Das Wichtigste ist, dass wir Geduld haben

Die Regierung spürte wohl eine gewisse Unduldsamkeit in der Bevölkerung, einen Druck von Unternehmen und generell von vielen Menschen, die von Existenzsorgen geplagt sind. Daher wird eine langsame Lockerung der Notstands-Maßnahmen versprochen.

Es gibt keinen exponentionellen, explosionsartigen Anstieg der Covid-19-Fälle mehr, sondern nur mehr einen kleinen, linearen. Ganz genau wissen wir das nicht, aber von der Größenordnung her bedeutet das: Jeder Infizierte steckt wahrscheinlich nur mehr rund einen Menschen an. Können auch mehr sehr, können sogar weniger sein. Nur dürfen wir zweierlei Dinge nicht vergessen: Damit wir die Krankheit wirklich niederringen, müsste dieser Wert deutlich unter eins liegen. Und zweitens: niemand kennt die genauen Zahlen, niemand weiß genau, wie hoch die Ansteckungsrate des Virus wäre, wenn man ihn widerstandslos machen ließe. Und niemand weiß, wie sich die Zahlen in Zukunft entwickeln. Zwar rechnen Mathematiker und Statistiker geniale Modelle, aber ein Virus ist eben auch unberechenbar. Kurzum: Wir sind mit Ungewissheit konfrontiert.

Wie aber geht man vernünftig mit Ungewissheit um? Indem man die schlimmstmögliche Variante annimmt.

Aber das müssen wir nicht einmal. Es reicht nur ein normaler realistischer Hausverstand. Und der heißt: Wenn wir nachlassen, wenn sich jetzt die Menschen wieder im Baumarkt und bei den kleinen Einzelhändlern tummeln, dann wird diese Ansteckungsrate wieder nach oben gehen. Jeder Wert deutlich über eins heißt: galoppierendes Wachstum. Und würde bedeuten, dass wir uns – je nachdem: schnell oder weniger schnell – den Kapazitätsgrenzen unseres Gesundheitssystems nähern. Wenn die Regierung jetzt in ihrer Sprache den Eindruck erweckt, wir hätten fast schon gewonnen, dann ist das falsch. Sehr falsch.

Es ist verständlich, dass man zumindest einigen der Unternehmen, die faktisch am Boden liegen, wieder Umsätze verschaffen will. Damit nicht noch mehr Menschen arbeitslos werden, damit vielleicht sogar manche wieder bei ihrer Firma anheuern können.

Hoffen wir, dass das kein fataler Fehler ist.

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