IG-Metall startet Diskussionsforum über „Kurswechsel“

Vida.JPGIch verfolge in diesen Tagen ziemlich intensiv die Diskussionen in einigen Gewerkschaften, und zwar aus zwei Gründen: Erstens werde ich am Mittwoch kommender Woche beim Gewerkschaftstag der österreichischen VIDA-Gewerkschaft (Eisenbahner, LKW-Fahrer, persönliche Dienstleistungen etc.) als Gastredner sprechen. Die VIDA gibt sich ein neues Programm, das weit über die normalen gewerkschaftlichen Forderungskataloge hinausgeht. Also etwa die Frage stellt: Wie wollen wir eigentlich leben? Was macht eine funktionstüchtige und lebenswerte Gesellschaft aus? Ich werde zum Auftakt der Programmdebatte über das Thema sprechen: „Warum Gerechtigkeit für alle gut ist.“ Ich muss ganz ehrlich sagen, es ist mir eine große Freude, dass man mich dazu eingeladen hat.

Ich bin ja jetzt auch schon weit über zwanzig, also so etwas wie ein Zeitzeuge, und ich kann mich noch gut an Epochen erinnern, da waren die Gewerkschaften die verknöchertsten und bürokratisiertesten Institutionen der alten Arbeiterbewegung – geführt von österreichischen Männern, die die Interessen von österreichischen Männern vertraten. Klientelpolitik at its worst. Aber seit gut eineinhalb Jahrzehnten ändert sich das. Klar: Nach und nach, nicht über Nacht. Viele Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter haben begriffen, dass man Interessensvertretung nicht allein als Vertretung von Partikularinteressen einer – ohnehin immer kleiner werdenden – Klientel anlegen darf. Dass das weder zielführend (weil dann alle Gewerkschaftsaktivitäten leicht delegitimiert werden können), noch besonders „emanzipatorisch“ in einem progressiven Sinn ist. Sondern: Dass partikulare Forderungen nur dann berechtigterweise aufgestellt werden können, wenn sie in weiterem Sinn der Verbesserung eines Gemeinwesens dienen, und wenn sie damit auch von anderen Menschen auf Basis geteilter Werte unterstützt werden können.

IG Metall.JPGIn diese Richtung geht auch eine Initiative der deutschen IG-Metall und ihres Vorsitzenden Berthold Huber. Sie hat seit gestern einen Blog online gestellt, der einen Beitrag zu einem „Kurswechsel“ für Deutschland leisten soll. Huber: „Deutschland braucht einen Kurswechsel. Für mehr Demokratie, mehr Gerechtigkeit und vieles, was ebenfalls ein gutes Leben ausmacht.“ In den nächsten Monaten soll hier nach und nach über mehrere Themenkomplexe debattiert werden. Etwa über die Bedeutung von „Wirtschaftsdemokratie“ – und was das heute heißen könnte -, über wichtige makroökonomische Begründungen für soziale Gerechtigkeit aber auch über die Bedeutung von „Werten“.

Die Freundinnen und Freunde von der IG-Metall haben mich im Vorfeld eingeladen, Imputs zu dieser Debatte zu geben. Diese Imputs werden in den kommenden Monaten hier auf diesem Blog und auf dem Blog der IG-Metall zu finden sein. Die Einladung, aktiv an dieser Debatte teilzunehmen, gebe ich hiermit gerne an alle Leserinnen und Leser weiter.

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