Jobs für alle!

Weltweit diskutieren Ökonomen über eine „staatliche Arbeitsplatzgarantie“. Das wäre möglich und nicht einmal teuer.

In Steyr wird es diese Woche erste Warnstreiks gegen die Schließung des dortigen MAN-Werkes geben. 2.300 Arbeitsplätze stehen bei dem LKW-Hersteller auf dem Spiel. Auch sonst häufen sich die Schreckensnachrichten vom Arbeitsmarkt. Große Firmen schließen, kündigen Teile der Belegschaft, verlagern ihre Produktion, und viele kleinere drohen in die Insolvenz zu schlittern. Niemand weiß genau, mit welcher Arbeitslosenzahl wir aus dieser Corona-Krise gehen werden. Klar ist: Sie wird viel zu hoch sein. Und wird unser Land für Jahre geißeln. Denn hohe Arbeitslosigkeit hat viele langfristige Nebenwirkungen: Die Arbeitslosen verlieren ihre Qualifikationen, die Konsumnachfrage bleibt gedämpft, auch Menschen, die noch einen Job haben, legen ihr Geld auf die hohe Kante, weil sie Unsicherheitsgefühl plagt, und das schlechte Wirtschaftsklima verhindert das Entstehen neuer Arbeitsplätze, denn welcher Unternehmer investiert schon in neue Produktionsanlagen, wenn sowieso niemand etwas einkaufen kann. Die direkten Wirkungen sind: Jeder einzelne Arbeitslose ist von Zukunftsangst geplagt, hat schlaflose Nächte, wenn er an seine Rechnungen denkt. Männer und Frauen schlittern in die Armutsfalle. Angst frisst sich in unsere Gesellschaft.

Unter Ökonomen kommt deshalb immer stärke eine Idee auf: die Idee der staatlichen Arbeitsplatzgarantie. Das war ja lange verpönt: Der Staat soll sich aus der Wirtschaft heraus halten, hieß es. Aber um eine schwere Krise zu vermeiden, braucht es einen Staat, der sich kümmert. Jeder Arbeitslose kostet sowieso doppelt Geld: Einerseits erhält er Arbeitslosenunterstützung, andererseits zahlt er keine Steuern. Jobs, die der Staat schafft, sind deshalb gar nicht teurer für die Staatsfinanzen. Die Menschen in diesen Jobs haben eine Aufgabe, das hebt ihr Selbstwertgefühl, sie können wichtige Beiträge für die Gesellschaft leisten. Und die Beschäftigten in der Privatwirtschaft wären weniger erpressbar.

Die Regierenden werden mit allerlei Ideologie-Phrasen dagegen sein, so wie sie schon die Aktion 20.000 für ältere Arbeitnehmer abgeschafft haben. Aber das wäre einmal eine Reform, die den Namen verdient: Wenn der Staat jedem, der arbeiten will, einen Arbeitsplatz garantiert.

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Insider, 13. 10. 2020

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