Die Ankunft des Endzeit-Faschismus

Die Leugnung der Klimakatastrophe ist nicht bloß ein bizarrer Spleen von Rechtsextremisten wie Herbert Kickl und Co.

Nicht einmal beim Ausklang dieses Katastrophensommers mit regional bis zu 50 Hitzetagen mit weit über 30 Grad ließ Herbert Kickl die Gelegenheit verstreichen, die Klimakatastrophe zu leugnen. Klimaschutzmaßnahmen nannte der Rechtsextremist einen „Ablasshandel“, als würden diese dazu dienen, sich ein gutes Gewissen zu erkaufen, statt den CO2-Ausstoß zu reduzieren, damit wenigstens ein bisschen etwas an der Katastrophe verhindert wird. Der verkrachte Philosophiestudent, der nie etwas gelernt und außerhalb der Politik nie einen Beruf ausgeübt hat, verstieg sich sogar dazu, die Physik mit seinen Hausmädchen-Märchen zu belehren. Diese übersehe, dozierte der verkannte Nobelpreisträger, dass viele Arten von Emissionen zur Erderwärmung beitragen, nicht nur das durch die menschliche Wirtschaft ausgestoßene CO2.

Wahrscheinlich hat ihm niemand gesagt, dass die Physik das natürlich besser weiß als der simpel gestrickte Herbi, aber die die zusätzlichen, überschießenden menschengemachten Schadstoffausstöße eben gerade den Unterschied machen zwischen der natürlichen Entwicklung und der katastrophalen Entwicklung. Mit seiner zunehmend absurden Behauptung, dass das doch alles ganz normal sei, verhöhnt er zusätzlich alle Menschen, die in ihren kleinen, aufgeheizten Wohnungen in diesem Sommer litten, er verhöhnt die tausenden, die an den Hitzefolgen gestorben sind, er verlacht die Bauern, deren Existenz an der Kippe steht. Herbert Kickl hasst die Menschen, weshalb er sie zum Gegenstand seiner zynischen Witze und seichten Propaganda macht. Die Ankunft des Endzeit-Faschismus weiterlesen

Fascism Does Not Begin With Murder but With the Pleasure of Imagining It

Education in Cruelty. Why people are susceptible to authoritarianism has been well researched. What is often overlooked is how they change, when they get caught up in the agitators’ maelstrom.

Published in Socialeurope.

Leo Löwenthal, a central figure of the Frankfurt School, made a profound observation late in life about authoritarian-populist agitation. In exile in the United States, he had written a groundbreaking study of the subject in the late 1940s, False Prophets (published in English as Prophets of Deceit). Decades later, in 1981, he noted that the distinctive feature of this agitation is „that it turns psychoanalysis on its head“.

Unlike psychoanalysts, who strive to heal neuroses, psychotic disorders, and the lingering effects of trauma in individuals, far-right agitation does the exact opposite. It makes „people neurotic and psychotic and ultimately completely dependent on their so-called leaders“. It fuels anger and bitterness, seeking to transform its followers into thoroughly paranoid individuals. This agitation fosters a cult of harshness, a delight in meanness, and destructive fantasies involving cruelties that followers wish to inflict on those they deem responsible for their misfortunes. Ultimately, it intensifies „murderous, aggressive, and destructive impulses“. Fascism Does Not Begin With Murder but With the Pleasure of Imagining It weiterlesen

Pedro Sánchez, Anführer der freien Welt

Der spanische Premier knickt vor mächtigen Schulhofschlägern nicht ein. Kein Wunder, dass er viele Feinde hat.

Spaniens sozialistischer Premier Pedro Sánchez ist vielen mächtigen Gangstern in der Welt ein Dorn im Auge. Aber Feigheit vor dem Feind, ansonsten fast schon milieutypisch unter Europas Mitte-Politikern, kennt Sánchez nicht. Er legt sich auch mit Trump und Netanyahu an, wenn es sein muss. Er hält die unveräußerlichen Menschenrechte hoch, stellt sich gegen die Kriegstreiber und macht auch noch eine bemerkenswert erfolgreiche Wirtschafts- und Sozialpolitik.

Kein Wunder, dass er mächtige Feinde hat.

