Der Hass auf den Konsens

Viel ist von der Polarisierung unserer Gesellschaften die Rede. Genauso oft hört man jedoch, es gebe einen postideologischen Einheitsbrei. Aber wie geht das zusammen? Nun, vielleicht geht das ja auch überhaupt nicht zusammen. Aber es gibt vielleicht einige gesellschaftliche Pathologien, die damit zusammenhängen. Dass sich selbst Leute, die sich im Grunde weitgehend einig sein sollten, dauernd in die Haare geraten: Man ist sich zu 99 Prozent einig und nützt dann das eine Prozent Differenz, um in aggressivste Debatten zu verfallen. Im öffentlichen Gespräch dominiert der Streit, aber nicht die Frage, worüber wir nun eigentlich einer Meinung sein könnten. Konsens ist verschrien. Das Wort Kompromiss wird selten ohne die Beifügung „fauler“ gebraucht. Auch das ist ein Signum unserer Zeit.

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