Impfung gegen Covid-19: Alles was Du wissen musst!

Innerhalb von nicht einmal 10 Monaten gelang es Wissenschaftlern aus aller Welt, in einer phantastischen Kraftanstrengung aller Beteiligten – der Forscher, des Laborpersonals, aber auch der Pharmafirmen und einer Vielzahl von Regierungen – mehrere Impfstoffe gegen Covid-19 zu entwickeln. Das zeigt, welche medizinischen Fortschritte die Menschheit in den vergangenen Jahrzehnten gemacht hat. Dennoch gibt es viele Fragen zu den verschiedenen Impfungen, mit denen ich mich in den vergangenen Wochen beschäftigt habe. Natürlich bin ich kein Spezialist auf dem Feld, aber ich habe vielen Spezialisten auf dem Feld zugehört und versuche so knapp wie möglich zusammenzufassen, was für das Thema relevant ist. Wer sich selbst darüber hinaus informieren will, findet am Ende hier Links zu Beiträgen, die sehr umfassend sind und einige Stunden an Informationsarbeit verlangen, aber auch für den interessierten Laien verständlich sind.

Viele Sorgen, die ja auch von gewissenlosen Leuten geschürt werden, betreffen die Sicherheit der Impfungen.

Kann eine Impfung, die innerhalb von nur knapp acht Monaten die Zulassungsstufen durcheilte, überhaupt so sicher sein wie andere Impfstoffe?

Ja, denn die Zulassungsschritte für Sicherheitsprüfungen sind ja klar geregelt und da kann gar nicht lässiger oder gar nach-lässiger vorgegangen werden. Erst wird in ganz kleinen Probandengruppen die Sicherheit überprüft (wenn es zu schweren Nebenwirkungen kommt, wird die Entwicklung sofort gestoppt), dann die Wirksamkeit des Impfstoffs untersucht. Und erst in einer dritten Stufe wird mit vielen tausenden Testpersonen die Wirksamkeit und die Sicherheit noch einmal genau studiert.

Warum dauert das dann meistens jahrelang und diesmal nicht?

Erstens weil damit sehr viel Papierkram verbunden ist – und zwischen den verschiedenen Erprobungsstufen müssen Behörden die Papiere prüfen. Oft liegen die Akten dann monatelang herum. Jede dieser Teststufen sind teuer und brauchen Förderung – normalerweise werden diese Förderanträge gestellt, auch sie liegen oft monatelang herum, dann kommt vielleicht eine Absage, dann müssen die Forschungsgruppen bei einer anderen Forschungsförderungsstelle einen Antrag stellen… Alleine der Papierkram kann Jahre dauern. Das war diesmal nicht der Fall, da alle Behörden an einem Strang zogen und Geld einfach endlos zur Verfügung stand. Die Wissenschaftler mussten nicht ihre Zeit damit verschwenden, Euros zusammen zu kratzen.

Wie wird ein Impfstoff dann endgültig getestet und warum ging es diesmal viel schneller als normal?

Wenn ein Impfstoff die ersten beiden Phasen des Testverfahren geschafft hat (also sicher und wirksam erscheint), dann muss er in die entscheidende dritte Phase. Die ist sehr teuer und meist rechnen Pharmafirmen lange herum, ob sich das überhaupt lohnen könnte. Wie gesagt, dafür musste man diesmal nicht lange herumrechnen. Danach werden Impfungen an zehntausenden Menschen erprobt. Das heißt, beispielsweise: 20.000 Menschen erhalten den Wirkstoff, 20.000 Menschen erhalten einen Kochsalzlösung gespritzt. Dann muss man warten, bis sich aus beiden Gruppen (also addiert sind das 40.000 Menschen), eine relevant große Zahl mit einem Virus infiziert hat. Wie lange das dauert, ist nicht zu beeinflussen, da ja keine Mediziner Probanden „absichtlich“ infizieren dürfen. Bei Krankheiten, die nicht sehr häufig sind, kann es Jahre dauern, bis sich 100 Menschen infizieren. Da aber die Covid-19-Seuche stark grassiert, brauchte es diesmal einfach kürzer – nämlich nur wenige Wochen – , bis sich 100 Menschen ansteckten. Ist es so weit, wird überprüft, wie sich die Infizierten auf die beiden Probandengruppen verteilen. Sind 95 Infizierte unter jenen, die nur die Kochsalzlösung erhielten, und 5 unter jenen, die den Impfstoff gespritzt bekamen, dann ist die Impfung sehr wirkungsvoll. Genau das ist bei den verschiedenen Impfstoffen geschehen, sie haben zwar eine unterschiedliche Wirksamkeit, aber sie liegt bei allen rund um 90 und sogar 95 Prozent.