Was genau in der letzten Woche rund um die spanische Exklave Ceuta geschehen ist, wird noch zu klären sein. Zigtausende junge Menschen wurden mit Internetkampagnen motiviert, sich auf den Weg nach Europa zu machen, in Marokko standen Busse bereit, sie durch das halbe Land bis zur Grenze zu karren. Die hohen Stacheldrahtzäune, normalerweise auf Basis von Abkommen zwischen Madrid und Rabat durch Sicherheitskräfte geschützt, waren plötzlich sperrangelweit offen. Von marokkanischer Seite hat niemand die Menschen an einem Grenzübertritt gehindert. Tausende machten sich über das Meer auf den Weg. Über 100 Menschen sind ertrunken. Pedro Sánchez, Anführer der freien Welt weiterlesen

Eine kleine Geschichte des Urlaubs

Für „Arbeit & Wirtschaft“, das Magazin von AK und ÖGB, habe ich darüber geschrieben, wie sich das Reisen wandelt – und wie eng der Tourismus mit dem sozialen Aufstieg der arbeitenden Klassen verbunden ist.

Robert Palaver muss nicht lange nachdenken, wenn man ihn fragt, was er an seinem Beruf liebt. Er mag es, „für die Gäste da zu sein. Wenn man ihnen einen Ausflug empfohlen hat, und sie dann zurückkommen und es ihnen voll getaugt hat“, sagt der Vida-Gewerkschafter in seiner typischen Tiroler Sprachfärbung. „Oder wenn die Gäste nächste Saison wieder kommen, und dich wie einen Freund begrüßen.“

Palaver arbeitet an der Rezeption eines Campingsplatzes im Zillertal, engagiert sich aber auch als Gewerkschafter bei Vida und kommt in dieser Funktion viel in ganz Tirol herum. 350 Stellplätze hat der Campingplatz, zudem gibt Appartements und Suiten. Am meisten ist im Sommer und im Winter los, aber es gibt auch Betriebsferien, wenn gerade keine Saison ist. Die Kernbelegschaft ist ganzjährig angestellt, beim Reinigungspersonal gibt es auch viele der für die Branche so typischen Saisonarbeitskräfte. Eine kleine Geschichte des Urlaubs weiterlesen

„Schritt für Schritt ins Paradies“

Plötzlich reden alle wieder von „Politischer Theologie“. Aber was ist das überhaupt?

In jüngster Zeit sind die Kommentarspalten der Zeitungen, die Politik-Schlagzeilen der Magazine und die gelehrten Betrachtungsaufsätze im Kulturteil immer häufiger von einem bizarren Phänomen geprägt: der „Wiederkehr der politischen Theologie in der Gegenwart“, wie das der Ideenhistoriker Volker Weiß im Untertitel seines kleinen Büchleins namens „Katechon“ nennt – das, trotz des sperrigen alt-griechischen Wortes am Cover gleich zu einem Bestseller wurde. Dass sich im Jahr 2026 tausende Leute ein Buch mit dem Titel κατέχων kaufen, hätte man auch nicht unbedingt prophezeit.

Eine Sprache des Eiferertums

Im August 2026 erscheint mein Buch "Erziehung zur Grausamkeit" im Suhrkamp-Verlag. "Die Massenpsychologie des Neuen Faschismus"
Vorankündigung: Im August 2026 erscheint mein Buch „Erziehung zur Grausamkeit“ im Suhrkamp-Verlag. „Die Massenpsychologie des Neuen Faschismus“

Gründe gibt es durchaus genug: Da sind amerikanische Gotteskrieger wie J.D. Vance und Verteidigungsminister Pete Henseth – der sich Kreuzrittersymbole tätowieren ließ und Racheparolen alttestamentarischer Propheten in seine Reden einbaut. Da ist Tech-Milliardär Peter Thiel, der seine Gegenwartsanalyse auf die Briefe des Apostel Paulus und die Offenbarung des Johannes aufbaut und die Welt in einem apokalyptischen Ringen gegen die Kräfte des Antichristen sieht. Da sind die westeuropäischen Rechtsextremisten, die gewiss ganz ohne theologische Grundierung, dafür im Geiste eines Kampfs der Kulturen eine Art Verteidigungskrieg des „christlichen Abendlandes“ wähnen, und, wie Herbert Kickl, plakatieren lassen: „Euer Wille geschehe“. Dabei beuten sie auf geradezu gotteslästerliche Weise die Rhetorik des Religiösen aus, eine Rhetorik, die oft eben auch eine Sprache des Eiferertums, des Wir-gegen-Sie, der Unbedingtheit ist. Alles zusammen muss für die Diagnose der Rückkehr der politischen Theologie herhalten. „Schritt für Schritt ins Paradies“ weiterlesen

Der Mensch verbrennt

Klimakrise. Was Metapher war, wird buchstäblich: Wir haben ein Monster geschaffen, das sich gegen uns wendet.

