Die Stunde der Solidarität

Mit dem Geist der Gemeinsamkeit sind wir gut durch die ersten acht Wochen Pandemie gekommen. Mehr wir, weniger Gier gilt auch für die Wirtschaftskrise.

Viele Menschen empfinden die gegenwärtige Situation als umbequem. Manche auch als extrem belastend, weil sie einsam oder mit kleinen Kindern seit Wochen eingesperrt sind. Oder weil sie arbeitslos geworden sind. Oder weil ihr Unternehmen am Rande des Ruins steht.

Aber es gibt nicht nur Negatives: Es gibt extrem viel Solidarität. Menschen helfen einander und organisieren sich im Alltag so, dass sie einander unter die Arme greifen können. Auf der Straße und beim Einkaufen gehen sich die Menschen beinahe zärtlich aus dem Weg. Das ist kein anti-soziales Distanzieren, sondern ein sehr achtsames. In den Parks spielen Menschen miteinander Fußball, aber nicht in den Gruppenformationen, die ein Ansteckungsrisiko bergen, sondern in Zweier- oder Dreiergruppen, um sich ein wenig zu bewegen. Dutzende machen das nebeneinander, mit Abstand, aber doch miteinander verbunden. Fliegt der Ball in die falsche Richtung, wirft man ihn sich wechselseitig zurück, mit ein paar netten Gesten oder freundlichen Worten, einem Danke, einem Bitte. Und es ist völlig egal, wo man geboren ist, oder wo die Eltern geboren sind. Die meisten befolgen all diese Regeln, und zwar nicht weil sie Angst vor Strafen haben. Alle, die hier leben, sind als Gemeinwesen verbunden. Wir haben – vorerst zumindest – geschafft, wovon man uns vorher eingeredet hat, dass das nur Diktaturen schaffen würden, die den Menschen Befehle geben können. Wir haben das auf demokratische, antiautoritäre Weise gemeinsam hingekriegt. Und klar gibt es Nörgler, die das alles nicht mehr akzeptieren wollen. Aber es sind nicht sehr viele.

Vor uns liegt aber jetzt auch die nächste Krise, die Wirtschaftskrise. Schon in den letzten Wochen wurden Milliarden Euro verloren. Das wäre noch nicht einmal besonders tragisch, wenn die Wirtschaft bald wieder völlig anspringen würde. Aber das wird nicht passieren. Viele Unternehmen werden pleite gehen, und die sind dann nicht mehr da. Freie Stellen werden rar sein. Viele, die jetzt in Kurzarbeit sind, werden noch ihren Job verlieren. Branchen, wie der Handel und die Gastronomie werden auch in sechs Monaten weniger einnehmen als vor der Krise – und auch das wird Arbeitsplätze kosten. Andere Branchen liegen ganz darnieder, vom Tourismus bis zu den Fluglinien, Flughäfen und damit verbundene Unternehmen. Auch in der Autoindustrie können ein Drittel der Jobs verloren gehen. Einfach, weil die ganze Welt in einer Wirtschaftskrise steckt und die Konsumenten weniger einkaufen.

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Die Pandemie ist noch nicht besiegt, und doch müssen wir jetzt schon den Kampf gegen die Massenarbeitslosigkeit aufnehmen. Dafür wird der Staat nach der Krise investieren müssen, und das am Besten in Zukunftsbranchen. Wir haben auch gesehen, was eine stabile Infrastruktur und ein gut funktionierendes Gesundheitswesen wert sind.

Für all das werden wir viel Geld ausgeben müssen, wenn wir nicht wollen, dass ein paar Wenige in Saus und Braus leben, während viele andere in Armut abrutschen. Das ist dann die Stunde für eine Politik, die Solidarität und Gerechtigkeit auf ihre Fahne scheibt. Aber dafür braucht es jetzt schon geniale Wirtschaftspläne, die klügsten Köpfe müssen sich Programme ausdenken. Und es braucht Politiker, die an die normalen Leute denken und nicht nur an Lobbys und ihre Großspender.

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