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Heißt das, die Impfung ist gar kein hundertprozentiger Schutz?

Ja, das heißt das leider. Die allermeisten, die geimpft sind, sind auch geschützt – aber es ist kein hundertprozentiger Schutz. Das ist aber bei allen Impfungen so, viele haben sogar eine niedrigere Wirksamkeit. Deshalb ist es auch so wichtig, dass so viele Menschen wie möglich geimpft werden. Damit das Virus praktisch keine Wirte mehr finden kann.

Gibt es bei der Impfung Nebenwirkungen?

Ja, bei allen Impfungen kann es Nebenwirkungen geben, sei das Übelkeit, kurzfristiges Fieber, Niedergeschlagenheit und Müdigkeit. Bei den Test treten immer Nebenwirkungen auf. Wie sehr die auf die Impfung zurück gehen, ist aber gar nicht so sicher. Im Prüfverfahren sind manche „Nebenwirkungen“ sogar häufiger bei jenen aufgetreten, die nur die Kochsalzlösung bekamen. Wie kann das denn sein, fragen sie nun? Das ist eigentlich ganz einfach: Unter 40.000 Menschen wird immer einigen übel, viele bekommen innerhalb von ein paar Monaten einmal Fieber, ja, es werden sogar einige sterben. Entscheidend für die Beurteilung ist, ob in der Gruppe der Geimpften diese alltäglichen Symptome und tragischen, aber unter Menschen leider vorkommenden Geschehnisse häufiger sind. Nebenwirkungen in signifikanter Zahl traten nicht auf.

Können schwere langfristige Nebenwirkungen auftreten, über die man noch nichts weiß?

Man kann das natürlich nicht gänzlich ausschließen, aber es ist nicht sehr wahrscheinlich. Denn die meisten Nebenwirkungen bei Impfungen treten unmittelbar nach der Verabreichung auf, von „langfristigen“ Nebenwirkungen spricht man, wenn diese einige Wochen oder Monate später auftreten. Dass Nebenwirkungen erst ein, zwei Jahre später auftreten, ist in der Geschichte der Impfungen eher selten der Fall gewesen. Die dritte Prüfungsstufe mit Massenimpfungen begann aber bei den Covid-19-Impfstoffen schon im Juni. Es gibt jetzt also schon sieben Monate Zeit, etwaige schwere, langfristige Nebenwirkungen zu beobachten. Aber es gab keine.

Warum aber wird dann von einer „Notfallzulassung“ oder einer „vorläufigen Zulassung“ gesprochen, das zeigt doch, dass überstürzt vorgegangen wird?

Jede Impfung, die zugelassen werden soll, muss die peniblen Sicherheitsauflagen erfüllen. Es ist aber möglich, eine „Notfallzulassung“ zu erteilen, wenn der Papierkram zwar fertig ist, aber die zuständigen Kommissionen noch bei der Erarbeitung ihres Prüfbescheids sind. Das ist in den USA beispielsweise geschehen. Eine „vorläufige Zulassung“, wie das die europäische Arzneimittelbehörde plant, ist etwas anderes. Hier werden alle Schritte wie vorgesehen durchgeführt. Man weiß aber ein paar Dinge noch nicht: ob die Impfung nur vor einem Ausbruch der Krankheit, aber nicht vor Infektion schützt. Ob man andere weiter anstecken kann. Man weiß nicht, ob sie völlig immunisiert. Man weiß auch nicht, ob die Impfung langfristig wirkt oder jedes Jahr erneuert werden muss. Deshalb wird natürlich weiter beobachtet und danach erst eine endgültige Zulassung ausgesprochen. Immunisiert die Impfung langfristig – wird dafür dann eine endgültige Zulassung ausgesprochen. Aber das kann man jetzt ja unmöglich wissen.

