Das hysterische Zeitalter

Der rote Faden, meine Kolumne aus der taz am Wochenende.

Dass die Begriffe „historisch“ und „hysterisch“ sich buchstabenmäßig so nahe sind, hat ja schon zu manchem Bonmot Anlass gegeben, darunter zu Appercus, die gendermäßig heutzutage überhaupt nicht mehr korrekt sind, aber überhaupt nicht mehr. „Hier kommt der hysterische Materialismus“, soll Victor Adler bei irgendeinem Treffen der Sozialistischen Internationale gesagt haben, als ihm Rosa Luxemburg mit ihren Mitstreiterinnen begegnete.

Manche geschichtliche Augenblicke sind „hysterische Momente“, könnte man auch sagen, und das gefällt mir auch jenseits des Wortgeblödels, weil darin eine Wahrheit steckt. Das Hysterische hat dann ganz materielle Folgen.

Bei uns in Österreich hat ja der rechtsradikale Kandidat für die Bundespräsidentschaft gerade 35 Prozent gewonnen. Das hat natürlich eine Vielzahl an Gründen, aber eine der Ursachen ist auch ein hysterisches öffentliches Klima. Ein Stakkato der Berichterstattung, das den Eindruck erweckt, das Land sei an der Schwelle zu einem „Failed State“, eine einzige No-Go-Area, in der afghanische und nordafrikanische Männergangs flächendeckend vergewaltigend und mordend durch die Gegend ziehen; eine Unsicherheitszone, in der man sich, sobald man den Fuß vor die Haustür setzt, sich schon in akute Todesgefahr begibt. Aus Sicht dieser medialen Konstruktion sind das Zustände, die von einer verbrecherischen Politik hergestellt wurden, von Eliten, die nichts anders im Sinne haben, als das Volk zu quälen, es zu unterdrücken, ihm das Wort zu verbieten.

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So wie die Wähler der Rechtsradikalen erst durch die Panikstimmung zu ihrem Wahlverhalten gebracht werden, so verfällt auch die Gegenseite in Panik. Überspitzt formuliert: Während die einen Angst vor den Ausländern haben, haben die anderen Angst vor den Rechtsradikalen, davor, dass das Land endgültig auf eine schiefe Bahn gerät, Richtung autoritärem Regieren, dass jetzt alles kurz und klein geschlagen wird und unsere gewohnte Welt unter geht. Das hysterische Zeitalter weiterlesen

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Die letzten Tage der SPÖ?

Nach einer turbulenten Woche erlebt Werner Faymann bei der Mai-Kundgebung am Rathausplatz ein Fiasko. Aber die Partei ist nicht nur angeschlagen, sondern tief gespalten – und nur mehr mit sich selbst beschäftigt. Kann sich die SPÖ noch einmal fangen? Und was, wenn ihr das nicht gelingt? Die Optionen in dramatischen Tagen.

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Schulterschluss der Demokraten

Der aufhaltsame Aufstieg der Rechtsradikalen in Österreich. Vor der entscheidenden Runde der Präsidentenwahl Ende Mai steht es jetzt Spitz auf Knopf.

Es war dann doch ein Schockmoment, als der blaue Balken am vergangenen Sonntag um 17 Uhr am TV-Schirm nach oben schoss: 35 Prozent der Stimmen für den rechtsradikalen FPÖ-Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer, der nächstplatzierte Kandidat – der ehemalige grüne Parteivorsitzende Alexander van der Bellen – mit 21 Prozent deutlich zurück. Und die Kandidaten der beiden regierenden Ex-Großparteien, der Christdemokraten und der Sozialdemokraten, nur mehr knapp über zehn Prozent. In dieser Dimension hatte das niemand am Zettel, kein Politikexperte, kein Meinungsbefrager.

Für die FPÖ ist dieser erste Durchgang der Präsidentschaftswahl der größte Durchbruch, der ihr bei einer bundesweiten Wahl je gelang. Dafür sind eine Reihe von Gründen ausschlaggebend. Zunächst einmal der Kandidat und sein Wahlkampf. Aus Sicht der FPÖ waren Kandidat und Kampagne regelrecht genial. Man setzte auf Österreich-Zuerst, auf Anti-EU, auf Anti-Flüchtlinge und auf die alles grundierende, gewohnte Botschaft, auf Anti-Establishment. Mit Hofer hatte man aber einen Kandidaten, der vom Habitus vertrauenserweckend über die Rampe kommt, ein bisschen streberhaft, ein wenig Milchbubi-haft wirkt. Typus: Ein Rechtsradikaler, vor dem man sich nicht fürchten muss. Ein Extremist, aber ein harmloser. Damit war er die ideale Figur, um das Potential seiner Partei so dramatisch zu überschreiten. Ist Parteichef Strache der Scharfmacher, der auch abschreckend wirkt, so ist Hofer der brav-biedere Schwiegersohntyp, den man schon auch einmal aus reiner Unzufriedenheit wählt.

