Warum ist die weiße Arbeiterklasse wirklich wütend – und wer genau ist damit überhaupt gemeint…

Was ist los mit der Arbeiterklasse? Wie ticken die einfachen Leute? Überall wird diese Frage gestellt, seit die Populisten auftrumpfen. Eine Spurensuche.

Die Zeit, Österreich-Seiten, 2. Mai 2019

Folgenden Beitrag habe ich für die Hamburger „Zeit“ geschrieben – und es ist nur ein kurzer Aufriss von ein paar Gedanken, die ich grundlegender in einem Band der „Edition Suhrkamp“ analysieren möchte, der im kommenden November erscheinen wird. „Die falschen Freunde der einfachen Leute“, soll der heißen. Und dafür brauche ich auch ein wenig Eure Hilfe. Ihr seid Angehörige der Arbeiterklasse, und fühlt Euch ungehört? Ihr seid Kinder dieser Arbeiterklasse und habt den Aufstieg in die Mittelschicht gemacht und fühlt Euch überall nahe (oder überall fremd?). Ihr seid Angehörige der zugewanderten Arbeiterklasse und habt viel schlimmere Verletzungserfahrungen? Oder auch, umgekehrt, Solidarität gespürt? All das ist überhaupt zu grob, weil die Milieus ja durch viele feine Unterschiede getrennt sind, also „DIE WEISSE ARBEITERKLASSE“ gibt es ja gar nicht? Vielleicht wollt ihr mir Eure Erfahrungen und Geschichten schreiben, denn solche Gesellschaftsanalyse lebt von den realen Geschichten der Menschen. Entweder einfach hier unten in die Kommentare oder an robert (at) misik.at per Mail. Herzlichen Dank, RM

1. Mai, Rathausplatz. Von der Tribüne winken die Parteianführer, unten zieht die Parteibasis vorbei, wie immer. Es ist teils Tradition, teils Kostümierung, teils trotziges Bekenntnis zu einer großen Geschichte. Wie jedes Jahr wird „wir sind die Arbeiter von Wien“ gesungen.

Ein paar Schritte weiter, im Musa, der temporären Außenstelle des Wien Museums neben dem Rathaus, stellen sie seit Wochenbeginn die Geschichte des Roten Wiens aus, das gerade 100. Geburtstag feiert. „Die Rote Millionenstadt – Hoffnung der arbeitenden Völker. Darum bleibe Wien Rot immerdar!“, steht am Titelblatt des populären sozialistischen „Kuckuck“ aus dem Jahr 1932, als die Sozialdemokratie noch klugen Boulevard schafften. Karl Seitz, der legendäre Bürgermeister, schaut überlebensgroß auf die Szenerie.

Die romantische Beziehung zwischen den Linken und dem Proletariat hat freilich schon ungetrübtere Tage gesehen. Demnächst hat eine Dokumentation der Filmemacherin Ulli Gladik Premiere, die mehrere Protagonisten ein Jahr lang begleitete: allesamt Menschen, die sich so gemeinhin als „die einfachen Leute“ bezeichnen würden. Ein Müllmann aus Favoriten, ein Thirtysomething aus der Rennbahnsiedlung, der langsam sein Leben auf die Reihe kriegt, nach Knast und schwieriger Jugend jetzt im Männerwohnheim lebt und eine Lehre nachholt. Und die Stammkundschaft eines Vorstadtwirtshauses in der Ottakringer Straße.

