Preis der Keynes-Gesellschaft für Wirtschaftspublizistik

In eigener Sache: 

Das ist eine sehr große Ehre und Freude: vor einigen Tagen teilte die John-Maynard-Keynes-Gesellschaft mit, dass sie mir den diesjährigen Preis für Wirtschaftspublizistik verleiht. Gerade als jemand, der gar nicht primär Wirtschaftsjournalist ist, und wahrscheinlich nicht einmal sekundär, sondern eben versucht, neben politischen und kulturellen Prozessen auch ökonomische zu verstehen (und möglichst verständlich zu beschreiben), freut mich diese Anerkennung von den wirklich Großen der Wirtschaftswissenschaften natürlich besonders. Nachdem ich ja schon mit dem Staatspreis für Kulturpublizistik ausgezeichnet wurde fühlt sich das bisschen so an, wie wenn man Olympiagold in der Abfahrt und im Slalom gewinnt.

Schließlich ist das nicht irgendein Preis, sondern wird vom Vorstand der Keynes-Gesellschaft und einer Jury vergeben, in der weithin bekannte Koryphäen wie Peter Bofinger und Gustav Horn mitstimmen. Und vor mir erhielten beispielsweise Mark Schieritz, Ulrike Herrmann, Wolfgang Münchau und Harald Schumann diese Auszeichnung.

Kurzum: Ich freue mich und bin ein ganz klein wenig stolz. Der Preis wird dann bei der nächsten Tagung der Vereinigung im Frühjahr 2019 in Berlin verliehen.

„Ein abscheuliches System“

Menschen sind auf Wettbewerb gepolt, nur Konkurrenz führe zu Fortschritt, wird behauptet. Dabei bringt uns nicht der Kampf aller gegen alle voran, sondern die Kooperation.

Der Freitag, September 2018

Jeder versucht sich selbst zu optimieren, sein Ich zu verbessern, und dieses optimierte Selbst auch im besten Licht erscheinen zu lassen. Von Instagram bis Facebook werfen wir uns in Pose, wir vergleichen und werden verglichen. Kaum öffnen wir morgens die Augen, stehen wir schon in diesem Wettbewerb, zu dem das zeitgenössische Leben geworden ist.

Die Selbsttechniken der Ich-Optimierung sind das eine, aber sie sind auch nicht zu trennen von einer Ideologie, die die Konkurrenz zur eigentlichen Conditio Humana, des menschlichen Wesens erklärt und auch zum Motor von Fortschritt. Wirtschaftliche Prosperität sei nur durch Konkurrenz zu haben, also dadurch, dass Menschen gegeneinander und für das kleine fiese Eigeninteresse agieren, und auch der technologische Fortschritt komme deshalb in die Welt, weil Einzelne andere Einzelne übertrumpfen wollen.

Von da ist es dann nicht mehr weit zu einem neoliberalen, kaltherzigen Konservativismus, der mit sozialdarwinistischen Plattitüden ausgerechnet das Sozialagieren des Herden- und Gemeinschaftstieres Mensch zum Krieg jedes gegen jeden phantasiert; und der den Sieg des Stärkeren als das feiert, was den langfristigen Erfolg der Gattung garantiere. Schwächlichkeit oder Humanitätsgesäusel würden letztendlich das Gegenteil dessen bewirken, was seine Fürsprecher anstreben, nämlich die Verbesserung der Welt.

Glücklicherweise ist die Welt nicht so. Die Konkurrenzfanatiker meinen zwar, dass in streng sozialdarwinistischer Manier, wie im Tierreich auch unter Menschen der harte Kampf ums Überleben herrscht und nur der „Stärkste“ überlebt. Doch das trifft nicht einmal auf das Tierreich zu. Darwin sprach nie davon, dass der „Stärkste“ überlebe – sondern vom „Survival of the fittest“. Das heißt aber etwas ganz anderes: Der ist am besten gerüstet, der sich am besten an seine Umweltbedingungen anpasst. Dies schließt nicht nur Konkurrenz ein, sondern auch kluge Kooperation. Erst recht gilt das für ein soziales „Tier“ wie den Menschen – dessen „Umwelt“ im Wesentlichen aus anderen Menschen besteht. Fast könnte man also sagen: Nicht der „Stärkste“ überlebt, sondern der „Freundlichste“, also der, der am besten kooperiert und der am meisten zur Entstehung einer kooperativen Ordnung beiträgt. Evolutionsbiologen sprechen neuerdings vom „Survival of the kindest“. Darwin selbst hat sich darüber Gedanken gemacht, warum in menschlichen Gemeinschaften der Kooperationsgeist sukzessive zugenommen hat, und äußerte die Ansicht, dass möglicherweise die kooperativeren frühen Menschengruppen in der Konkurrenz mit unkooperativen evolutionsbiologisch überlegen waren. Wie auch immer, all das soll natürlich nicht heißen, dass es nicht im zwischenmenschlichen Verkehr zu Gewalt, Mord, Totschlag und groben Gemeinheiten kommt – ohne Zweifel geschieht das. Es wäre lächerlich, das zu leugnen. Aber es ist doch ein Unterschied, ob man davon ausgeht, dass die Menschen quasi sozio-biologisch auf Konkurrenz und Kampf programmiert sind, wie das die Konservativen tun, oder ob man annimmt, dass sie sehr wohl auch zur Kooperation fähig sind, dass sie vielleicht sogar primär auf Kooperation gestimmt sind, dass sie zu Altruismus und Generosität fähig sind und dass sie möglicherweise auch das Leiden ihrer Mitmenschen bekümmert.

Doch wenigstens im Feld des Ökonomischen habe die Konkurrenz das Sagen und bürge für bessere Ergebnisse, wird dann gerne eingewandt. Aber selbst das ist sehr fragwürdig. Denn wesentliche Teile der kapitalistischen Ökonomie sind überhaupt nicht von Konkurrenz geprägt. Man kann beinahe sagen: Das Erfolgsgeheimnis der kapitalistischen Industriegesellschaft war von Beginn an viel mehr die Kooperation als die Konkurrenz. Immer größer wurden die Wirtschaftseinheiten, die Fabriken und Unternehmen, innerhalb derer viele tausende Menschen kooperieren. Und sehr bald wurde deutlich, dass die Vorteile dieser Kooperation nicht nur in der effizienten Kombination von Arbeitsschritten auf stetig höherer Stufenleiter liegen, sondern auch im eigensinnigen, wechselseitigen und kreativen Miteinander der Kooperierenden selbst, oder anders formuliert: im Teamgeist. Mit Karl Marx gesagt: „Abgesehen von der neuen Kraftpotenz, die aus der Verschmelzung vieler Kräfte in eine Gesamtkraft entspringt, erzeugt bei den meisten produktiven Arbeiten der bloße gesellschaftliche Kontakt einen Wetteifer und eine eigne Erregung der Lebensgeister (animal spirits), welche die individuelle Leistungsfähigkeit erhöhen.“