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Das erklärt, warum Hofer so deutlich über dem erwarteten Potential seiner Partei lag. Das Potential selbst ist natürlich ohnehin erschreckend hoch und wird genährt durch all das, was generell in Europa heute Rechtspopulisten günstig ist: der Verdruss an den politischen und ökonomischen Eliten, dem Gefühl der „einfachen Bürger“, dass sich ohnehin für sie niemand interessiert. In Österreich kommt dazu: Die Wut auf eine große Koalition jener Parteien, die das Nachkriegsösterreich geprägt haben, die in den Augen der Leute „seit immer schon“ das Land als ihren Besitz ansehen und heutzutage nur mehr haarsträubend unfähige Apparatschiks in Spitzenfunktionen haben. Personifiziert wird all das durch die Person des Kanzlers, Werner Faymann. Die Kandidaten der beiden etablierten Ex-Großparteien erlebten dementsprechend einen Absturz, der seinesgleichen sucht. Dass Faymann nach diesem Debakel noch immer verantwortungslos an seinem Sessel klebt, ist unfassbar.

Die nächsten vier Wochen wird es nun tricky. Der FPÖ-Mann Hofer hat beileibe noch nicht gewonnen. Freilich, der deutliche Abstand, mit dem er vor dem Zweitplatzierten liegt, dem eigentlich favorisierten Alexander van der Bellen, steckt dem Mitte-Links-Lager wie ein Schock in den Knochen. Und dabei bräuchte es gerade jetzt Mut und Schwung, wenn dieser Vorsprung noch aufgeholt werden soll. Ein Schulterschluss der Demokraten wird jetzt gefordert – der wird aber auch noch kompliziert durch die Angst, es könnte Hofer womöglich auch noch nützen, wenn sich jetzt das gesamte Land, vom Kanzler bis zum Kardinal, auf seine Seite schlägt, weil dann die FPÖ trommeln kann: „Seht her, das ganze Establishment tut sich zusammen, um den Kandidaten der einfachen Leute zu verhindern.“ Schulterschluss der Demokraten weiterlesen

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Noch hat Hofer nicht gewonnen

FS Misik Folge 439

Bereits um 17 Uhr schrieb am Sonntag jemand sarkastisch auf Twitter: „Es funktioniert immer wieder perfekt: nach rechts rücken, damit keiner mehr die Rechten wählt.“ Das Duo aus Faymann/Doskozil auf der einen und Kurz/Mikl-Leitner auf der anderen Seite hat es wieder super hingekriegt. Was wir erlebt haben, ist der Untergang unserer gewohnten politischen Welt. Norbert Hofer hat einen Kantersieg gelandet. Aber noch hat der FPÖ-Kandidat nicht gewonnen. Allein die Wähler von Alexander Van der Bellen und Irmgard Griss summieren sich auf 40 Prozent der Stimmen. Plus Wähler der Regierungskandidaten plus eine höhere Wahlbeteiligung, und eine Mehrheit für Van der Bellen ist in Reichweite. Aber dafür braucht es Schwung. Und die Regierungsparteien warten mit der personellen Erneuerung besser nicht noch weitere vier Wochen ab.

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„Wir nehmen uns die Plätze“

Seit Ende März demonstrieren zehntausende junge Leute auf der Pariser Place de la Republique. Aber kann die „Nuit debout“-Bewegung etwas bewirken?

Für Zeit-Online, 21. April 2016

Es gibt von Slavoj Zizek eine längst legendäre Videoaufnahme, als er am Höhepunkt der Occupy-Wall-Street-Bewegung auf dem New Yorker Liberty-Plaza eine Rede hält. Da Mikrophone nicht erlaubt sind, spricht Zizek immer einen oder zwei Sätze, die dann von den hunderten Nächststehenden laut wiederholt werden – sodass auch die tausenden anderen etwas hören können. Zizek, mit seinem schweren, osteuropäischen English – stets wiederholt von einem vielhundertköpfigen Chor. Ein witziges Dokument.