„Inland“, so der provokante Titel des Filmes. Allesamt wählen sie seit Jahren schon FPÖ. „Ich würd mir wünschen eine Politik für das österreichische Volk“, sagt Christian, der Müllmann aus Favoriten. Er erinnert sich an „die Zeit, wo die SPÖ noch die Arbeiter vertreten hat… aber das hat sich aufgehört. Irgendwann hat man begonnen, jedem die Arbeitslosenunterstützung hinten rein zu schieben, da hab ich mir gedacht, ich steh auf, ich arbeit‘ mich deppert und dem anderen wird’s rein geschoben.“ Und: „Der Bezirk ist in türkischer Hand…“ Eine Verkäuferin in Frührente sagt, sie erwartet sich von der FPÖ, „dass sie sich für die Arbeiter und die Angestellten mehr einsetzen, für die Kleinen.“ Mit 50 hat sie ihren Job verloren, seither nie mehr etwas gefunden: „Wennst dein Leben gearbeitet hast, und dann wirst einfach entsorgt. Beschissen ist das.“

Unisono die Formulierungen, die immer wieder kommen: Früher gab es Arbeiterparteien, aber heute sind „die“ abgehoben. Die tun nichts für uns. Sie hören uns nicht zu. Sie interessieren sich nur für die Ausländer.

Es ist eine Frage, die überall gestellt wird, von London bis Paris, von Chicago bis Wien: Wie kam es, dass sich die nebulösen „einfachen Leute“ von ihren bisherigen Vertretungen so entfremdet fühlten, dass sie Populisten und Nationalisten als „Stimme der normalen Leute“ ansehen? Von Frankreich ausgehend verbreitete sich gar ein eigenes literarisches Genre: Didier Eribon schildert in „Rückkehr nach Reims“, was aus seinen proletarischen Herkunftsmilieus geworden ist, Edouard Louis in „Wer hat meinen Vater umgebracht?“ die Verwundungen der zeitgenössischen Malocher.

Was also geht vor im Volk? – Da kursieren ein paar Theorien und Analysen, aber auch genügend Phantasien und Phrasen, die zu kurz greifen.

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Es beginnt ja schon mit den Begriffen: Arbeiter, Arbeiterklasse, „einfache Leute“. Das ist ja alles nicht dasselbe. Gerne wird dann so getan, als wäre früher alles einfacher gewesen: da gab es eine kompakte Arbeiterklasse, deren Angehörige morgens in die Fabrik gingen, ein Millionenheer an den Maschinen, die alle irgendwie ähnlich tickten.

Dabei ist diese scheinbar kompakte Arbeiterklasse immer schon eine Art Erfindung gewesen – aber eine erfolgreiche. Arbeiterklasse, das war so ein Mirakel, das irgendwie entstand, indem man sie erfunden hat. Der legendäre Sozialhistoriker Edward P. Thompson hat das in seinem epochalen Werk „Die Entstehung der englischen Arbeiterklasse“ beschrieben. Würden Historiker sich die Details ansehen, würden „sie feststellen, das es nirgendwo eine Klasse gibt. Sie werden nur eine Vielzahl von Menschen mit unterschiedlichen Berufen finden, verschiedenen Einkommen, Status und so weiter“.

Zunächst waren da nur Handwerker, Gesellen, kleine Gewerbetreibende, Leute, die einen Job in den Geschäften und Werkstätten hatten, dann ungelernte Arbeiter in den Fabriken, Facharbeiter in der Industrie, deren Frauen, die als Näherinnen oder als Bedienstete bei den Wohlhabenden arbeiteten, Vorstadtjungs, die Ärger machten, Prostituierte, die sich verkauften, Greißlerinnen und Ziegelböhmen und viele andere Typen mehr. Manche lebten in kleinen Städten, andere in den großen, wachsenden Metropolen. Viele kamen aus den städtischen Handwerker- oder Paupermilieus, noch viel mehr wanderten vom Dorf in die Städte ein. Die einen lebten als Stammbelegschaft in guten Quartieren neben der Fabrik, die anderen hausten in den Elendsquartieren in den Vorstädten.

Sie waren so verschieden, dass oft lieber von den „arbeitenden Klassen“ die Rede war.

Auch die Werte und moralischen Normen, von denen sie geprägt waren, unterschieden sich: die Handwerker und Gesellen waren stolz auf ihre Kunstfertigkeit, die Facharbeiter auf ihre technischen Kompetenzen. Die Arbeiterelite schaute auf die Ungelernten herab, auf die Tagelöhner sowieso, auf die Armen erst recht.

