guter da sein, muss, muss, muss“

 

Ein berühmter Satz. Wie der, den die drei Götter sprechen, als sie realisieren, dass die kapitalistische Welt für gütige Menschen unbewohnbar ist: „Gute Vorsätze bringen sie an den Rand des Abgrunds, gute Taten stürzen sie hinab.“ Was sagt denn der Wirtschaftsethiker dazu?

 

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Skandinavisches Wunder

Joakim Palme, schwedischer Sozialpolitik-Experte und Sohn des legendären Premiers Olaf Palme, über das „skandinavische Wohlfahrtsstaatsmodell“, das Gleichheit, soziale Sicherheit und eine konkurrenzfähige Marktwirtschaft kombiniert. 

 

Neuerdings wird in Kontinentaleuropa lagerübergreifend vom „skandinavischen Modell“ geschwärmt. Was ist der Grund für den Erfolg des skandinavischen Wohlfahrtsmodelles?

 

Palme: Dass das skandinavische Modell zunehmend als Vorbild betrachtet wird, ist schon logisch – schließlich zeigen einfach die Fakten, simple ökonomische Indikatoren, dass sie erfolgreich sind. Die Wachstumsraten in Skandinavien waren in den vergangenen zehn Jahren deutlich höher als im Rest Europas. Sie beweisen, dass man Volkswirtschaften mit hohen Steuern, viel Effizienz, Wachstum und profitablen Unternehmen betreiben kann.

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Angeschwemmte Leichen

Die Journalistin Corinna Milborn beschreibt in einer eindrucksvollen Großreportage das Abschottungsregime Europas gegen Flüchtlinge aus aller Welt.

 

Badeurlaub am Mittelmeer kann heutzutage mit einem gewissen Unbill verbunden sein: Gut möglich, dass morgens am Strand die angeschwemmte Leiche eines Schwarzen herumliegt. Bisweilen treiben auch Schlauchboote vorbei, in denen Verdurstete liegen. Oder es kommt ein überladener rostiger Kutter daher, der seine halbverhungerte menschliche Fracht glatt an der Küste absetzen würde, würde ihn die italienische Marine nicht wieder auf’s offene Meer treiben.

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„Kein Kaiser war mächtiger“

Jean Ziegler, Moralist, Ex-Nationalrat, Bestsellerautor und UN-Sonderberichterstatter über den Kampf gegen den Hunger. Er plädiert für einen „Aufstand des Gewissens“.

 

Sie sind nach Jahrzehnten als Universitätsprofessor und Parlamentsabgeordneter nun UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Ist das auch eine Rückkehr zu ihren Wurzeln?

 

Ziegler: Mein Schlüsselerlebnis war im Kongo, da war ich ein ganz junger Mann. Ich arbeitete damals – Mitte der sechziger Jahre – für die UNO. Das war ja das erste Mal, dass die Weltorganisation ein Land übernommen hat. Wir saßen in unserem Luxushotel in Kinshasa, das war bewacht von den Gurkhas, den nepalesischen Blauhelmen. Täglich kamen Kolonnen halbverhungerter Kinder aus der Stadt. Die Köche warfen ihnen Speisereste über den Stacheldraht. Die Kinder kletterten in den Draht, rissen sich die Finger auf. Die Gurkhas schlugen ihnen auf den Kopf, damit sie nicht rüber kommen. Damals habe ich mir geschworen, nie wieder auf der Seite der Henker zu stehen – auch nicht zufällig.

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„Zu wenige Kriege“

William Kristol, Kopf der „Neokonservativen“ und intellektueller Vordenker der US-Außenpolitik, über den Export der Demokratie mit Waffengewalt, die Lehren des Irakkrieges, die Irankrise und seine Treue zu George W. Bush.  profil, Mai 2006

 

profil: Wenn Sie ein „Neocon“ genannt werden – ist das für Sie eine Beleidigung oder eine Ehre?

 

Kristol: Oh, das ist ganz sicher ein Ehrentitel!

 

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Starre Meinungs-Gemeinschaften

Friedensfreunde und Neocons, Antiimperialisten und Antideutsche, Menschenfreunde und Haudraufs – alle haben ihre klaren Haltungen zum Libanonkrieg und liefern sich Debattengefechte mit den anderen. Grund für Unbehagen an der Diskurskultur. Standard, Juli 2006

 

 

 

Er tobt, der Krieg. Weit unten in Nahost wird er mit Katjuschas und mit Kampfbombern ausgetragen, in unseren Breiten mittels Presseerklärung, Leitartikel oder in hitzigen Kneipentischstreitereien.

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