Wahrscheinlich kennt jeder und jede von Ihnen die Frankensteingeschichte. Sie gehört zu jener Art von überzeitlichem Kulturgut, das allgemein bekannt ist: Mary Shelleys Gruselroman, eine frühe Form der Science Fiction, in der ein ehrgeiziger Wissenschaftler aus Leichenteilen eine Kreatur schafft und durch Elektrizität zum Leben erweckt. Die Kreatur – sein Produkt – wendet sich dann gegen den Wissenschaftler und die Welt. Die Geschichte ist nicht nur unterhaltsames Gruseln, sondern eine Allegorie auf menschlichen Hochmut, Habgier und Unersättlichkeit, ein schlaues Gleichnis, eine moderne Prometheus-Geschichte. Der Mensch schafft seine Welt, aber er schafft damit auch etwas, was ihm danach feindlich gegenübertritt, und er schafft eine Macht, der er nicht mehr Herr werden kann. Das ist der Kern dieser Story, die die geniale Mary Shelley zu einer scheinbar amüsanten Populärerzählung verwandelt hat. Ein faustischer Pakt, bei dem der Mensch seine Zukunft verkauft, für kurzfristige Erfolge, Ruhm, Reichtum, was auch immer. Der Mensch verbrennt weiterlesen

Vom Nutzen und Nachteil des Eskapismus für das Leben

Wer hält den Negativismus noch aus? Was tun, wenn sich die Weltlage aufs Gemüt schlägt.

Es liegt wahrscheinlich in der menschlichen Natur, dass wir uns bis zu einem gewissen Grad an das Vertraute klammern, jedenfalls solange das Ungewohnte nicht gerade eine Verbesserung verspricht. Bricht vor unseren Augen die gewohnte Welt zusammen, wollen wir ein bisschen von der alten Sicherheit zurück, selbst wenn der status quo ante auch nicht gerade prickelnd war. Wenn Trump die Weltordnung zertrümmert und Unsicherheit für alle etabliert, dann erhoffen nicht wenige, dass ihn irgendjemand bremst, einlullt oder ihm Honig ums Maul schmiert, damit er nicht alles in rauchende Ruinen verwandelt. Nato-Generalsekretär Mark Rutte schreibt dann seine peinlichen, würdelosen SMS („Was Du in Syrien erreicht hast, ist unglaublich… Kann es kaum erwarten, Dich zu sehen“), Friedrich Merz sagt auch irgendeine armselige Freundlichkeit. Die Hoffnung: Vielleicht kann man ja irgendeine labile Balance halten, vielleicht geht ja diese üble Ära irgendwie vorüber und es wird wieder ein bisschen so, wie es früher war. Nicht ganz verrückt gedacht, aber, siehe oben, sehr wahrscheinlicher ist, dass das alles schon unter Verleugnung fällt, unter nicht wahrhaben wollen. Ein Abwehrmechanismus, um eine angstauslösende Tatsache nicht anerkennen zu müssen, nämlich den Einsturz der vertrauten Welt. Mit der Klimakatastrophe ist es ähnlich. Wir liegen völlig geschafft auf dem Rücken, versuchen die Tage zu überstehen, und hoffen, dass das alles doch irgendwie lebbar sein wird. Vom Nutzen und Nachteil des Eskapismus für das Leben weiterlesen

Verteidigung der Vernunft!

Warum der zeitgenössische Faschismus die Wissenschaft angreift und alles in eine „Meinung“ verwandelt.