Diese „Erregung der Lebensgeister“ ist ja nicht der unwesentlichste Grund dafür, dass 10 Leute, die zusammen arbeiten, mehr weiter bringen werden als 10 Leute, die zeitgleich auf sich alleine gestellt arbeiten. Und zwar nicht nur, weil beispielsweise nur 10 Leute einen Felsen von einer Tonne Gewicht bewegen können, während das ein Einzelner niemals könnte, sondern weil diese 10 Leute vielleicht beim Austüfteln der besten Möglichkeiten, eine solche Aufgabe zu lösen, auf verschiedene Ideen kommen, die sie dann kombinieren, bis die beste Idee gefunden ist, die ein einzelner niemals finden hätte können. „Dies rührt daher“, so Marx, „dass der Mensch von Natur, wenn nicht, wie Aristoteles meint, ein politisches, jedenfalls ein gesellschaftliches Tier ist.“ Und weiter: „Im planmäßigen Zusammenwirken mit anderen streift der Arbeiter seine individuellen Schranken ab und entwickelt sein Gattungsvermögen.“ Indem er mit anderen gemeinsam tätig ist, erfährt er sich als Teil eines größeren und mächtigeren Ganzen – und gleichzeitig die Grenzen eines bloß individuellen Wirkens und Lebens.

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Jeder Reichtum im Kapitalismus ist gesellschaftlich produziert, alle arbeiten hier kooperativ miteinander, weder dem Unternehmer noch dem Kapitalgeber kommt hier grundsätzlich eine privilegierte Funktion zu. Die Kapitalisten tragen etwas bei, aber nichts außerordentlicheres als etwa die Schuldirektorin, die die Schule organisiert, und der Lehrer, der die Schüler unterrichtet, und der Vorarbeiter, der die Lehrmädchen einschult und der Arbeiter, der die Maschine bedient, oder die Buchhalterin, die die Bücher führt, und die Putzfrau, die die Büros wischt. Es ist dieser gesellschaftliche Charakter, dieses kooperative Zusammenwirken, das Reichtümer schafft, das in seiner Komplexität, wie Marx bewundernd schreibt, beeindruckender ist als das Zusammenwirken tausender Arbeiter beim Bau der Pyramiden im alten Ägypten (und der – unter Gerechtigkeitsaspekten – große Skandal dieser sozialen Ordnung besteht darin, dass der Unternehmer oder Kapitalbesitzer den größeren Teil der Reichtümer als seinen Privaten aneignet). „Ein abscheuliches System“ weiterlesen

Kontrollverlust

Wie ein Begriff zur Catchphrase und Diagnosevokabel wurde.

Gegenblende, September 2018
„I’m About to lose Control and I think I like it“, singen die Pointer Sisters in „I’m so excited“. Meist ist der Kontrollverlust freilich nichts, was euphorisch bejubelt wird. Ja, neuerdings taugt er sogar zur Verächtlichmachung. „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“, sagte vor einiger Zeit der sonderliche Modezar Karl Lagerfeld, dem seinerseits von manchen Leuten höhnisch vorgehalten wird, die Kontrolle über sein Leben verloren zu haben. Aber was heißt das eigentlich: Die Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren?

Sich im Griff haben. Die Bälle, die man in der Luft hat, unter Kontrolle halten. Beim Drift durch die Existenz Spur halten und nicht aus der Bahn geworfen werden. Schläge wegstecken, ohne sich gehen zu lassen. Die Überforderung, die alle spüren, meistern, ohne einzuknicken. Fassade wahren vielleicht auch. Seine Existenz und sein Ich selbst zu modellieren, leben und nicht „gelebt werden“. Autor des eigenen Lebensskripts zu sein, oder zumindest Co-Autor. So Zeug halt.

Auch: Für sich selbst verantwortlich sein, und jeden Schlag einstecken – wie es der Zeitgeist einer hyperindividualisierten Wettbewerbsgesellschaft verlangt.
Zugleich geistert das Sprachbild vom Kontrollverlust durch viele Debatten. Im neoliberalen Kapitalismus, in dem stets alles auf Messers Schneide steht, in dem man nie langfristig auf etwas bauen kann, in dem Karrieren, Jobprofile, Arbeitsstellen, Mietverträge und Lebenspartnerschaften stets nur befristet und mit Ablaufdatum (aber oft eben keinem exakten) versehen sind, empfinden viele Menschen Kontrollverlust. Die Menschen wissen, „dass Morgen alles ganz anders sein kann“ (Hartmut Rosa).

Der Wahn, in jeder Situation unbedingt die Kontrolle über das eigene Leben zu bewahren und die allgemeine Diagnose des Kontrollverlustes – sie sind ganz offensichtlich zwei Seiten einer Medaille.

Überhaupt ist Kontrollverlust so eine Catchphrase geworden. In den Hochtagen des Flüchtlingssommers, als Tausende einfach so über Grenzen marschierten, haben viele Menschen, so wird jedenfalls behauptet, vor allem die Bilder vom „Kontrollverlust“ als verstörend erlebt.

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Und die Brexit-Befürworter in Großbritannien gewannen ihre Kampagne mit der Parole „Take Back Control“. Soll heißen: Statt Spielball supranationaler Kräfte und undurchschaubarer Institutionengeflechte soll wieder nationalstaatliche Kontrolle zurück gewonnen werden. Kontrollverlust weiterlesen

Heimat – ein intimes, zärtliches Gefühl

Heimatbegriff,  linksgewendet? Das Eigentümliche an „Heimat“ ist die deutliche Dissonanz zwischen dem „Begriff Heimat“, der überladen ist mit Heimattümelei, und dem Heimatgefühl, das etwas ganz anderes ist.

Die Zeit, August 2018

Es begann mit Alexander van der Bellens Wahlkampf und der Notwendigkeit, den Kandidaten als volkstümlich zu präsentieren, um das Wählerpotential zu erweitern und die paar notwendigen zusätzlichen Prozentpunkte zu gewinnen. „Heimat braucht Zusammenhalt“, stand da auf den Plakaten, Bergidylle im Hintergrund. Es dauerte dann nicht lang bis zum ersten bizarren Höhepunkt der Herumgeheimatelei. Im Salzburger Landtagswahlkampf verloren die Grünen die Balance, die der Präsidentschaftwahlkampf noch wahrte. Sie affichierten Plakate mit dem Slogan „Heimat beschützen“, mit lauter blonden Kindern in Lederhosen und Dirndln. Eine Bildsprache, die die NPD nicht schöner hinbekäme.
Es ist all das aber nicht nur eine Thematik für Werbeagenturen und längst nicht bloß ein österreichisches Phänomen. Viel wird plötzlich darüber diskutiert, ob es denn einen „progressiven Heimatbegriff“ brauche. Meist fällt die Frage gleich als Imperativ ins Haus: „Die Linken müssen den Heimatbegriff zurück erobern“.
Auffallend ist, dass meist vom „Begriff Heimat“ die Rede ist, der zurück erobert werden soll, nicht von „der Heimat“. Das scheinen offenbar massiv unterschiedliche Dinge zu sein, die „Heimat“ und der „Begriff Heimat“. Man hat geradezu den Eindruck, dass es bei dem ganzen Herumgeheimate weniger um die Heimat ginge als um den Begriff von ihr.

