„Was war mei Leistung?“ – Der Leistungsbegriff zwischen Ansporn, Ideologie und Illusion

Morgen, Dienstag, 9. April, habe ich im Kreisky Forum eine sehr empfehlenswerte Veranstaltung: die deutsche Sozialhistorikerin Nina Verheyen stellt ihr Buch vor, in dem sie die Geschichte und die Janusköpfigkeit des modernen Leistungsbegriffes seziert. Also, was da alles dazu gehört: Arbeitsethos, die Erfindung von Prüfungs- und Bewertungsmethoden, die Illusion von Aufstieg durch Leistung, der Stress, der sich in Leben hineinfrisst aber auch die Abwertung all jener, die angeblich weniger leisten und Geld erhalten, „das ihnen nicht zusteht“… und und und.

Wie zentral das Leistungsthema ist, sieht man schon bei einem Blick auf den Buchmarkt, so Verheyen: „Auf der einen Seite steht eine Fülle an Selbstoptimierungs- und Karriereratgebern, deren inhaltliches Spektrum von Hinweisen zur Steigerung körperlicher und geistiger Fitness über Kniffe zur psychischen Prüfungsvorbereitung, zur Stärkung des Selbstbewusstseins und zur Verbesserung des Zeitmanagements bis hin zu konkreten Tipps für die berufliche Laufbahn reicht… Auf der anderen Seite stehen sowohl populäre als auch wissenschaftliche Bücher, die vor der Leistungsideologie warnen, die sich in solchen Texten manifestiert.“

Leistung wird individuell zugerechnet, aber dabei gibt es keine „individuelle Leistung“ – wir alle schaffen das, was wir zuwege bringen, im Verbund, gemeinsam mit anderen, in Netzwerken des Kooperativen.

NINA VERHEYEN – DIE ERFINDUNG DER LEISTUNG

Kreisky Forum, Armbrustergasse 15, 1190 Wien. Dienstag 9.4., 19 Uhr

Unsere Gesellschaft ist eine Leistungsgesellschaft. Aber was meinen wir, wenn wir von „Leistung“ sprechen? Wie wurde Leistung zu einer vermeintlich objektiven, individuellen Größe und wie haben sich soziale Beziehungen und Gefühle dadurch verändert? Warum definieren sich Menschen über ihre Leistung – oder über das, was sie und andere dafür halten?

Anschaulich und erhellend beschreibt Nina Verheyen, wie sich das Verständnis von Leistung gewandelt hat und erzählt die Geschichte einer Idee, die unser aller Leben prägt. Sie plädiert für eine historisch informierte und zugleich neue, sozialere Definition von Leistung, mit der sich überzeugend gegen Optimierungszwänge, Marktmechanismen und soziale Ungleichheit streiten lässt.

Nina Verheyen, 1975 geboren, ist Historikerin an der Universität zu Köln. Zuvor war sie u.a. am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin tätig sowie Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Neben Artikeln für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und den „Merkur“ hat sie u.a. das Buch „Diskussionslust. Eine Kulturgeschichte des ‚besseren Arguments‘ in Westdeutschland“ (2010) veröffentlicht. Sie lebt in Köln und Berlin.

Nina Verheyen
Die Erfindung der Leistung
Hanser Literaturverlage, 2018; 23,70 €; auch als ebook

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