„Es gibt eine Gefahr“, sagt er am Ende seiner Rede. „Verliebt Euch nicht zu sehr in Euch. Wir haben hier eine schöne Zeit. Aber vergesst nicht, Karneval ist einfach. Was aber zählt, ist der Tag danach. Wird sich danach etwas geändert haben? Ich will nicht, dass Ihr Euch irgendwann an diese Tage erinnert und das einzige, was man sagen kann, ist: ‚Oh, wir waren jung und es war großartig.'“

Nachdem die Besetzungsbewegung folgenlos versandet und in die üblichen linken Basisrituale versunken war, fragte „Le Monde Diplomatique“ ein paar Monate später: „Warum ist sie (die OWS-Bewegung) gescheitert und hat alle zunächst so hoffnungsfrohen Erwartungen krass enttäuscht? Warum versinken selbst die populärsten Aktionen der Linken früher oder später in einem Gebräu aus akademischer Rhetorik und sinnloser antihierarchischer, antietatistischer Kraftmeierei?“

Fünf Jahre später bietet die Place de la Republique in Paris ein ähnliches Bild wie Lower Manhattan 2011. Tausende Junge Leute haben nach einer Großdemonstration Ende März den zentralen Platz abends besetzt, um die Nacht über da zu bleiben. „Nuit debout“, heißt die Bewegung, was grob mit „Nachts aufstehen“ übersetzt werden kann. Zelte wurden errichtet, es gibt Vollversammlungen und politische Diskussionsrunden. „Sie haben Milliarden, aber wir sind Millionen“, steht auf einem Transparent. Ausgangspunkt der Bewegung sind geplante neoliberale Deregulierungsmaßnahmen, aber wie immer geht es längst um mehr: Gegen eine visionslose Politik des „weiter so“, gegen das Europa der Austeritätspolitik und so irgendwie für eine bessere Welt. Vergangenes Wochenende hat Yanis Varoufakis vorbeigeguckt und erzählt, dass er als Finanzminister in einem Hochhaus residierte und von seinem Büro aus auf den Syntagma-Platz geblickt hat, den zentralen Platz vor dem Athener Parlament. „Neunzig Tage lang hatten wir diesen Platz besetzt, das ist der Platz, auf den ich gehöre, nicht dieses Büro“, habe er einem Besucher erklärt, erzählt er.

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Varoufakis Geschichte ist mehr als nur ein herzerwärmendes Appercu, das die Besetzer auf der Place de la Republique naheliegenderweise gerne hören. Diese Schnurre wirft direkt die Frage der Wirksamkeit von Bewegungen wie „Nuit debout“ auf. Denn so folgenlos, wie gerne unterstellt, verpuffen solche Bewegungen auch wieder nicht. Bloß, ist die Wirksamkeit nicht leicht messbar und die Kapillaren und Umwege, über die sie ihre Wirksamkeit entfalten, sind nicht immer offensichtlich. Aber natürlich kann man auch sagen: Ohne die Occupy-Wall-Street-Bewegung wäre der erstaunliche Erfolg der Bernie-Sanders-Kampagne bei den Vorwahlen der US-Demokraten völlig unmöglich gewesen. Die Bewegung der „Indignados“ – „der Empörten“ – in Spanien wiederum war eine Zufuhr politischer Energie, die ganz erhebliche Folgen zeitigte und die Syntagma-Besetzer schufen mit ein politisches Klima, das den zweifachen Wahlsieg der linken Syriza-Partei 2015 erst ermöglichte. „Wir nehmen uns die Plätze“ weiterlesen

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Ab Sonntag, 18 Uhr, gibts Ramba-Zamba

FS Misik Folge 438

1. Was ist der wahrscheinlichste Ausgang des ersten Wahlgangs?

2. Was bedeutet das für die Stichwahl?

3. Was bedeutet das für das Politsystem, für die SPÖ, …

4 … und was bedeutet es für die ÖVP?

5. Gibt es bald Neuwahlen?

6. Eine letzte Chance, das Ruder herumzureißen?

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Alles läuft nach Plan, nur der Plan war scheiße

In der SPÖ tobt ein Richtungskampf. Werner Faymann hängt torkelnd in den Ringen. Der rote Bundespräsidentschaftskandidat wird ein Fiasko erleiden. Warum machen die Sozialdemokraten fast alles falsch? Ein Versuch, die Sozis zu verstehen.