Das Eigentümliche an Heimat ist die deutliche Dissonanz zwischen Begriff und Gefühl.

Heimat ist zunächst noch am ehestens das, wo ich mich vertraut fühle. Eine Gegend, ein Viertel. Geborgenheit gehört vielleicht dazu. Vertrautheit, die man gern Heimatgefühl nennt. Für die allermeisten Menschen ist das etwas sehr Subjektives, fast Intimes. Zärtliches. Für die einen sind es ein paar Straßenzüge. Oder Kleinstädte. Oder das Dorf, aus dem sie kommen.

Eine der Eigentümlichkeit von Heimatgefühlen: Sie haben viel mit Erinnerungen zu tun. Auch mit Gerüchen, die einem dann an Situationen, Vertrautheiten erinnern. Man denke nur an die legendäre Episode aus Marcel Proust „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, in der es heißt: „Viele Jahre lang hatte von Combray außer dem, was der Schauplatz und das Drama meines Zubettgehens war, nichts für mich existiert, als meine Mutter an einem Wintertage, an dem ich durchfroren nach Hause kam, mir vorschlug, ich solle entgegen meiner Gewohnheit eine Tasse Tee zu mir nehmen… Sie ließ darauf eines jener dicken ovalen Sandtörtchen holen, die man ‚Madeleine‘ nennt … Und dann mit einem Male war die Erinnerung da.“ Heimat – ein intimes, zärtliches Gefühl weiterlesen

Lob des Kompromisses

Kompromisse stehen in einem schlechten Ruf. Sie seien der Feind der großen Würfe und enden im Kleinklein, heißt es. Fast instinktiv denken wir an „faule Kompromisse“. Aber das hat der Kompromiss nicht verdient. Eine Rehabilitierung.

Wiener Zeitung, Juli 2018

Wir alle kennen Menschen, die keine Kompromisse eingehen – zum Glück aber nicht viele. Jene, die man so gemeinhin „konsequent“ nennt. Sie führen ihr Leben nach strengen Regeln und Prinzipien, die sie sich selbst gegeben haben, sie sind, was man so salopp „geradeheraus“ nennt und würden nie mit ihrer Meinung hinter dem Berg halten, auch wenn sie wissen, dass daraus sofort Stunk und schlechte Stimmung folgt. Haben sie zufälligerweise einmal Freunde, überwerfen sie sich schnell mit ihnen. Ansonsten sind sie ziemlich einsam. Das Leben der kompromisslosen Leute ist nicht schön.

Und für alle anderen sind sie anstrengend.

Man hüte sich vor den Kompromisslosen. Dennoch steht der Kompromiss in einem schlechten Ruf. Er sei der Feind des Entschiedenen und daher der großen Würfe, verwässere alles, definitionsgemäß verliere er sich im Kleinklein, sorge für dröhnenden Stillstand, ja, er untergrabe sogar die moralische Klarheit, weil er meist von Menschen geschlossen wird, die bereit sind, auch einmal von Prinzipien abzugehen. „Wenn es um Kompromisse geht, taucht das Wort ‚faul‘ fast schon reflexartig auf“, formulierte die „Süddeutsche Zeitung“. Schon alleine die sprachliche Nähe von „Kompromiss“ und „kompromittieren“ weist semantisch die Fährte.

Parteien schließen Koalitionen und müssen Kompromisse eingehen, und wenn sie nicht nur Meinungsunterschiede im Detail, sondern wirkliche Haltungs- und Wertedifferenzen überbrücken sollen, setzt regelmäßig das Gejammer ein. Es könne dann ja nur ein kleinster gemeinsamer Nenner herauskommen, ein Getrippel und Gestolper. Der Kompromiss führt dazu, dass jeder etwas weniger von dem bekommt, als er will. Aber auch Lebenspartner schließen Kompromisse, nehmen auf Vorlieben und Abneigungen Rücksicht, so dass jeder von ihnen einen Teil seines Lebens aufgibt oder wenigstens nicht in jeder Situation „ganz er/sie selbst“ ist. Und, horribile, wir gehen mit uns selbst Kompromisse ein: Wir haben ein Bedürfnis nach Sicherheit, aber vielleicht auch ein wenig die Gier nach dem Abenteuer und tarieren diese Ziele gegeneinander aus, so dass statt Weiß oder Schwarz ein schmutziges Grau zurück bleibt aus Risiko und Risikovermeidung. Lob des Kompromisses weiterlesen

Kampfwort „Hypermoral“

Die Firnis der Zivilisation ist dünn. Ethische Prinzipien schlecht zu reden führt schneller in die Barbarei, als man denkt.

Der Freitag, Juli 2018

Es ist noch keine zwei Wochen her, da stellte Wolfgang Luef in Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ erschüttert fest: „Es gibt plötzlich zwei Meinungen darüber, ob man Menschen, die in Lebensgefahr sind, retten oder lieber sterben lassen soll.“ Und fügte hinzu: „Das ist der erste Schritt in die Barbarei.“ Es spricht viel für die Annahme, dass man dann schon mit beiden Beinen drin steckt.

Als wollte sie jeden Verdacht bestätigen, titelte die „Zeit“ vergangene Woche dröhnend auf Seite Drei: „Oder soll man es lassen?“, illustriert mit einer Rettungsoperation. Darüber wurde dann in zwei Texten ein Pro-und-Kontra veranstaltet. Bildsprache und Titelung wirkten in ihrer pseudoprovokativen Tabubruch-haftigkeit wie ein Höhepunkt der Verrohungsdiskurse, auch wenn es dann in der Debatte um die privaten Rettungsoperationen von NGOs ging. Dass man Menschen absichtlich ertrinken lassen soll, das vertrat letztlich auch die Autorin des Contra-Textes, Mariam Lau, nicht.

Aber man kennt den Trick schon. Nicht nur private Rettungsoperationen, auch die Seenotrettungsprogramme der früheren italienischen Regierung wurden ja als „Beihilfe zur Schlepperei“ schlecht geredet, es wurde gesagt, sie würden die Menschen „ermutigen“, auf die wackeligen Kähne zu steigen, sie wären ein „Pull“-Faktor. Da musste man nicht mehr extra dazu sagen, was Menschen im Gegensatz dazu entmutigen würde – nämlich ausreichend viele ertrinken zu lassen, bis sich das so weit herumspricht, dass es „entmutigt“. Europa hat lange eine Politik des Ertrinkenlassens betrieben und betreibt sie jetzt wieder – auch wenn man das im Kreise der EU-Innenminister niemals völlig offen sagen würde.

Wer dagegen das Wort ergreift oder meint, dass die Rettung von Menschen ein zivilisatorisches Minimum ist, der wird schnell als Moralist verdammt. Es gibt mittlerweile Kreise, in denen der Begriff der Moral faktisch nur mehr als Schimpfwort vorkommt. Und diese Kreise ziehen sich längst dahin, wo früher die Mitte war – bevor die Mitte vom rechten Rand ununterscheidbar wurde. Besonders beliebt neuerdings: der Vorwurf des „Hypermoralismus“.