Man kämpfte für höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten, aber die Emotionen gingen viel höher, wenn man sich gegen Kommando und vorgegebenen Takt auflehnte, dagegen, wie ein Instrument behandelt zu werden. Zugleich adaptierte man sich über die Generationen an die Gegebenheiten. Aber immer auch ging es um Respekt. Würde. Der Beruf gab Identität und das Können gab Stolz.

Gibt es so etwas wie „die Werte der Arbeiterklasse“? Worin genau bestehen diese Normen? Und woher kommen sie? 

Nach und nach entstand aus diesem disparaten Kuddelmuddel verschiedener „einfacher Leute“ eine Arbeiterklasse, die sich untereinander durch eine Arbeiterklassenkultur verbunden fühlte.

Und es entstanden die real existierenden Werte der Arbeiterklasse, oft fast ohne jede Ideologie: Dass man nicht wie ein Instrument behandelt werden will, sondern mit Respekt. Dass man auf die Arroganz der scheinbar besseren Leute mit Aversion reagierte. Antiintellektualismus, Widerwillen gegen Leute, die „wie Gebildete“ reden, gehörte auch dazu. Eine Verschlossenheit der Milieus genauso. Zärtlich ging es da nicht immer zu, und die ganze Welt solidarisch umarmt hat man auch nicht. „Einfache Leute“ war nicht nur eine Selbstbeschreibung, sondern stolze Abgrenzung.

Viele „Werte“ waren Gerechtigkeitsnormen, die noch aus vorindustrieller Zeit stammten, wie etwa die Idee eines „fairen Preises“ und „gerechten Lohnes“. Ein Ethos der „schweren Arbeit“, also der Handarbeit. Wer nicht schwitzte und nichts schaffte, gehörte nicht richtig dazu. Hinzu kamen: Ein Männlichkeitsideal – denn das Leitmodell war der männliche Arbeiter; der Stolz, seine Familie ernähren zu können, womit ein Ethos von Diszipliniertheit aufkam, und damit auch die Vorstellung, dass, wer sich nicht anstrengte, sein Elend schon verdient habe. Nirgendwo war der „Arbeitsscheue“ mehr verachtet als in der Arbeiterklasse.

Gewiss gab es bei all dem auch nationalkulturelle Unterschiede, aber viel erstaunlicher ist eigentlich, dass es von Simmering bis Marseille, von Boston bis East-London, von Manchester bis Nürnberg nach einem sehr ähnlichen Muster ablief.

So wie auch heute, wo sich die Reste dieser Arbeiterklasse wie „eine neue Minderheit“ vorkommen, am Rand, nicht respektiert, entfremdet, runtergemacht – als rückständig, hinterwäldlerisch. Nicht einmal ein Begriff existiert mehr, was man denn eigentlich sei – seitdem das Wort „Arbeiterklasse“ aus der Mode kam. Klar, Arbeiter ist, in Österreich etwa, wer arbeitsrechtlich als „Arbeiter“ gilt. In dieser Gruppe hatte die FPÖ schon 2013 34 Prozent der Stimmen, also die Mehrheit. Aber das ist nur eine sozialversicherungsrechtliche Definition. Angestelltenmilieus in der unteren Hälfte der sozialen Skala unterscheiden sich oft nicht in Werthaltungen und Lebensstil. Aber auch eine solche Behauptung sollte mit Vorsicht betrachtet werden. Eher sind wir wieder in der Zeit von Thompson. Wir haben auseinander gefallene Milieus, die durch Begriffe wie „einfache Leute“ nur künstlich zusammen gekleistert werden.

Teile der Arbeiterklasse kommen sich heute als „neue Minderheit“ vor, am Rand, nicht respektiert, runtergemacht – als rückständig, hinterwäldlerisch. 

