Brief an die Leserinnen und Leser

Misik c Daniel Novotny 3.jpg                                   Foto: Daniel Novotny

Liebe Leserinnen und Leser,

vor ein paar Wochen habe ich mich mit der Frage an Sie gewandt, was Ihnen dieses Blog wert ist. Ich will, habe ich geschrieben, dieses Blog mit etwas mehr „Engagement hochpimpen, um es zu dem führenden progressiven Weblog Österreichs zu machen“ und hinzugefügt: „Je mehr Leute bereit sind, dafür ein bisschen zu spenden, umso besser wird das Ding.“

Die Reaktionen darauf waren sehr ermutigend. Es sind bis heute sehr viele kleine Spenden eingegangen und auch größere – einzelne User haben 50 oder 100 Euro überwiesen. Es ist langsam überfällig, mich bei allen, die so schnell einen Beitrag geleistet haben, auf diesem Weg herzlich zu bedanken. Natürlich kam in der kurzen Zeit nicht soviel Geld zusammen, dass man schon an größere Investitionen oder dramatische Expansionen denken kann – aber es ist ja auch Sommer 😉 Eine Zwischenbilanz und sichtbare Veränderungen wird es dann hoffentlich im Herbst geben.

 

Ein sind aber auch ein paar Fragen aufgetaucht, zu denen ich etwas sagen will.

Erstens: Es haben mir einige Menschen geschrieben, sie hätten überhaupt kein Geld und können nur ein oder zwei Euro überweisen – und haben das auch getan. Ich finde das klasse, wenn Leute dieses Blog so wichtig finden, dass sie trotz begrenzter Möglichkeiten etwas beitragen wollen. Aber jeder soll auch wissen: Das ist nicht nötig. Ich weiß, dass es auch in einer Community wie meiner Leserschaft ein paar wohlhabende Leute gibt. Solidarität heißt, dass jeder nach seinen Möglichkeiten beiträgt. Kurzum: Ich freue mich über jeden Euro, aber es ist wirklich nicht notwendig, dass sich jemand das Geld vom Mund abspart. Wer das aber dennoch tut, weil es ihm oder ihr ein wirkliches Bedürfnis ist – dann sag‘ ich mit Demut Hut ab und danke. Aber es gibt keinen, auch keinen moralischen Druck, zu spenden. Das wollte ich zumindest einmal gesagt haben.

Zweitens und im Zusammenhang damit: Das ist hier kein „Geschäftsmodell“, sondern eher ein politisch-publizistisches Projekt, das ich aber auch nicht allein als Hobby nebenher betreiben und aus meiner sonstigen publizistischen Tätigkeit quersubventionieren will. Letzteres geht zwar auch, aber die Grenzen sind dann eng gezogen. Warum ich sage, dass das kein Geschäftsmodell ist: Zunächst, weil ich einfach kein Geschäftsmann werden will, der hier irgendwelche Leute engagiert, die etwa Werbung verkaufen oder sowas. Das passt nicht hierher, aber noch viel weniger zu mir. Kaufmann wird in diesem Leben keiner mehr aus mir. Und weiters, weil Geschäftsmodelle im Internet schnell den Reflex auslösen, dass man irgendwie den Zugang regulieren muss – Zugriff für die, die zahlen, und andere auf irgendwelche Weise ausschließen. Das wäre aber das Gegenteil von dem, was ich will.

Drittens: Es ließ sich ja nicht vermeiden, dass einige sagten: jetzt hat der Unterberger Spenden eingetrieben, ha, und jetzt macht’s der Misik auch. Naja, ich glaub die Ähnlichkeiten zwischen mir und Unterberger sind endlich. Ist eher so, wie wenn man sagen würde: Die „Junge Freiheit“ und die „Zeit“ machen das gleiche, beide kann man gegen Geld am Kiosk kaufen. Das ist schon wahr, aber es gibt doch noch ein paar größere Differenzen. Außerdem gibt’s auch in der Kernfrage – dem Spendenmodell – wesentliche Unterschiede: Ich hab nicht vor, damit wirklich viel Kohle zu verdienen, sondern höchstens ein paar Unkosten reinzukriegen und, wenn ich hier ein paar hundert Stunden investiere, nicht ganz für Gotteslohn zu arbeiten. Und meine Technologie-Sherpas sollen auch nicht völlig unbelohnt bleiben. Vor allem aber werde ich mir bestimmt nicht den Kopf darüber zerbrechen, wie ich den Zugang für Leute, die nicht zahlen, technisch erschweren kann.

Noch mal: Es gibt keinerlei, nicht einmal moralischen, Druck, etwas zu geben. Jede/r kann, wenn er will. Wer nicht will, macht auch nichts. It’s that simple.

Ich finde, das ist unter den Umständen der Gratis-Kultur des Netzes die beste und vor allem demokratischte Möglichkeit: Dass man einen angemessenen Beitrag leistet für das, was man nützt – und den Begriff „angemessen“ halt für sich selbst interpretiert. Und dass jede mögliche Interpretation in Ordnung ist.
In diesem Sinne danke ich für alle schon geleisteten Beiträge – und im voraus für alle, die demnächst bei mir eingehen. Ich werde Sie auf dem Laufenden halten.

Herzlich,
Ihr
Robert Misik

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