Was in den Köpfen jener vorgeht, die gerne für „Realismus“ und gegen „Hypermoralismus“ argumentieren, konnte man im „Zeit“-Text von Mariam Lau dann doch ziemlich genau feststellen. Nämlich recht viel unsortiertes Zeug. Zunächst postulierte die Autorin, dass Menschen in Seenot natürlich gerettet werden müssten, dies aber Sache der Staaten sei. Leider ignorierte sie die Tatsache, dass die Staaten eben genau dieser Aufgabe nicht nachkommen, sonst gäbe es ja keine tausenden Ertrunkenen und auch gar keine NGO-Seenotrettung. Dann behauptete sie, das moralisch Gutgemeinte habe fatale Wirkungen, weil die Aussicht auf Rettung die Menschen erst in die Boote treibe. Dafür gibt es kaum empirische Hinweise, dafür genügend die dagegen sprechen. Und schließlich formulierte sie unübertrefflich über die Menschenrechtsaktivisten: „Ihr Verständnis von Menschenrechten ist absolut kompromisslos.“ Diese Formulierung lässt einem wirklich nur mehr ratlos zurück. Was wäre denn ein nicht-kompromissloses Verständnis von Menschenrechten? Nur jeden zweiten ertrinken lassen? Nicht foltern, außer es spricht viel dafür? Sie sagt es uns nicht. Aber wir können es uns denken.

Die Freunde der Amoral halten sich für schneidig und ernst, weil sie kalt und ohne moralische Verzärteltheit die Tatsachen würdigen. Eine der Tatsachen ist zweifelsohne, da haben sie auch recht: In einer komplexen Welt gibt es Zielkonflikte und deren großen Vetter, das moralische Dilemma. Beispielsweise: Eine universalistische Moral verlangt von uns, alle zu retten, aber konkrete Gesellschaften haben auch Grenzen der Aufnahmefähigkeit. Ein Zielkonflikt, der im Extremfall sogar zu einem moralischen Dilemma werden kann. Die Grenzen so weit auf, sodass es am Ende sogar unsere Demokratien zerreißt? Man kann das ein moralisches Dilemma nennen. Die Fürsprecher des eiskalten Realismus sehen überall Zielkonflikte und moralische Dilemmata, sodass sie meinen, man müsse ethische Prinzipien weit nach hinten stellen und Realpolitik nach vorne.

Beispielsweise: dass der Versuch, illegal einzuwandern, nicht belohnt werden dürfe. Damit meinen sie, dass Menschen, wenngleich man sie vielleicht rettet, wieder dorthin zurück gebracht werden sollen, wo sie her kamen. Was sie da nicht so gerne dazu sagen: dass die Menschen folglich in die libyschen Folter- und Vergewaltigungs-KZs gebracht werden sollen, zurück in die Versklavung. Komisch, dass die Freunde der kalten Amoral das dann doch nicht so offen sagen.

Zielkonflikte gibt es und es nützt nichts, sie zu ignorieren, klar. Aber meist bekommt man sie durch kluge Abwägung, Beachtung ethischer Prinzipien und die Suche nach Detaillösungen bearbeitet. Als in den USA die Sklaverei abgeschafft wurde, da haben bestimmt genug Schlaumeier gegen den Hypermoralismus gewettert, der damals noch Humanismus hieß, und kühl zu bedenken gegeben, dass die Abschaffung der Sklaverei moralisch vielleicht geboten sei, aber viel zu viele gefährliche Nebenfolgen hätte. Die Schwarzen seien ja ganz anders als „Wir“ und könnten frei doch gar kein Leben führen, meist würden sie gar keine Jobs finden und verhungern. Sie würden sich, einmal frei, sofort zusammenrotten und die Welt in Stücke schlagen. Zudem würden die Sklavenhalter pleite gehen, weshalb der Wohlstand sinken würde, und dann seien alle zusammen ärmer, die Sklavenhalter, die bisherigen Freien und die bisherigen Sklaven und davon hätte wohl doch niemand etwas. Kurzum: Die Abschaffung der Sklaverei sei viel zu riskant, man möge um Gottes Willen nicht den weltfremden Ideen der naiven Gutmenschen folgen.

Das kleine Exempel zeigt uns: Man sollte sich im Zweifel mehr von der Moral leiten lassen und weniger von den neunmalklugen Einwänden derer, die die Moral schlecht reden.

Zeitdiagnose Einsamkeit

Einsamkeit, so die Behauptung, sei das Lebensgefühl unserer individualisierten Erfolgsgesellschaft. Was daran zutrifft – und was nicht.

Neue Zürcher Zeitung, Juli 2018

Es war eine jene nichtssagenden Episoden, wie man sie als Twentysomething in Berlin der frühen neunziger Jahre fast täglich erlebte: Man saß in der Kneipe, hatte vor sich ein Whiskyglas und sprach mit einem Bekannten über das Leben. Aber ich erinnere mich noch genau, wie mein Gegenüber seinen Blick schweifen ließ, über die Tischrunden, die Mädchen und die Jungs, zum Tresen, wo die Trinker standen, wo flüchtige Gespräche begannen und wieder endeten. „Vor nichts haben die Menschen so eine Panik wie vor der Einsamkeit“, sagte mein Kumpan da. „Sie laufen nur ihrer Einsamkeit davon.“

Das ist eine existenzielle Aussage, von der Art wie das Urteil Thomas Wolfes, wonach „die Einsamkeit… die unausweichliche, zentrale Tatsache des menschlichen Daseins“ sei. Aber heute scheint Einsamkeit mehr zu sein als eine Tatsache der menschlichen Existenz, sondern ein Signum des Zeitalters. Kaum eine Zeitung, die in diesem Frühjahr nicht eine große Story über Einsamkeit brachte. „Ohne alle“, titelte die Süddeutsche jüngst und hielt dann ein Plädoyer für das Alleinsein, das Wiener „profil“ widmete dem „Lebensgefühl unserer Zeit“ eine Cover-Story, und die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung analysierte: „Ist der Mensch einsam, leidet die Demokratie.“

Die Einsamkeit ist etwas gänzlich anderes als das Alleinsein. „‚Einsam‘ hat eine emotionale Dimension, der ‚allein‘ nicht bedarf“, formuliert der norwegische Philosoph Lars Svendsen, der ein ganzes, kluges Buch über die „Philosophie der Einsamkeit“ geschrieben hat. Einsam ist, wer weniger soziale Beziehungen hat als er gerne hätte – und der darunter leidet. Man kann auch in Gesellschaft einsam und von dem Gefühl der Einsamkeit gequält sein – genauso, wie man alleine sein und das als bereichernden Zustand erleben kann. Schon der Begriff selbst ist eigentümlich. Etymologisch ist er ein ulkiger Zwitter aus „Eins“ und „Gemeinsam“.

Hält man sich an die alarmistischen Diagnosen, dann ist Einsamkeit heute eine „Epidemie im Vorborgenen“. So formulierte unlängst eine Kommission, die die britische Regierung eingesetzt hat. Weil viel zu viele Menschen unter chronischer Einsamkeit leiden, hat Premierministerin Theresa May nach dem Bericht der Kommission gleich eine ihrer Ministerinnen mit dem Thema betraut. Sie ist jetzt die weltweit wohl erste „Einsamkeitsministerin“.