Der Arbeiter am Fließband bei MAN oder BMW in Steyr. Die Verkäuferin beim Billa an der Kasse. Der Monteur mit Eigenheim in Donaustadt. Die Paketschupferin bei Amazon. Der Paketfahrer beim Postdienst. Die Kellnerin in der Eckkneipe. Der Lehrling in Simmering. Der Polier am Bau. Der Installateur in der kleinen Firma. Die prekäre Datenverarbeiterin. Die Sekretärin. Der Müllmann. Die Zugbegleiterin bei der ÖBB. Der Erntehelfer. Die Krankenpflegerin. Der arbeitslose Fiftysomething, der in seinem dritten sinnlosen Kurs beim AMS steckt. Der Prekäre, der sich durchkämpft. Der Trankler, der schon aufgegeben hat. Alles Arbeiterklasse – aber ohne gemeinsame Geschichte und Geschichten, die man sich erzählen könnte.
Und, nicht vergessen: Nicht alle sind pessimistisch, nicht alle verdrossen, nicht alle wütend – bei weitem nicht.

„Sie wollen Respekt für ihre Leben, die sie sich durch harte Arbeit aufgebaut haben“, schreibt Joan C. Williams in ihrem Buch „White Working Class“, das sich mit den Arbeitermilieus in der amerikanischen Provinz beschäftigt. „Sie wollen anerkannt werden für die Beiträge, die sie leisten, – sie wollen anerkannt werden für ihre Leistung und für die Art, wie sie leben.“

Justin Gest, amerikanischer Sozialwissenschaftler, ist monatelang in den Arbeiterklassenmilieus von London und in der US-Provinz eingetaucht. Für viele gilt hier: „Die Angehörigen der weißen Arbeiterklassen fühlen sich „aus dem Zentrum an den Rand des Bewußtseins ihres Landes gerückt – viele fühlen sich machtlos“, schreibt er. „Du wirst permanent daran erinnert, dass du jederzeit ersetzt werden kannst von einem, der weniger Geld fordert als du“, sagte ihm ein kleiner Angestellter. „Sie wissen nicht, wie es ist, wenn du vier Jahre auf die Wohnung wartest. Sie wissen nicht, wie es ist, wenn man die Heizung nicht aufdrehen kann, wenn man kein Geld für die Kinder hat. Sie haben vergessen, der Arbeiterklasse zuzuhören.“ Kurzum: Wir haben Probleme, aber es interessiert gar niemand. Sie hören nicht auf uns. Sie hören uns nicht einmal zu. „Sie“ ist eine ominöse Elite, die weit weg ist.

Sogar das Selbstbild, den „einfachen Leuten“ anzugehören, taugt nicht mehr als Quelle von Stolz, in einer Gesellschaft, zu deren Leitbild geworden ist, dass es schon ein Makel sei, bloßer „Durchschnitt“ zu sein.

Es gibt die herben, sichtbaren Verletzungen, etwa eingetrübte Zukunftsaussichten zu haben, in Vierteln zu wohnen, die herunterkommen, Jobs zu haben, in denen man über den Mindestlohn nie hinaus kommt, auch wenn man noch so sehr rackert. Und es gibt die verborgeneren Verletzungen, das, was der große Soziologe Richard Sennett vor fast 50 Jahren schon „die verborgenen Verletzungen der Klasse“ genannt hat.

Etwa, wenn man sich für seinen Lebensstil rechtfertigen muss; oder wenn gutmeinende Leute die Menschen aus der herabsinkenden Arbeiterklasse als arme Schlucker behandeln, denen geholfen werden soll. Aber die Menschen wollen keine Almosen, sondern ein Einkommen, von dem man sich etwas erwirtschaften kann, sie wollen auch nicht als bedauernswerte, irgendwie rückständige Dinosaurier aus einer ausgestorbenen Epoche betrachtet werden, auch nicht als Arme (von denen grenzen sie sich ja gerade ab), und schon gar nicht als seltsame Exoten. „Die Arbeiterklasse will nicht wie ein Stamm in einem Land behandelt werden, das weit entfernt ist“, schreibt Williams. Eine solche Haltung „wird sie noch wütender machen und die ungesunde Klassenspaltung nur vergrößern.“