Aber macht diese Impfung nicht etwas mit unserem Genom?

Einige Impfstoffe sind nach dem „klassischen“ Verfahren entwickelt, einige mit einem modernen Verfahren – man nennt sie mRNA-Impfung. Der Zelle wird das Genom des Virus gewissermaßen gezeigt, so dass sie lernt, darauf zu reagieren. Aber es wird nichts mit der Erbsubsanz des Menschen gemacht. Abgesehen davon, dass sowieso alle Umwelteinflüsse und auch normale Impfungen Interaktionen mit unserem Genom sind. Fakt ist aber, dass diese Technologie noch relativ neu ist und bei keinem massenhaft eingesetzten Wirkstoff verwendet wurde. Falsch ist aber, dass es noch keine Langfrist-Erfahrungen gibt. Seit 2013 wird mit diesem Verfahren geprobt, auch in menschlichen Probandengruppen. Negative Wirkungen sind nicht bekannt.

Also alles sicher?

Restriskien bleiben immer. In den 2000er Jahren wurden Millionen Europäer gegen Schweinegrippe geimpft, einige tausend Menschen entwickelten danach als langfristige Nebenfolge eine Narkolepsie, eine Art Schlaf- oder Müdigkeitskrankheit (Abgeschlagenheit, spontanes Einnicken tagsüber…). Diese Nebenwirkungen sind extrem selten, aber sie können auftreten. Letztlich muss aber auch jeder wissen: dieses Risiko ist vorhanden, aber verschwindend gering verglichen mit dem Risiko der Erkrankung und deren langfristigen Schäden und einer relativ hohen Sterberate.

Reicht es nicht, wenn sich die impfen, die wollen?

Nun ja, die, die geimpft sind, wären dann sicher (zu 95 Prozent, siehe oben), und die, die sich nicht impfen, sind dann selber schuld – so könnte man das sehen. Das Problem ist aber nicht nur, dass die Nichtgeimpften, wenn das mehr als 30 Prozent wären, dann weiter die Pandemie am Laufen halten und auch Gesundheitsversorgung brauchen. Die ist teuer. Einzelne Länder überlegen daher, dass diese ihre Krankenhausaufenthalte selbst bezahlen müssen. Vor allem aber funktioniert das Konzept „Eigenverantwortung“ nicht bei ansteckenden Krankheiten, da jeder, der ein Risiko für sich eingeht, es auch für andere eingeht. Es gibt ja auch Menschen, die sich nicht impfen lassen können, weil sie Krankheiten haben oder Medikamente nehmen müssen, die ihr Immunsystem ausschalten. Sie sind auf die Solidarität Anderer angewiesen.

Der medizinische Fortschritt hat viele Geiseln der Menschen ausgerottet, und ein ganz wichtiger Beitrag dazu ist Impfungen zu verdanken. Polio (Kinderlähmung), die Pocken, viele Kinderkrankheiten, die oft tödlich verliefen und auch oft schwere Schäden hinterließen gehören heute der Vergangenheit an. Wer jünger ist, kann sich an die Opfer dieser Seuchen im Stadtbild gar nicht mehr erinnern, an die Behinderungen, die die Kinderlähmung auslöste. Wir haben die FSME-Schutzimpfung, die auch Millionen schwere Erkrankungen verhindert.

Links: 

Florian Krammer, Professor und Impfexperte aus New York, erklärt in diesem Video alles ganz genau – und zwar auch für interessierte Laien verständlich.

Hier im Standard-Podcast erklärt Krammer auch viele Details, auch in den Kommentarspalten finden sich viele interessante Aspekte.

Moment.at erklärt hier genau, was es mit den Nebenwirkungen auf sich hat.

 

 

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