Dabei ist sehr fraglich, ob die chronische Einsamkeit tatsächlich heute zunimmt. Gewiss, es ist viel von der Individualisierung, von Singlewelten und dem Verlust traditioneller Gemeinschaften die Rede, berühmt ist beispielsweise die große Studie des amerikanischen Sozialwissenschaftlers Robert D. Putman mit dem klingenden Titel „Bowling alone“, aber belastbare Daten, die eine Zunahme krank machender Einsamkeit nahelegen, sind eher rar. Sehr stark geplagt von Einsamkeit sind in den verschiedensten Ländern, die darüber längere Datenreihen erhoben, zwischen 1-2 Prozent der Bevölkerung, stark geplagt rund 3-5 Prozent. Das würde bedeuten, dass rund 5-7 Prozent der Bevölkerung Einsamkeit als chronische Belastung erleben ziemlich konstant. Schlimm genug. Aber noch keine Epidemie, vor allem aber keine, die dramatisch zunehmen würde.

In Wirklichkeit geben die Zahlen freilich nicht sehr viel her, weiß der deutsche Wissenschaftler Janosch Schobin. In solchen Surveys, so Schobin, erkennt man, „dass sehr kleine Veränderungen im Fragelaut, aber auch in der Fragetechnik zu unglaublich großen Unterschieden führen.“ Fragt man tausend Menschen in direkten Interviews, sind nicht sehr viele einsam. Nähert man sich ihnen in Online-Umfragen, sind es sehr viel mehr. Das kann daran liegen, dass man im direkten Gespräch nicht sehr gerne zugibt, einsam zu sein. Die Ursache könnte aber auch sein, dass man in der Online-Situation die eigene Einsamkeit drastischer erlebt als in einem Gesprächsmoment mit einer realen Person. Man weiß das nicht so genau.

Rentner oder Rentnerinnen sind bekannterweise oft einsam, wenn sie verwitwet und auch noch immobil sind und nur mehr auf die tägliche Essen-auf-Räder-Lieferung warten. Neuerdings gibt es das signifikante Wachstum von Singlehaushalten, selbstgewähltes Alleinsein, das in Episoden der Einsamkeit umschlagen kann. Karrieremuster und häufige Wohnortswechsel können den Aufbau stabiler Freundschaftsnetze verunmöglichen. Neue Arbeitsformen verbreiten sich, in denen echte Kollegialität kaum mehr entsteht.

Einsamkeit untergräbt das Immunsystem und chronische Einsamkeit ist Stress, führt zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, geht mit dem Erleben einher „keine Kontrolle über das eigene Schicksal zu haben“, schreibt der Psychiater Manfred Spitzer in seinem Buch „Einsamkeit. Die unerkannte Krankheit“. Einsamkeit kann tödlich sein. Wer einsam ist, erlebt widrige Situationen nicht nur als Widrigkeit, sondern schneller als ausweglos.

Einsamkeit droht „das gesamte Dasein zu unterminieren“, formuliert drastisch der Philosoph Svendsen. Aber summiert sich das alles gleich zu einem „Zeitgefühl“? Individualisierte Gesellschaften sind, um die alte Dichotomie zu benützen, sehr viel mehr Gesellschaft und sehr viel weniger Gemeinschaft. Auch wer eingewoben ist in Fäden und Netze des Sozialen, hat oft eher Bekannte als enge Freunde. Man driftet durch oberflächliche Begegnungen. Selbst Partnerschaften sind flüchtig. Sogar wenn man selbst nicht so lebt – sondern Partner und drei beste Freunde hat -, dann weiß das Subjekt stets, dass die Lebenswelt um einen herum eben so ist.

In der Erfolgsgesellschaft läuft jeder für sich, muss den Erfolg ausstellen und verkörpern, denn nur der, dem man den Erfolg ansieht, der hat ihn auch. Das triggert Posertum und eine Kultur des Narzissmus. Zugleich weiß das Subjekt in solchen Gesellschaften, dass es am Ende elementar auf sich allein zurück geworfen ist. Man ist gewissermaßen existenziell einsam, sogar wenn man es lebenspraktisch gar nicht ist.

Womöglich ist das ja der tiefere Grund für den gegenwärtigen Hype um die Einsamkeit: das beklemmende Gefühl, dass man in solch einer Lebenswelt doch einsam sein müsste.

Arbeit ist nur ein Gefühl

Arbeit? Eine Tätigkeit? Nur ein Zwang, um Einkommen zu erwirtschaften? Aber nein. Sie kann unseren Selbstwert heben, oder auch untergraben. Sie webt uns ein ins soziale Netz der Kollegenschaft, mobilisiert Eigensinn. Das Wesentliche an Arbeit ist unsichtbar.

Anfang Mai eröffnete im Museum Arbeitswelt in Steyr die Ausstellung „Arbeit ist unsichtbar“, die ich gemeinsam mit Harald Welzer kuratiert und mit dem großartigen Team des Museums realisiert habe. Die Dauerausstellung ist noch bis 2020 zu sehen und ich freue mich über jeden und jede, die den Weg nach Steyr schaffen. Gemeinsam mit Harald Welzer und Christine Schörkhuber habe ich auch den Reader zur Ausstellung herausgegeben, der im Picus-Verlag erschien. Titel ist auch hier: „Arbeit ist unsichtbar“. In diesem Text für das Magazin „Datum“ habe ich einige Gedanken aufgeschrieben, die uns bei unserer Arbeit geleitet haben – oder die uns dabei in den Kopf kamen. Link zur Ausstellung gibt es hier, Link zum Buch hier

Als ich mit neunzehn oder zwanzig Jahren ein Praktikum bei der ÖMV machte, landete ich in der Lagerverwaltung, in der man Ausgabezettel für Ersatzteile ausfüllen und bearbeiten musste. Das Lager war ein riesiger Bau voller Regale, wie ein Labyrinth angelegt, in dem sich nur die Lagerarbeiter auskannten. Sie hatten das Labyrinth so raffiniert angelegt, dass sich in der Mitte des scheinbar unübersichtlichen Wirrwarrs an Regalen ein versteckter Raum befand. Dort stand eine Couch, ein Tisch, ein paar Sportgeräte, eine Reckstange. Ich war nicht stark, aber leicht, so dass ich bei den Klimmzügen immer gegen die Lagerarbeiter gewann.

Natürlich hatten die Lagerarbeiter Chefs, doch deren Zugriff war beschränkt. Die Lagerarbeiter hätten ihnen nie gezeigt, wie man in den versteckten Raum gelangt. Es war ihr Freiraum in der Raffinerie. Mich hatten sie sehr bald dorthin gebracht. Schon als junger Praktikant wusste ich also mehr als die Chefs. Ich lernte sofort, dass ich dieses Wissen für mich zu behalten hatte.