Diese Bevölkerungsgruppen haben ihre eigenen Werte, die wie späte Echos des Wertekanons wirken, der sich im 19. Jahrhundert herausgebildet hat. Gesellschaftspolitisch eher konventionell, zugleich egalitär, wenn es gegen die Arroganz der Besseren geht. Zupacken steht höher im Kurs als verkopft sein. Aus der Masse will man nicht hervorstechen, mit den Individualisten in den Innenstädten kann man sich höchstens mühsam verständigen. Man ist stolz auf harte Arbeit, schätzt Leistung, Stabilität und Verlässlichkeit – Spontaneität und Flausen im Kopf könnte man sich ja auch nicht leisten. Williams: „Leute aus der Arbeiterklasse mögen ‚Menschen, die sich kümmern‘, die ‚verlässlich‘ sind, ‚die ihren Mann stellen‘, sind angewidert von ‚Unehrlichkeit‘ und sie mögen keine ‚verantwortungslosen Leute, die in den Tag hinein leben‘.“ Sie sind stolz auf das „Echte“, darauf, dass eigentlich sie die Wirtschaft am Laufen halten, nicht die Bürohengste.

Leute aus der Arbeiterklasse mögen ‚Menschen, die sich kümmern‘, die ‚verlässlich‘ sind, ‚die ihren Mann stellen‘, sind angewidert von ‚Unehrlichkeit‘ und sie mögen keine ‚verantwortungslosen Leute, die in den Tag hinein leben‘.

Nicht wirklich geschätzt werden Leute, die anderen auf der Tasche liegen, denn die haben im Kampf um Respekt und Würde schon aufgegeben. Um dieses Ressentiment gegen die Armen zu verstehen, muss man einen Blick auf das tägliche Leben der Arbeiterklassen werfen. Ihre rigiden, stark überwachten Jobs sind langweilig, repetitiv, oft körperlich anstrengend oder emotional fordernd. Und sie stehen dennoch täglich um sechs Uhr auf. Wer das, aus welchen Gründen immer, nicht tut, der liegt der Allgemeinheit auf der Tasche.

Aus dem Zentrum der Gesellschaft an den Rand gerutscht fühlt man sich verraten und missachtet. In die eigenen Viertel ziehen Migranten, man fühlt sich in den eigenen, früher vertrauten Gemeinschaften, zunehmen fremd. Sagt man, dass einem das schon ein wenig zu massiv ist und zu schnell geht, wird man als „Rassist“ und „Hinterwäldler“ dargestellt. Gest: „Sie haben Angst, dass ihre Ansichten disqualifiziert werden könnten, obwohl sie in der Realität ja authentische Ausdrücke dessen sind, was sie erleben, wie sie leben und wie sich ihre Leben verändern.“ Und der Vorwurf des Rassismus wird dann als weiteres Mittel gesehen, die Artikulation „einfacher Leute“ zu kontrollieren, ja, sie für bedeutungslos zu erklären. Es wird sogar eine verrückte Komplizenschaft zwischen armen Migranten und autochtonen Eliten gespürt: Dieselben Eliten, die sich für sie nicht interessieren, sie immer härterer Ausbeutung aussetzen und während wirtschaftlicher Krisen hängen lassen, interessieren sich nur für die sozialen Verwundungen von Minoritäten. So jedenfalls wird das empfunden. Von der Art: „Für jeden Afghanen interessieren sie sich, für uns interessieren sie sich nicht.“

Auch wenn man gegen den Ausländer von nebenan kein Ressentiment hegt – aber dass man als „Hiesiger“ zuerst drankommen solle, das sei doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit, so die Grundhaltung.

Es herrscht das Gefühl vor, selbst zu einer Minderheit geworden zu sein – aber die einzige Minderheit, die man sanktionsfrei beschimpfen kann, und die zugleich nicht mit der Behauptung auftrumpfen kann, eine diskriminierte Minderheit zu sein.

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