Nach dem Sturz von Sebastian Kurz ist die politische Szenerie in Österreich im Umbruch. Die ÖVP hat das Land in eine tiefe Krise geführt – und darf dennoch vorerst weiter regieren.
Für die „Frankfurter Hefte“ habe ich den politischen Scherbenhaufen analysiert, den Sebastian Kurz hinterlassen hat – lustigerweise erschien der Beitrag einen Tag vor dem endgültigen, vollständigen Rückzug Kurz aus dem politischen Leben. Aber abgesehen davon ist er gerade im Ausblick aktuell: Die ÖVP muss sich jetzt auch überlegen, welche Partei sie sein will.
Vor ein paar Wochen galt Sebastian Kurz für manche Christdemokraten noch als Role-Model eines markanten Konservativismus, der, statt in die Mitte zu ziehen, weit nach rechts abbiegt. Zumindest der Erfolg schien ihm recht zu geben. Er bediente mit ostentativer Hartherzigkeit xenophobe Stimmungen, mit der Politrhetorik der „rohen Bürgerlichkeit“ die Ressentiments gegen faule Arbeitslose und segelte in Umfragen in lichten Höhen von zuletzt rund 36 Prozent. Dabei wurde auch noch das Klientel der Superreichen und Großkonzerne mit Senkungen der Kapitalsteuern für Großunternehmen bedacht und die Freundeskreise der Konservativen mit Geld überschüttet. In seiner Partei war der strahlende Jüngling entsprechend unumstritten.
Doch dann war er innerhalb von gerade einmal achtzig Stunden weg. Chaos in der Kurzparkzone weiterlesen