Heute wäre so etwas völlig unvorstellbar. Längst wären Leute von McKinsey oder anderen Beratungsfirmen im Lager eingefallen. Sie hätten jeden Schritt vermessen und die effizienteste Aufstellung der Regale ausgetüftelt. Wahrscheinlich wäre das meiste automatisiert, mindestens aber hätten die Arbeiter einen digitalen Scanner, der die Ersatzteile erfasst und nebenbei die Arbeiter auf Schritt und Tritt überwacht.

In den oberösterreichischen Steyr-Werken hatte sich in den sechziger und siebziger Jahren eine schöne Usance entwickelt. Es gab im Werk eine Röhre, die nahe einer Wärmequelle lag. Arbeiter, die gerade ihr Eigenheim bauten, und deswegen am Montag nicht ausgeruht, sondern erschöpft ins Werk kamen, schliefen während der Arbeitszeit in der Röhre. Es gab ein stilles Abkommen zwischen den Kollegen, die dafür an dem Tag die Aufgaben des schlafenden Kumpels übernahmen: Jeder baute mal ein Haus – so dass das auf lange Sicht kollegiale Solidarität auf Wechselseitigkeit ergäbe. Das wurde von der Firmenleitung akzeptiert. Es war eine der Übertretungen, die offiziell verboten war und sehr wohl toleriert wurde. Denn die Firmenleitung wusste: Arbeiter, denen man so etwas einräumt, sind motivierter, und eine Kollegenschaft, die zusammenhält, leistet für die Firma mehr, wenn es einmal nötig ist.

Der britische Wirtschaftsautor Paul Mason weiß ähnliche Geschichten zu erzählen: „Das allererste, was ich im Alter von 18 Jahren im Labor einer Kohlefabrik gelernt habe, war, wie man granulierten Kohlenstoff mit Hilfe eines Stapels an Messingsieben sortiert und hinterher abwiegt. Die zweite Fähigkeit, die ich lernte, war, wie man die Ergebnisse manipulieren kann, weil die Maschinen zu alt waren, um akkurat zu messen. Die dritte Fähigkeit, die ich lernte, war, all das möglichst langsam zu tun. Und die vierte – und ich gebe zu, mit der hatte ich meine Mühe, war zu erlernen, wie ich all das auch noch zwei großen Bieren perfekt hinkriegen konnte.“ Die Männer, die ihn mit all den informellen Regeln vertraut machten, waren keine Schummler, sondern hätten „ganz simpel den Deal befolgt, der sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in vielen Industrien der entwickelten Länder herausgebildet hatte: die Kooperation zwischen den Arbeitern und die Kooperation zwischen den Arbeitern, den Vorarbeitern und dem Management.“ Arbeit ist nur ein Gefühl weiterlesen

Wo geht’s hier zum Widerstand?

Die Opposition zur rechtsrechten Kurz-Strache-Regierung gewinnt an Schwung. Das liegt im Moment aber eher noch am kuriosen Fehlstart der Regierung. Ein Beitrag für die Berliner Jungle World.

Als im Jahr 2000 die erste Regierung aus Konservativen und Rechtsradikalen antrat, damals noch vom Kanzler Wolfgang Schüssel und Populistenführer Jörg Haider ausverhandelt, gingen Bilder von Massenprotesten um die Welt. Tägliche Demos zogen durch Wien, zur Angelobung musste die Regierung durch unterirdische Gänge schreiten und wenige Tage nach Antritt der Koalition standen 250.000 Protestierende am Heldenplatz in Wien. Schlüsselbünde wurden geschwungen. „Widerstand. Widerstand“, hallte durch die Straßen.

Warum ist es jetzt so ruhig, fragen internationale Kommentatoren? Haben sich die Österreicher und auch die Gegner der Neuauflage der Koalition von ÖVP und FPÖ jetzt mit dem Status Quo abgefunden? Bilder von Massenprotesten jedenfalls sind selten.

Einerseits ist das schon wahr, andererseits auch nicht ganz: Auch diesmal waren bei der Angelobung der Regierung einige tausend Protestierende gekommen (und viel mehr waren es vor 18 Jahren auch nicht). Und zu einer eher schmalspurig angelegten Protestdemonstration, die vor allem von einem Bündnis linker Kleinzirkel organisiert war, strömten Mitte Jänner überraschend viele Leute – 30.000, vielleicht sogar 40.000 oder mehr.

Zugleich ist die Situation jetzt auch eine andere. Das gesamte gesellschaftliche Klima, die öffentlichen Diskurse sind nach rechts gekippt. Kanzler Kurz und sein Vize Heinz-Christian Strache von der FPÖ haben es in einer fast eineinhalbjährigen Kampagne geschafft – unterstützt von einem Großteil der Medien -, das Angsthema „Migration“ als das zentrale Problem, als Gefahr, zur Hauptissue der politischen Kontroversen zu machen.

Hinzu kommt: Vor 18 Jahren war die Bildung dieser Koalition ein überraschender Coup, den vor den Wahlen niemand am Zettel hatte. Damit hatte die Koalition im Grunde keine Legitimation durch die Wähler und Wählerinnen. Diesmal ist das anders: Zwar gab es vor der Wahl keine direkten Koalitionsaussagen, aber es war jedem klar, dass Sebastian Kurz eine Regierung mit der FPÖ bilden wird, wenn er dafür eine Mehrheit hat. Diesmal haben sie die Legitimation durch die Wähler. Wo geht’s hier zum Widerstand? weiterlesen

„Wer seine Straße nicht verändern kann, kann auch die Welt nicht verändern.“

Labour-Politiker Andy Hull erklärt im Kreisky Forum, wie man verstaubte Parteien wieder flott bekommt.

Am vergangenen Mittwoch hatte ich einen ganz besonderen Gast in meiner Reihe im Wiener Kreisky-Forum – den Londoner Labour-Politiker Andy Hull. Andy ist Labour Councillor im Stadtteil Islington, Executive Member for Finance, Performance and Community Safety. Er hat zuvor für einen linken Think-Tank gearbeitet, zehn Jahre bei der Londoner Polizei und ist nun einer der tollsten Lokalpolitiker von Labour. Für uns war das schon deshalb äußerst interessant, ihn hier her zu holen, weil Islington jener Stadtteil ist, in dem auch Labour-Leader Jeremy Corbyn seine Basis hat.

Der Stadtteil Islington in London ist ein alter Arbeiterklassen-Wohnbezirk, eine Labour-Party Hochburg, Heimatbezirk von Jeremy Corbyn aber auch eine der ärmsten und sozial gespaltesten Regionen von ganz England. Zwischen 60 und 75 Prozent der Stimmen erreichte Labour bei den vergangenen Wahlen in den verschiedenen Distrikten des Bezirkes. Labour hat in den vergangenen Jahren einige Aufsehen erregende Aktivitäten gesetzt, um den Stadtbezirk vorwärts zu bringen.