Mein Buch „Die Kunst des Widerstands“ ist jetzt schon ein paar Monate am Markt, aber ich will trotzdem noch einmal extra darauf hinweisen. Es ist eine Sammlung von Essays zu Politik, Wirtschaft und Kultur, und der Titel darf durchaus doppeldeutig gelesen werden. Einerseits im Sinne von „die Kunst“, also „das Geschick“, das bei der Widerständigkeit nicht fehlen sollte – etwa intellektuelle Unterscheidungsfähigkeit, die Kunst, so zu sprechen, dass man möglichst breite Allianzen bildet gegen die Unkultur, die sich bei uns ausbreitet; aber eben auch im zweiten Sinne, nämlich der Kunst und der Kultur im Kampf um die gesellschaftlichen Hegemonie. Essays in dem Buch widmen sich der Verteidigung der Vernunft, dem Unbehagen in der Überflussgesellschaft angesichts der Klimakatastrophe, sie stellen aber auch Autoren wie Annie Ernaux, George Orwell, Kafka, Pasolini oder Tove Ditlevsen ins Zentrum.

Der rechte Populismus, der sich in rasender Geschwindigkeit zum Neuen Faschismus radikalisiert, ist paranoid von einer drohenden „Umvolkung“ besessen, betreibt diese aber in Wirklichkeit selbst, denn er verändert das Volk. Die Selbstradikalisierung ist eine Spirale der Verschärfung, in die sich sowohl die Anführer als auch die Anhänger hineinschrauben und dabei in einer Art der wechselseitigen Aufganselei gegenseitig verstärken. Die Einübung in Grausamkeit und Sadismus habe ich hier mehrmals beschrieben, man kann sie auch eine „Faschisierung des Sprechens“ nennen, wie das Markus Metz und Georg Seeßlen in ihrem jüngst erschienenen Buch „Blödmaschinen II“ tun. Menschen werden ummontiert und gehirngewaschen, bis sie zu Anderen werden, als sie vorher waren, und bereit sind, Verbrechen gutzuheißen.

Eine Taktik dabei ist die „Zerstörung der Vernunft“. Den Begriff habe ich mir jetzt flott und so nebenbei bei dem legendären marxistischen Philosophen Georg Lukács geliehen, der seine Geschichte des faschistischen Denkens in Deutschland mit genau diesem Übertitel versah. Diese Zerstörung der Vernunft, für Lukács die Ur- und Frühgeschichte der faschistischen Ideologie, sei gekennzeichnet durch „Herabsetzung von Verstand und Vernunft, kritiklose Verherrlichung der Intuition … Ablehnung des gesellschaftlich-geschichtlichen Fortschritts, Schaffung von Mythen…“, kurzum durch das Eindringen von Wahn und Irrationalität in die Diskurse und die Zersetzung aller Prinzipien von Rationalität. Es ist im Großen und Ganzen nicht Lukács brillantestes Werk, aber diese zentrale Beobachtung ist unbestreitbar. Oder, um Goya zu paraphrasieren: „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer.“

Die Überproduktion an Meinung

Auch heute ist die Zerstörung der Vernunft eine wichtige Taktik im Kampf um die Gehirne und Leidenschaften durch die neuen Faschisten. Die Vernunft soll zerstört werden, ja, alles, was man so landläufig als das Vernünftige nennt: Bevor man seinen Empörungen Lauf lässt, ein zweites Mal nachdenken; die Fakten zu prüfen und erst dann, von diesen ausgehend und auf deren Basis, wertorientierte Urteile treffen; eine Sache von verschiedenen Seiten betrachten; dem Anderen zuhören, ob der nicht auch einen Teil der Wahrheit auf seiner Seite hat; der Sachlichkeit den Vorzug vor der Erregung geben und so weiter. Allein diese simplen Grundsätze von Vernünftigkeit werden vom neuen Faschismus nicht unabsichtlich, sondern vorsätzlich zerstört. Seine Fürsprecher sind nicht so unvernünftig, weil sie erregt sind. Sie werfen sich in die Pose wahnhafter Erregung, weil sie die Vernunft ausschalten wollen. Verteidigung der Vernunft! weiterlesen

Warnung: Herbert Kickl kann ihr Gehirn verändern

Sind FPÖ-Wähler die „böseren“ Menschen? Internationale Studien deuten darauf hin.