Für Vice, 20. April 2016

Die Sozialdemokraten waren ja irgendwann so Leute, die die Welt besser machen wollten. Und sie sind es ja irgendwie immer noch. Aber wenn sie mit ihren Haltungen glauben, nicht durchzukommen, dann verräumen sie diese feige in den Abstellraum, und halten das sogar irgendwie für raffiniert oder gerissen. Wenn die FPÖ zulegt, dann glauben sie, es wäre ein klasser Trick, wenn sie die Politik der FPÖ übernehmen. Wenn sie dann langsam bei der 20-Prozent-Marke aufschlagen, dann glauben sie, noch eine ordentliche Spur mehr an Selbstverleugnung könnte helfen. Wenn alle Glaubwürdigkeit weg ist, meinen sie, noch mehr Unglaubwürdigkeit wäre vielleicht eine erfolgversprechendere Option. Klingt absurd und verrückt? Das ist es für normale Leute natürlich auch. Deshalb will ich hier einmal versuchen, zu verstehen, wie die denn so ticken, die Sozialdemokraten. Wie die auf so groteske Ideen kommen können. Ein Versuch, die eine selten werdende Spezies zu verstehen.

1. „Wählt uns, mit uns wird es langsamer schlechter“

Wir müssen uns die durchschnittliche Sozialdemokratin und den durchschnittlichen Sozialdemokraten als unglücklichen Menschen vorstellen. Er ist in einer Partei, die seinerzeit Fortschritt und Modernität repräsentierte, sich aber daran gewöhnt hat, dass es jetzt schon länger nicht mehr vorwärts geht. Er erinnert sich – sofern er nicht zu jung oder zu alt dafür ist -, etwa an die Ära von Bundeskanzler Bruno Kreisky, als man das Land gerechter und moderner machte und zudem in der Welt etwas galt, weil der feingeistige Regierungschef als Diplomat und Krisenvermittler global gefragt war. An diese Zeit, als es noch Optimismus gab. An die Vergangenheit, als es noch Zukunft gab.

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Sozialdemokraten sind von daher natürlich fest überzeugt, dass es früher besser war. Das gibt den Gesprächen, sind einmal zwei oder mehr Sozialdemokraten an einem Ort, schnell einen Schuss ist Depressiv-Nörglerische. Alfred Gusenbauer, Parteichef und Kurzzeit-Kanzler in den Nullerjahren, nannte das einmal abfällig „das übliche Gesudere“, was ihm gar nicht wohl bekam. Aber diese Mentalität stimmt heute den Grundton unter Sozialdemokraten. Das Optimistischte, was sie noch hinbekommen, ist so in etwa: ‚Wählt uns, denn mit uns wird es langsamer schlechter.‘ Das ist natürlich nicht gerade eine Botschaft, die besonders elektrisiert. Aber im Kern ist das die Botschaft, und die ist nur ein klein wenig sarkastisch überspitzt. Aber echt nur ein wenig. Als Sozialdemokrat hat man es einigermaßen verlernt, an die Möglichkeit einer echten Verbesserung der Verhältnisse auch nur zu glauben. Man meint eher, in einer Welt voller Widrigkeiten allerhöchstens das Schlimmste verhindern zu können. Das führt nicht selten dazu, dass Sozialdemokraten das Zweit-Schlimmste exekutieren, weil sie meinen, auch das wäre ja immerhin die Möglichkeit, das Schlimmste zu verhindern. Natürlich fühlen sie sich dann schlecht. Aber sie nennen das dann Realismus oder pragmatisch. Alles läuft nach Plan, nur der Plan war scheiße weiterlesen

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Montag, 25. April: Martin Wolf im Kreisky Forum

Am kommenden Montag habe ich den großartigen Martin Wolf zu Gast im Kreisky-Forum, den wichtigsten Wirtschaftsjournalisten Europas. Wolf, langjähriger Kommentator der Financial Times (London), spricht zum Thema:

THE ELITES AND THE PEOPLE
The rise of populism and the crisis of democratic capitalism

Montag, 25. April, Kreisky-Forum, Armbrustergasse 15, 1190 Wien

Bei der Gelegenheit noch ein paar weitere Termine:

Am 5. Mai steigt im Werk-X in Wien ein Event der DiEM-25-Bewegung mit Yanis Varoufakis, Srecko Horvath, Saskia Sassen, Katja Kipping, Erich Fenninger und anderen. Ich werde in diesem Rahmen das Abschlusspanel moderieren mit Katja Kipping, Yanis Varoufakis und Walter Baier. Mehr dazu hier.