Jeremy Corbyn und die neue Labour-Führung repräsentiert auf nationaler Ebene eine Politik „radikaler Hoffnung“, so Andy, eine neue Authentizität, die sich nicht mit den ökonomisch Mächtigen arrangiert. Auf der Londoner Ebene repräsentiert der neue Bürgermeister Sadiq Khan eine Generation moderner Metropolenbewohner, der glaubwürdig drei Dinge verkörpern konnte, die Botschaft nämlich: „Ich bin im Sozialbau aufgewachsen und kenne die Probleme da. Ich bin der Sohn eines Busfahrers, der es zu etwas gebracht hat, aber nicht vergessen hat, woher er kommt. Und ich bin Muslim, und will nicht, dass unsere Gesellschaft zerrissen wird.“ Beide Figuren stehen gewissermaßen für die Modernisierung von Labour auf nationaler und metropolitaner Ebene, aber die Neuerfindung von Labour, das Zurückgewinnen von Glaubwürdigkeit steht und fällt mit den Aktivitäten auf lokaler Ebene – in den Bezirken, mit der Erneuerung der lokalen Parteistrukturen.

„Wer seine Straße nicht verändern kann, der kann auch die Welt nicht verändern“, formulierte Andy Hull. Mit Konzepten des Community Organizing wird die Bevölkerung involviert und aktiviert, sie wird ermutigt, ihre Bedürfnisse zu formulieren und sie werden vom lokalen Stadtrat aufgenommen. Eine der spektakulärsten Aktivitäten war die Einrichtung einer Islington Fairness Commission, der Andy Hull und der Gleichheitsforscher und Gesundheitssoziologe Richard Wilkinson vorstanden. Diese Kommission erarbeitete, was das Leben in Islington ungleich und unfair macht und setzte Aktivitäten für mehr Gleichheit im Bezirk, vom Gesundheitssystem bis zum Schulwesen. Dabei geht es auch um Mikromaßnahmen, die den Zusammenhalt im Bezirk wieder stärken. Aber auch weitreichende Maßnahmen hat die Fairness Commission durchgesetzt. So wurde beschlossen, dass alle Beschäftigten des Stadtrats mindestens einen „Living Wage“ (einen Lohn, von dem man leben kann) von 10,20 Pfund pro Stunde erhalten, und dass auch jene privaten Unternehmen, die öffentliche Aufträge erhalten wollen, ihren Beschäftigten einen solchen „Living Wage“ bezahlen müssen.

All das war natürlich nicht von Beginn an eine Erfolgsstory. Die Fairness-Kommission erarbeitete die Vorschläge in großen Town-Hall-Meetings. Anfangs ging es auch da zu, wie es immer zugeht, wenn man sich einem großen Kreis der Bevölkerung stellt: Die Bürger und Bürgerinnen ließen erst einmal ihren Frust heraus, auch ihre Enttäuschung darüber, was aus Labour geworden ist, denn auch die Labour-Party wurde lange als Establishment-Partei angesehen, Vertrauen auf lokaler Ebene musste erst zurück gewonnen werden. Aber sehr schnell gingen die Beratungen der Fairnesskommission in ein positives Klima über. „Die Menschen erzählten in ihren eigenen Worten über ihre Situation, die Probleme im Bezirk, in den Vierteln, über ihre Probleme am Wohnungsmarkt, am Arbeitsmarkt, wie es ist, wenn man mit dem Geld nicht zurande kommt, wenn man zwar ein Arbeitseinkommen hat, aber das nicht einmal zu Leben reicht. Das in den Worten der normalen Leute präsentiert zu bekommen ist aufschlussreicher als jedes Expertenreferat“, sagt Hull.

Am Ende erarbeitete die Kommission 19 sehr klare, einfache Vorschläge, vom „Living Wage“ (Prinzip: „Der Lohn muss für gutes Leben reichen, nicht bloß fürs Überleben“), es ging aber auch um das Reziprozitätsprinzip, also, wen was eigentlich zusteht, es ging um ordentliche Kinderbetreuung, um Schulessen für die Kinder, und auch ein „Good Neighbour Projekt“ wurde aufgesetzt, dass sich Menschen aus ihren Straßenzügen mit ihren Nachbarn vernetzten, dass man sich kennen lernt, dass man einen Ort hat, sich zu treffen und lebendige Nachbarschaften zu entwickeln.

„Aber am Ende geht es nicht nur um die richtigen Maßnahmen, sondern um Politik – um Politics, not Policy.“ Soll heißen: Um eine klare Botschaft, eine politische Identität, nicht nur um einzelne Maßnahmen. Und die einzelnen Maßnahmen summieren sich nicht automatisch zu einer politischen Identität. Eine klare Kommunikation, „dass es das Ziel ist, unseren Bezirk zu einem besseren Ort zu machen“

Das Gruselkabinett, sein Programm der Grauslichkeiten – und was wir jetzt zu tun haben.

Die Sturz-Krache-Regierung kombiniert das Schlimmste von beiden Parteien: Die Verachtung der Armen der ÖVP und den autoritären Rechtsradikalismus der FPÖ.

Können Sie sich noch erinnern, was sehr schnell nach der Wahl von Donald Trump einsetzte? Eine Rhetorik der Normalisierung, eine Art Schönreden: Man möge ihn erst arbeiten lassen, den Präsidenten nicht nach seinem Wahlkampf beurteilen, auf die Normalisierung im Regierungsalltag setzen, darauf vertrauen, dass er von Umfeld, Kongress, Beamtentum und Gerichten schon auf einen vernünftigen Pfad geführt werde. Mit der Realität hatte ein solcher Modus des Kommentierens selbstverständlich nie etwas zu tun gehabt, sondern eher mit der Psyche und den Charaktereigenschaften derer, die kommentieren. Die Normalisierung ist ein psychischer Selbstschutz: Man redet sich ein, dass eigentlich alles nicht so schlimm sei, damit das Inakzeptable dann irgendwann akzeptabel wird. Normalisierung ist der mentale Modus derer, die die Realität nicht akzeptieren wollen, er ist aber auch der mentale Modus des Opportunisten. Wird schon nicht so schlimm kommen, heißt ja auch: Ich muss nicht glasklar opponieren. Es ist schon okay, wenn ich mich arrangiere. Wenn ich mich etwa mit einem halbfaschistischen Präsidenten arrangiere. Normalisierung ist auch die Rhetorik des Spießers, der hofft, es werde wenigstens nicht ihn treffen: Bei mir bleibt hoffentlich alles normal, und wenn es irgendwelche Minderheiten hart trifft, dann halte ich mir einfach fest die Augen zu. Normalisierung ist eine Argumentationsreihe für die Feigen und Charakterschwachen: Ist ja gar nicht so schlimm, wenn ich da dagegen nicht glasklar opponiere, sondern mich arrangiere.

Man hüte sich vor einem solchen Modus. Er kolonisiert das Herz und dann das Hirn. Der Opportunismus und die Anpasslerei frisst sich rein.

Wir werden das auch hier erleben, erleben es schon. Journalisten, die sich arrangieren, statt klare Kante gegen die Regierung zu fahren, und öffentlich kundtun, dass alles außer dem Nullgruppler-Opportunismus der sich „Neutralität“ nennt, doch unprofessionell wäre (für diese Figuren aus der Familie der Weichtiere waren dann wohl Karl Kraus, George Orwell und andere „unprofessionell“), die politischen Schaumschläger, die uns erklären, man müsse die Regierung doch erst einmal „arbeiten lassen“. Arrangieren statt opponieren. Hinten reinkriechen statt glasklar dagegenhalten. Denn dagegenhalten ist ja anstrengend.

