Das Ende des Marktglaubens

Falter (Rubrik „Wiedergelesen), 26. November 2008. Als John Maynard Keynes 1936 seine „Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“ veröffentlichte, war die Revolutionierung des ökonomischen Denkens längst im Gange. In den USA folgte Präsident Franklin D. Roosevelt mit seinem „New Deal“ schon „keynsianischen“ Prinzipien. Doch schon zehn Jahre davor, 1926, hat Keynes in seinem programmatischen Essay „Das Ende des Laissez-Faire“ sein Credo formuliert, das sich nach dem Krach von 1929 weltweit durchsetzen sollte und sich heute wieder brandaktuell liest: dass der „aufgeklärte Eigennutz“ keinesfalls zum allgemeinen Vorteil umschlage; ja, dass der Eigennutz „keineswegs immer aufgeklärt ist“; dass viele üble Dinge Resultat des Risikogeistes, der Unsicherheit, der Unwissenheit sind. Und dass man die Prosperität einer Gesellschaft nicht allein dem privaten Profitstreben überantworten dürfe. Keynes Motiv: Den Kapitalismus vor sich selbst zu retten.

 

John Maynard Keynes: The End of Laissez-Faire. In: Keynes: Essays in Persuasion. London, 1963

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