In Phasen emotionaler Zerrüttung und Verdunkelung – ja, auch ich kenne sie bisweilen! – beschäftigte ich mich damit, wie wir Menschen im Oberstübchen so funktionieren. Dabei habe ich ein paar Dinge gelernt. So bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es „Neurodiversität“ in dem Sinne, wie wir den Begriff so salopp verwenden, gar nicht gibt. Nämlich: Es gibt nicht den „normalen“, „durchschnittlichen“ Charaktertyp, von dem dann ein ganz kleiner Teil der Menschen abweicht. Es gibt das A-Typische nicht, weil es das Typische nicht gibt. Vor ein paar Jahren habe ich ein sehr lustiges, aber zugleich auch sehr schlaues Buch des amerikanischen Hirnforschers James Fallon gelesen. Es trägt den herrlichen Titel: „Der Psychopath in mir.“ Die „Story“ ist die: Fallon beschäftigt sich als Neurowissenschaftler seit Jahrzehnten mit psychopathischen Straftätern, und versucht durch Gehirnscans zu erkennen, ob es verbindende Muster zwischen diesen ganz arg fiesen, gemeinen, empathielosen Verbrechern gibt. Er hat hier schon viele Muster entdeckt. Einmal ist irrtümlich sein eigener Gehirnscan in die Unterlagen gerutscht und wurde untersucht. Und siehe da: Er selbst hatte all die Besonderheiten in der Gehirnarchitektur, die auch die meisten Massenmörder hatten.

Dabei hatte er ein normales Leben, Familie, kümmerte sich um seine Kinder und dachte auch, dass er stabile Freundschaften hätte. Aber er hat dann begonnen, zu fragen, wie ihn die Leute so sehen: Familie, Freunde, Kollegen usw.

Im August 2026 erscheint mein Buch "Erziehung zur Grausamkeit" im Suhrkamp-Verlag. "Die Massenpsychologie des Neuen Faschismus"
Im August 2026 erscheint mein Buch „Erziehung zur Grausamkeit“ im Suhrkamp-Verlag. „Die Massenpsychologie des Neuen Faschismus“

„Zu den Beschreibungen, mit denen sie mich bedachten, gehörten Worte und Sätze wie: ‚Manipulativ‘, ‚charmant, aber unaufrichtig‘, ‚macht andere intellektuell fertig‘, ‚nicht vertrauenswürdig, sobald es heißt: du oder ich‘, ‚narzisstisch‘, ‚oberflächlich‘, ‚unzuverlässig, wenn man dich braucht‘, ‚egozentrisch‘, ‚unfähig, tief zu lieben‘, ‚schamlos‘, ‚völlig skrupellos‘, ‚ein schlauer Lügner‘, ‚keinerlei Respekt vor Gesetzen, Autoritäten oder gesellschaftlichen Regeln‘, ‚hält sich an eine selektive Moral‘, ‚verantwortungslos‘, ‚völlig gefühllos‘, ‚kalt‘, ‚kein Einfühlungsvermögen‘, (…) ‚pathologischer Lügner‘, (…) ‚auf der Suche nach dem Kick‘, ‚Bedürfnis nach ständiger Stimulation‘.“

Fallon ist ein manipulativer Narzisst. Nur war ihm das bisher nicht aufgefallen. Einerseits weil er in einer stabilen, liebenden sozialen Umwelt aufgehoben ist, die seine pathologischen Anlagen in Schach hält; andererseits, weil wir alle zur Annahme neigen, dass ein Großteil der Menschen so ähnlich tickt wie wir und nur ganz wenige krass abweichen. Von daher kommt die Annahme, es gäbe „Normalität“ und „Devianz“, „Durchschnitt und A-Typisch“. Warnung: Herbert Kickl kann ihr Gehirn verändern weiterlesen

The Political Theology of MAGA

From Hegseth’s crusader tattoos to Thiel’s apocalyptic sermons, MAGA is fusing Christianity with raw political power.

Published in Social Europe.

A defining trait of the clowns who govern us today is that you can never quite tell whether they are meant to make you laugh or to instil fear. Their controversies, by extension, tend to be both shocking and entertaining at once. Take the recent flare-up between Donald Trump’s gang and the Pope. „The world is being destroyed by a handful of tyrants,“ declared Pope Leo XIV, who also condemned the abuse of power by religion — a charge that drove Trump and his followers up the wall. J.D. Vance struck back menacingly, warning that the Pope should „be careful when talking about theology“. Vance, who converted to Catholicism seven years ago, evidently considers himself a credible source on the subject.

Beyond the bizarre note of the episode lies a more serious matter: significant segments of the reactionary MAGA movement are transforming the Republican Party into a fundamentalist religious sect. A pious tone that may seem foreign to European ears has long been part of US political discourse, but what is happening now reaches well beyond it. The Political Theology of MAGA weiterlesen

Das Hin und Her von Hass und Terror

Denken, das um die Welt geht: Wie sich Frantz Fanon von großen Österreichern beeinflussen ließ – und was er uns bis heute lehrt. Zum 100. Geburtstag des radikalen Intellektuellen.