Am Freitag den 6. Mai spreche im WUK bei der „It’s all about politics“-Konferenz um 15 Uhr zum Thema: „Caputalism. From Capitalism to where?“ Mehr dazu hier.

Am Montag, den 9. Mai gastiere ich dann in Innsbruck wo ich gemeinsam mit Klaus Werner-Lobo in einer Art Doppelconfernce mein Buch „Kaputtalismus“ und sein Buch „Nach der Empörung“ präsentiere. Die ganze Sause steigt im Treibhaus und zwar um 20 Uhr. Genaueres hier.

Am 19. und 20. Mai bin ich dann in Berlin und Potsdam. Am 19. Mai diskutiere ich im taz-Cafe mit Klaus Lederer, den Berliner Vorsitzenden der Partei „Die Linke“ über Kaputtalismus und generell zum Thema: „Wozu noch links?“

Tags darauf dann in Potsdam mit Tom Strohschneider, dem Chefredakteur des Neuen Deutschland, über „Kaputtalismus oder ’sozialistischer Kompromiss‘?“ Mehr dazu hier.

Buchvorstellung. Mit Tom Strohschneider und Robert Misik
Freitag, 20.05.2016 | 19:00 Uhr
freiLand e. V., Potsdam. Friedrich-Engels-Str. 22. 14473 Potsdam

Am Montag den 23. Mai habe ich dann Paul Mason mit seinem Buch „Postkapitalismus“, dem Buch der Saison quasi, gerade bei Suhrkamp erschienen, im Kreisky Forum zu Gast. Wie üblich, 19 Uhr in der Armbrustergasse.

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Handbuch für Radikale

Klaus Werner-Lobo beschreibt, wie aus der Dauerempörung produktive politische Energie werden kann.

In einer staturierten Gesellschaft, in der sich scheinbar alle mit Zuständen zufrieden geben, an denen nichts Zufriedenstellendes ist, in einer solchen Gesellschaft ist die Empörung eine Kraft, die Schwung in die Lähmung bringen kann. Aber in einer solchen Gesellschaft leben wir längst nicht mehr. Im Gegenteil: Eher ist unsere Epoche von grassierender Wut geprägt. Rechts, Links und in der Mitte, gelegentlich hat man den Eindruck, unsere Gesellschaft sei ein Sammelsurium der Dauer-Empörten.

Saturierte Zufriedenheit ist also im Augenblick nicht unser größtes Problem. Das Problem ist eher, wie man aus allgegenwärtigen Unzufriedenheit eine Kraft der Veränderung macht. „Nach der Empörung“, hat Klaus Werner-Lobo sein neues Buch deshalb genannt, das es genau mit dieser Problematik aufnehmen will. Untertitel: „Was tun, wenn wählen nicht mehr reicht.“

„Wir werden zunehmend von Menschen regiert, die politikverdrossen sind, also selbst nicht mehr daran glauben, etwas ändern zu können… In der Gesellschaft hingegen steigt nicht die Politikverdrossenheit, sondern die PolitikerInnen-Verdrossenheit“, schreibt Lobo und will Mut machen auf ein „politisches Engagement abseits der institutionellen Parteipolitik.“

Lobos Botschaft: Wartet nicht auf die Parteien und deren Akteure, es hilft ja auch nichts über die Unzulänglichkeiten im politischen System zu lamentieren (zu „sudern“, wie Alfred Gusenbauer gesagt hätte), sondern packt es einfach an.

Die Parteipolitik ist, aus der Entfernung betrachtet, hässlich – und sie ist es aus der Nähe erst recht, meint Lobo, der die vergangenen fünf Jahre für die Grünen im Wiener Landtag saß und für Kulturpolitik zuständig war. Da habe er die Erfahrung machen müssen, dass Leute die Partei prägen, die zwar durch politische Werte motiviert sind, in der Praxis aber „politische und werteorientierte Inhalte in den Hintergrund traten“, Machtzirkel die klassische Intriganten-Politik betreiben, PR-Leute die Inhalte zurechtstutzen. Aus dieser Politik-Politik sei keine Heilung zu erwarten, so Lobos Argumentation, weshalb „wir mit jeder Art von Macht in Konflikt treten müssen – und das Problem nicht lösen können, indem wir selbst Teil davon werden“. Handbuch für Radikale weiterlesen

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Nichts Schlimmes

Der rote Faden, meine Kolumne aus der taz.

