Good Times

„Also dieser Herbst 2008, der wird uns als ein welthistorischer Moment in Erinnerung bleiben, nicht nur wegen der Kernschmelze an den Finanzmärkten. Barack Obama wird zum US-Präsidenten gewählt. Paul Krugman kriegt den Wirtschaftsnobelpreis. Und ich den Staatspreis für Kulturpublizistik. Die Welt ist doch nicht ganz schlecht.“

 

So fang ich an, wenn ich mich heute artig für den Staatspreis für Kulturpublizistik bedanke. Jetzt werfe ich mich mal in Schale. Mehr gibt’s später. Was die Ministeriun sagen wird, kann man übrigens auszugsweise schon hier lesen.

Pech in der Liebe

„Du wirst meiner Liebe nicht entgehen“, heißt es schon voller bedrängender Zuneigung in den „Geschichten aus dem Wienerwald“. Ähnlich verknallt ist in mich seit geraumer Zeit Henryk M. Broder. Heute findet sich wieder so ein Liebesbeweis des größten Zwergs von Berlin Mitte auf seiner Homepage „Achse des Guten“. Zu finden hier.

Nur so eine Idee: Lunacek als Glawischnig-Nachfolgerin…

Noch ein paar Anmerkungen zur Krise, in die die neue Parteiführung die Grünen innerhalb von zwei Monaten geführt hat: 5,8 Prozent, das ist jetzt die Zielmarke. Die muss die Partei erreichen, damit Ulrike Lunacek ins EU-Parlament einziehen kann. Realistischerweise müsste sie das trotz des Schuss‘ ins eigene Bein schaffen.

Stellt sich die Frage, ob nicht zu hoffen ist, dass sie darunter bleibt. Das katastrophale Krisenmanagement der Glawischnig-Führung in den letzten Tagen zeigt, wie sehr sie überfordert ist. Ob da nicht ein schnelles Ende mit Schrecken besser wäre? Sagen wir es offen: Sie wurde von Wolfgang Fellner ins Amt geschrieben, das haben wir jetzt davon.

Nur mal so als Gedankenexperiment: Wäre nicht Ulrike Lunacek, die jetzt etwas unverdient in diesen Sturm geriet, in den man sie offenbar gehetzt hat, eine Kandidatin für die Glawischnig-Nachfolge? Dann könnte man doch die Sache mit der EU-Liste noch einmal…

Ach, war nur eine Idee…

Hier noch zwei aktuelle Stimmen. Christoph Chorherr & Peter Pilz zum Voggenhuber-Drama.

Warum die Grünen Johannes Voggenhuber aufstellen müssen

Als Friends of political Suicide haben sich die Grünen schon bei ihrem Bundeskongress erwiesen, der Johannes Voggenhuber letztlich als führenden Europapolitiker der Partei abwählte. Dass das die Partei in heftige Turbulenzen bringen und dass ihnen öffentlicher Wind ins Gesicht blasen würde, war jedem klar – außer offenbar vielen handelnden Akteuren. Man hat sich Voggenhuber entledigt, weil er ein schwieriger, im innerparteilichen Umgang vielleicht schwer erträglicher Typ ist. Aber weder demokratische Qualität noch Führungsqualität erweist sich darin, dass man schwierige Typen nicht erträgt und persönliche Aversion über politische Vernunft stellt. Resultat: Die Grünen haben die EU-Wahl fast schon verloren.

Heute entscheidet der Erweiterte Bundesvorstand, ob Voggenhuber doch noch ganz hinten auf die Liste kommt. Wenn man dieses gewiss etwas stichelige Angebot Voggenhubers ablehnt, brauchen die Grünen zur EU-Wahl eigentlich nicht mehr antreten. Wenn sie es annehmen, dann haben sie einen schwelenden Konflikt. Es gibt also eigentlich nur eine Möglichkeit. Voggenhuber aufstellen. Und die Konkurrenz zwischen Ulrike Lunacek und Voggenhuber nicht nur ertragen, sondern offensiv nützen. Wer mehr Vorzugsstimmen bekommt, der ist Erster. Jeder soll seine Anhänger mobilisieren. Unter dem Strich bringt das mehr an Mobilisierung, als die „glatte“ Liste des Bundeskongresses, die das Stigma nicht mehr loswürde, dass Basiswappler einen kontroversen, aber brillanten Politiker entsorgt haben.

Über das Pathos

Der Text zu FS Misik Folge 61:

Ja, das sind schon Momente das Pathos. Change is coming to America. Congratulations, Mr. President. Seit Obamas Angelobung hört man richtig gerne Nachrichten. Order zur Schließung Guantanamos binnen einen Jahres unterzeichnet. Order zu Schließung aller CIA-Geheimgefängnisse und dem Verbot von Folter in Vorbereitung. Jeden Tag eine gute Nachricht.

 Anzeige: Jetzt erschienen – „Politik der Paranoia. Gegen die neuen Konservativen“ von Robert Misik

 

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Milchmusik. Wenn die Zeit drängt.

War gestern in der „Milchmusik“-Premiere. „Milchmusik“ ist ein posthum erschienener Monolog des 1995 verstorbenen Autors Thomas Strittmatter. Monica Giovanazzi hat ihn gemeinsam mit Leopold Ritschka für eine Performance adaptiert. Dicht und präzise, in einem Bühnenbild, das an Bacons Atelier erinnert. Ein Monolog über den Tod, der in einem arbeitet, zumal für einen, dessen Zeit mehr drängt, als sie bei jedem drängt. Aufführungen gibt es noch bis Sonntag in der „Alten Schiebekammer“ im 15. Bezirk.  Absolut empfehlenswert.

Näheres hier.

www.rotehaare.at

So arbeitet der Tod

Im Sommer 1995 starb mein enger Freund, der Schriftsteller Thomas Strittmatter in seiner Wohnung in Berlin. Wir wohnten damals übereinander. Im Jänner startet in Wien eine größere Retrospektive mit Arbeiten, Lesungen, Vorträgen von und über Thomas. Aus diesem Anlass hier schon einmal ein Text, den ich anlässlich Thomas‘ ersten Todestages 1996 in der Berliner Zeitung veröffentlicht habe.

 Viel Aufhebens hat er nicht gemacht um sein Leben. Thomas Strittmatter, der Dramatiker, Romancier und Drehbuchautor aus dem Schwarzwald, war am 29. August 1995 in Berlin gestorben. Abends, knapp vor neun, ist er im Bad seiner Wohnung in Prenzlauer Berg, Rodenbergstraße, Vorderhaus, vier Treppen rechts, umgekippt. Das Herz stand still, plötzlich. Eine späte und zugleich frühe Folge des Aortaklappenfehlers, an dem er seit Jugendtagen laborierte.

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