Imperialismus, Kolonialismus und eine Weltordnung, die wie selbstverständlich von weißer Dominanz geprägt ist, gehen mit einem Set an ganz großen Lügen einher: dass „den Wilden“ die Zivilisation gebracht wird, der Fortschritt, die Kultur, dass sie eben eine unterlegene Kultur seien, dass sie einfach nicht fähig sind zur Unabhängigkeit, und dass der Andere (der „Eingeborene“, der Schwarze, der Muslim, der was auch immer) bestimmte Charaktereigenschaften hat, die seine Minderwertigkeit begründen: dass er simpel im Kopf ist, oder dass er verantwortungslos ist, fröhlich in den Tag hinein lebt, gerne lacht, gerne tanzt. „Unbekümmert, gesellig, redselig, körperlich entspannt“ (Frantz Fanon).

Als Kolonisierte werden sie wie undankbare Kinder hingestellt, die rebellieren, obwohl man ihnen ja so viel Gutes gebracht hat, und als Einwanderer als freche Invasoren, die auch noch Forderungen stellen, statt sich still anzupassen.

Dieses ganze Set an Vorstellungen hat Frantz Fanon in einer vor ihm nicht dagewesenen Schärfe kritisiert. Mehr noch: Er hat es mit aller Entschiedenheit bekämpft. Diese Woche wäre der große Vordenker des radikalen Antikolonialismus 100 Jahre alt geworden. Dabei ist er schon vor bald 64 Jahren an Leukämie gestorben. Frantz Fanon, der schwarze Intellektuelle aus Martinique, wollte auch die Vergiftung heilen, die diese westlichen Theorien in den Gefühlsstrukturen der Kolonisierten anrichten. Das Hin und Her von Hass und Terror weiterlesen

Die rohe Gesellschaft

Warum Rücksichtlosigkeit und autoritäre Aggression heute wieder zunehmen.

Viele Menschen haben den Eindruck, dass unsere Welt unsicherer und rücksichtsloser wird. Nun muss man bei „Eindrücken“ immer sehr vorsichtig sein, denn oft stützen sie sich nicht auf Erleben, sondern sind von jenem „Schwund genuiner Erfahrung“ gekennzeichnet, den Soziologen schon vor hundert Jahren analysierten. In Mediengesellschaften kriegen wir Dinge scheinbar mit, die wir gar nicht mitkriegen. Morde und andere Tötungsdelikte nehmen in den vergangenen 25 Jahren markant ab. Gab es rund um das Jahr 2000 in Österreich noch durchschnittlich 100-120 mal Mord, Totschlag und ähnliches, haben wir uns in den letzten Jahren bei rund 70 eingependelt. Auch viele andere Arten von Kriminalität nahmen ab, aber andere sind wieder im Wachsen begriffen. Die allgemeine Gewaltkriminalität von Schlägereien, Messerstechereien bis Raub – sie sind leicht angestiegen. Von rund 70.000 Anzeigen vor zehn Jahren auf rund 85.000. Zahlen aus Deutschland weisen wiederum darauf hin, dass Gewaltkriminalität generell und Gewaltkriminalität unter Einsatz von Messern in den vergangenen zwanzig Jahren eher konstant geblieben sind. Zugenommen hat nur die Berichterstattung um das 250fache.

Dennoch haben viele Menschen den Eindruck, es werde in unserer Gesellschaft brutaler. Wilhelm Heitmeyer, einer der bedeutendsten deutschen Soziologen, spricht von einer „durchrohten Gesellschaft“, also, dass es rauer wird, dass die Rücksichtslosigkeit zunimmt. Die These lautet, dass viele Menschen schon vollgepumpt mit Aggression durch den Alltag gehen und das rauslassen, sobald ihnen irgendetwas gegen den Strich geht. Man kann das schwer messen, denn es gibt natürlich keine Statistiken oder Protokolle darüber, ob man bei der Supermarktkasse angeblafft, am Parkplatz von jemanden blöd angeschnauzt wird und ob das häufiger vorkommt als früher. Die rohe Gesellschaft weiterlesen