„Die Märkte“ – so vernünftig wie infantile Kleinkinder

Ein paar Fundstücke zur Eurokrise: Ist die eher eine Schuldenkrise? Oder doch eher eine Finanzmarktkrise? Thomas Fricke hat dazu in der Financial Times Deutschland eine ebenso plausible wie klare Meinung:

Nach gängiger europäisch-deutscher Lesart hat die Schuldenkrise wenig mit der Finanzkrise zu tun, die seit 2007 wütet. Nur damit, dass unvernünftige Regierungen zu viel Schulden gemacht haben – sodass die Länder eben fast pleite sind. Wenn das stimmt, ist klar, dass es politisch darum geht, die bösen Länder zu strafen und harte Sanierungen aufzuerlegen. Bis die Pleitegefahr weg ist. Dann wirkt schleierhaft, warum wir anderen groß helfen sollen; oder warum die EZB Staatsanleihen kaufen muss. Die Frage ist nur, ob das so klar ist. Warum sind nur die Euro-Länder so unter Beschuss – obwohl Amerikaner, Briten, Japaner und Inder viel höhere Staatsdefizite haben und teils nicht mal groß abzubauen versuchen? Warum sind die Risikoprämien für griechische Staatsanleihen auf immer neue Rekorde gestiegen – obwohl die Griechen exakt das drakonische Konsolidierungsprogramm umgesetzt haben, was EU und IWF gefordert haben? Warum schießen selbst spanische Zinsen hoch, obwohl dort das Staatsdefizit 2010 nach Plan halbiert wird? Und: Stehen Zinsaufschläge von sechs bis neun Prozentpunkten noch in Relation zur Fundamentallage von Ländern, die ja nicht Simbabwe heißen?

Oder anders gesagt, wie das der völlig unverdächtige Börsen-Express diese Tage formuliert:

Finanzmärkte tendieren – ähnlich wie Kinder – zu anhaltenden „Und was passiert, wenn…“-Fragen. … Fundamentaldaten zählen in nervösen Märkten nach wie vor wenig.

Und von so infantilen Akteuren, deren Aktivitäten weitgehend nutzlos sind – und oftmals schädlich – soll unser Wohlstand abhängen? Also muss man die Bestie aushungern. Durch Regulierung. Durch kluge Transaktionssteuern. Wie das etwa ginge, sogar im Alleingang von ein paar Ländern, das beschreibt Stephan Schulmeister übrigens im aktuellen Euro-Infobrief der Wiener Arbeiterkammer. Hier der Link. In der selben Ausgabe finden sich übrigens ein paar kluge Gedanken von Heiner Flassbeck zur Bankenregulierung. Wobei er den Schwerpunkt darauf legt, dass eine Firewall zwischen normalen „Geschäftsbanken“, die private Spareinlagen verwalten und Privat- und Geschäftskredite vergeben und damit für die Wirtschaft wichtig sind, und den Zocker- und Investmentbanken hochgezogen werden muss. Erstere dürfen letzteren „auch keine Kredite für Casinoaktivitäten“ mehr geben. 

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