Entschieden sich dagegen stellen? Na, net wir, schon gar nicht in Österreich, wo ja jede Form von Entschiedenheit ein Verstoß gegen den Nationalcharakter ist. Wo jede Kompromisslosigkeit schon eine Art Hochverrat an der österreichischen Mentalität ist. Wo „Grundsätze haben“ und „zu ihnen stehen“ als eigentümliche Charaktereigenschaft gilt, so bestenfalls nerdig.

Der Sturz-Krache-Regierung keinen Zentimeter Raum gönnen.

So wie man dieser Regierung keinen Zentimeter Raum lassen darf – und zwar von der ersten Minute an -, wird man diesen Geist des Opportunismus zu bekämpfen haben. Von der ersten Sekunde an.

Diese Regierung ist keine Kurz-Strache-Regierung, sie ist eine Sturz-Krache-Regierung. Sie ist ein pittoreskes Horrorkabinett und im Grunde noch viel schlimmer, als man ohnehin befürchten musste. Nichts an ihr ist normal. Hier gibt es keine Arrangements, sondern nur Opposition, glasklar. Das ist keine normale rechtskonservative Regierung, sondern eine harte Rechts-Ultrarechts-Koalition, die die Mitte aufgibt.

Die Regierung ist ein pittoreskes Horrorkabinett und im Grunde noch viel schlimmer, als man ohnehin befürchten musste.

Es beginnt beim Personal. Über Sebastian Kurz wird dereinst in den Geschichtsbüchern stehen, dass er Österreichs Demokratie an Leute wie Herbert Kickl ausgeliefert hat. Mit Kickl übernimmt ein radikaler Rechter das Innenministerium und damit die Kontrolle über mehr als 30.000 Uniformierte, über Österreichs Geheimdienste. In Österreich wird ein Feind der liberalen Demokratie und ultrarechter Scharfmacher – um nur ein Beispiel zu nennen – die Oberhoheit über das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung ausüben. Einen Mann, der noch im Oktober 2016 den Rechtsextremisten-Kongress in Linz eröffnete, eine Ansammlung von rechten Hasspredigern und dort Extremisten und Neonazis mit warmen Worten begrüßte. Ein Mann, von dem Hetz-Videos im Internet kursieren, der Slogans wie „Daham statt Islam“ erfand oder „Abendland in Christenhand“. Wenn er Kickl höre, sagte seinerzeit der damalige Präsident der jüdischen Gemeinde, „erinnert mich dieses Gehetze und die Sprache an Joseph Goebbels“. Noch vor wenigen Jahren haben auch prominente Katholiken, auch angesehene Parteigänger der ÖVP, angesichts von Kickls Rhetorik öffentlich an die Christen aller Konfessionen appelliert, „sich mit aller Kraft gegen eine Gewöhnung an eine Sprache und Politik des Hasses gegen ,die Anderen‘ einzusetzen“. Das Gruselkabinett, sein Programm der Grauslichkeiten – und was wir jetzt zu tun haben. weiterlesen

Was ich gestern von der mazedonischen Verteidigungsministerin lernte…

Mit Selbstvertrauen, Ambition und Bescheidenheit kommt die demokratische Linke wieder auf die Gewinnerstraße.

Dieser Tage war ich in Berlin, um bei einer internationalen Konferenz der SPD im Vorfeld ihres Parteitages zu sprechen. Bei dieser Konferenz war auch die mazedonische Verteidigungsministerin Radmilla Sekerinska, zugleich Vize-Premierministerin ihres Landes und stellvertretende Parteiobfrau der Sozialdemokratischen Liga Mazedoniens. Eine beeindruckende Frau, weil sie Energie und Optimismus ausstrahlt. Dazu muss man auch wissen: Mazedonien war bis vor einem Jahr von einer rechtspopulistischen autoritären Regierung dominiert, die Schlägertrupps gegen die Opposition einsetzte, die Wahlen nicht so genau nahm, die mit Einschüchterung agierte, die Medien kontrollierte. Und dennoch gelang es, sie abzuwählen. Übrigens: Für die Wiederwahl dieser Regierung setzte sich Sebastian Kurz seinerzeit auf skandalöse Weise ein, indem er im Wahlkampf auf einer Wahlkundgebung der rechtsautoritären Regierungspartei sprach.

Aber zurück zu Radmilla Sekerinska. Sie sprach darüber, wie die demokratischen Mitte-Links-Parteien, seien das Sozialdemokraten oder andere, wieder auf die Gewinnerstraße kommen können. Und die drei Schlüsselworte für sie sind: Confidence, Ambition und Modesty. Also: (Selbst-)Vertrauen, Ambition und Bescheidenheit.

Vertrauen: Du wirst nur etwas erreichen, wenn Du Dir selbst etwas zutraust. Wenn Du ausstrahlst, dass Du an den Erfolg glaubst, daran, die eigenen Ziele zu realisieren. Daran, zu gewinnen. „Seien wir uns doch ehrlich“, sagte sie, „viele Sozialdemokraten in Europa müssen sich doch erst einmal wieder selbst überzeugen davon, dass sie etwas zuwege bringen können.“ Aber wer will auf andere überzeugend wirken, wenn er kein Selbstvertrauen hat? Wenn er nicht einen Elan und Zuversicht ausstrahlt, der auch andere anstecken kann.

Ambition: Man muss klare Ziele formulieren, Ziele, die einen unterscheidbar machen. Ziele, die auch groß genug sind, dass Menschen sich für sie einsetzen. Denn wer will schon seine kostbare Zeit für kleine Ziele opfern? Im Kontext der Ambition nannte Sekerinska auch die Authentizität. Jeder muss spüren, dass man tatsächlich für diese Ziele brennt, dass sie echte, eigene Ziele sind, dass man von Überzeugungen geleitet ist und diese Überzeugungen niemals an der Garderobe abgeben wird.

Schließlich:

Bescheidenheit: Bescheidenheit in mehrerlei Hinsicht. Sozialdemokraten müssen bescheiden sein, sie dürfen nicht einmal im Geringsten den Eindruck erwecken, sich mit den korrupten ökonomischen Eliten zu arrangieren. Bescheidenheit auch im Sinne von Augenhöhe: Bürgern, Gesprächspartnern, Koalitionspartner, Alliierten aus der Zivilgesellschaft muss mit Bescheidenheit begegnet werden. Zugehört werden. Niemals darf der Eindruck entstehen, man wüsste sowieso alles besser. Niemals darf auch nur der Anschein der Arroganz erweckt werden.

Es war ein packender Auftritt, den die 45jährige Politikerin aus Mazedonien da im Willy-Brandt-Haus geliefert hat. Mit drei eigentlich simplen Begriffen und Einsichten, die eigentlich jeder haben sollte, der mit offenen Augen durch die politische Welt der Gegenwart geht. Die aber von viel zu vielen nicht beherzigt werden.