Türkische Soldaten schießen auf Flüchtende. In Brüssel explodieren mehrere Bombensätze. Irgendwer fordert den Verbot des Islam in Europa. Österreich baut jetzt noch einmal neue Grenzzäune, demnächst sogar am Brenner. Donald Trump sagt täglich eine neue Unsäglichkeit. Und Deutschlands Landwirtschaftsminister verteidigt das Schreddern männlicher Kücken, also die Praxis, sie unmittelbar nach der Geburt massenhaft und bei lebendigem Leibe durch den Fleischwolf zu drehen. Wer das Gefühl liebt, dass sich vor Zorn die Nackenhaare aufstellen: Von dieser Praxis gibt’s scheußliche Videos auf Youtube.

Nur ein paar der Schlagzeilen der vergangenen Tage.

Heinz Bude hatte in seinem vorjährigen Büchlein über die „Gesellschaft der Angst“ geschrieben, wie sich Angst, Gereiztheit, Negativismus in unsere Gesellschaften hineinfressen. In die Sprache der Politik übersetzt könnte man sagen, die einzige positive Botschaft, mit der die Akteure im politischen Feld noch hausieren gehen, lautet: „Wählt uns, denn mit uns wird es langsamer schlechter.“ Auch der Betriebsmodus des Aktivismus ist nur in den seltensten Fällen das Engagement für etwas positiv Erstrebenswertes, sondern die Empörung über etwas Empörungswürdiges. Eine Gesellschaft der Angst nimmt die Geschehnisse der wirklichen Welt nur mehr als Bedrohung wahr, und der Modus der Übertreibung, des paranoiden Phantasierens überwölbt die Wirklichkeit.

Es ist natürlich dieses Klima der Angst und der Dauergereiztheit, das dem rechten Populismus günstig ist. Der Wutbürger, diesee verfolgende Unschuld, der bei jeder Gelegenheit der Kragen platzt, ist seine paradigmatische Gestalt. Die Panik, die in ihm hockt, die brüllt er bei jeder Gelegenheit raus. Aber er ist natürlich nur die sichtbarste Gestalt dieser gesellschaftlichen Angst. In Wahrheit sind wir alle in der Angst bestens miteinander verbunden. Überspitzt formuliert: Der rechte Wähler hat Angst vor den Flüchtlingen und sonstigen Bedrohlichkeiten. Die anderen haben Angst vor dem Aufstieg der Rechten. So hält uns die Angst allesamt schön zusammen.

Politische Kommunikation, besonders im Aufmerksamkeitsregime sozialer und anderer elektronischer Medien, gehorcht fast generell nur mehr dem Diktat des Negativen: Das empörte Posting, der Link zur himmelschreienden Fürchterlichkeit, das garantiert Aufmerksamkeit. Aber das ist noch zu unpräzise gesagt: Es modelliert, nur lange genug praktiziert, auch unsere Gewohnheiten und damit, worauf wir überhaupt aufmerksam werden. Wie der Algorithmus, der unsere Timeline strukturiert, verdrahtet diese Empörungsbewirtschaftung unsere synaptischen Verschaltungen.

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Alu Akhbar – Weltpolitik aus der Aluhut-Perspektive

FS Misik, diesmal mit folgenden Themen: #Ösileaks: Gesetzes- und Resolutionspapiere der Zaunbau-Fraktion – die Papiere des Grauens. #Panama-Papers: Aluhut Akbar: Der US-Imperialismus spielte die Panama-Papers der „Süddeutschen Zeitung“ zu, um Putin fertigzumachen, den friedliebenden Bashar al-Assad zu quälen und die panamesische Konkurrenz zu ruinieren. Subventioniert wird das alles von George Soros und anderen finsteren Gesellen der Ostküsten-Hochfinanz, die auch die Flüchtlingswelle finanzieren, um Europa zu zerstören, und die natürlich auch die Invasionskollaborateure bezahlen. Aber das weiß ohnehin jeder, der Russia Today schaut. Bloß bei Misik und im STANDARD wird man das nicht lesen, weil die sind ja auch von Soros bezahlt. Alle unter einer Decke.

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