Die Proletenpassion: Eine Revolutionsoper, die plötzlich völlig zeitgemäß erscheint

PrletenpassionMan sitzt da, ein wenig gerührt, gepackt von den Sounds, und ertappt sich bei dem Wunsch, man könne ein bisschen von der Energie dieses Abends in den nächsten Tag retten – und in die Wochen darauf folgenden Alltags. Es ist eine Theatersensation, ein Theatertriumph. Im Wiener Werk X läuft nun seit mehr als einem Monat schon die modernisierte “Proletenpassion”, meist vor gänzlich ausverkauftem Haus. Nachdem ich schon in der Premiere und nun noch bei einer weiteren Aufführung war, hier ein paar Gedanken zu diesem Abend.

Die Proletenpassion ist ja eine Legende in Österreich (und ein bisschen auch darüber hinaus im deutschsprachigen Raum): Mitte der 70er Jahre von den linken “Schmetterlingen” zusammen mit dem Autor Heinz R. Unger (er war auch diesmal wieder mit an Bord) entwickelt, im damaligen Schlachthof Sankt Marx, der daraufhin besetzt wurde (woraus die heutige Arena entstand), ist es von allem ein bisschen: Rockoper, Nummerrevue, Geschichtserzählung der Aufstände, Siege und Niederlagen der kleinen Leute – von den Bauernkriegen über die französische Revolution, die Pariser Commune, die russische Revolution bis zum Sieg des Faschismus. Es ist Geschichtsschreibung mit den Mitteln von Theater und Musik. Die Proletenpassion: Eine Revolutionsoper, die plötzlich völlig zeitgemäß erscheint weiterlesen

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Nächste Woche im Kreisky-Forum: Andrej Holm über “Kampf um die Stadt” – was man gegen Wohnungsmangel, Mietwahnsinn und Gentrifizierung tun kann

In den nächsten Wochen habe ich in meiner Reihe “Genial dagegen” im Kreisky-Forum wieder zwei sehr interessante Gäste, auf die ich mich schon sehr freue. Und zwar darf ich bereits nächste Woche, am

Montag, 9. März 2015

den Berliner Stadtsoziologen und Gentrifizierungs-Kritiker

Andrej Holm

begrüßen. Er spricht zum Thema.

KAMPF UM DIE STADT.
MIETWAHNSINN, AUFWERTUNG UND VERDRÄNGUNG – UND WAS MAN DAGEGEN TUN KANN

Holm ist Stadt- und Regionalsoziologe an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er forscht zu Themen der Stadterneuerung, Gentrifizierung und Wohnungspolitik im internationalen Vergleich. Nächste Woche im Kreisky-Forum: Andrej Holm über “Kampf um die Stadt” – was man gegen Wohnungsmangel, Mietwahnsinn und Gentrifizierung tun kann weiterlesen

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Lasst es uns den Griechen nachmachen

Vor exakt einem Monat wurde die Syriza-Regierung ins Amt gewählt – und mit ihr Hoffnung und Optimismus. Eine erste Bilanz, was wir von den griechischen Geschehnissen lernen können.

20130920_0888Der Ausgang der griechischen Wahlen hat einen Schleier weggerissen, diesen trüben Nebelschleier, der sich über alles legt. Nicht, weil mit dem Sieg der Syriza-Partei schon irgendetwas gewonnen wäre; nicht, weil es jetzt schon wahrscheinlich wäre, dass der neuen Regierung mehr als langsame Korrekturen des Austeritätskurses gelingen können. Nicht, weil anzunehmen wäre, dass sich die neue, tapfere Regierung eines kleinen Landes im Handumdrehen gegen die Widerstände der herrschenden Eliten und des Einheitdenkens durchsetzen könnte. Von all dem kann man, wenn man einigermaßen realistisch ist, natürlich nicht ausgehen und konnte man auch nicht. Insofern ist der Umstand, dass mit dem Deal in der Eurogruppe Ende Februar allenfalls ein Einstieg in einen Kurswechsel gelungen ist, für niemanden überraschend. Ohnehin geht es dabei nur um die unmittelbare Übergangszeit von vier Monaten, auch wenn alle so taten, als stünde bei den Verhandlungen Tod oder Leben der Eurozone zur Disposition oder sonst irgendetwas Elementares.

Das Entscheidende ist vielmehr: Die Wahlen in Griechenland haben der Demokratie wieder Energie zugeführt. Die Griechinnen und Griechen haben eine Alternative aufgebaut und sie haben für diese gestimmt. Sie haben sich eine Regierung gegeben, für die, gäbe es heute Wahlen, 46 Prozent der Wähler stimmen würden und deren Kurs von 70 Prozent der Bürger unterstützt wird. Eine Regierung, gegen die nicht demonstriert wird, sondern eine, für die die Bürger und Bürgerinnen demonstrieren. Lasst es uns den Griechen nachmachen weiterlesen

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Ein notorischer antisemitischer Wiederholungstäter will Bürgermeister in Hohenems werden

Der Vorarlberger FPÖ-Chef Dieter Egger will Bürgermeister seiner Heimatstadt Hohenems werden. Das ist schon alleine deshalb nicht unpikant, weil Egger in der Vergangenheit als Antisemit aufgefallen und deshalb aus der Landesregierung geflogen ist. So hatte er den Leiter des jüdischen Museums in Hohenems, Hanno Loewy, als “Exil-Juden aus Amerika” bezeichnet. Nun will Egger den Konflikt mit Loewy begraben, und um das zu tun, hat er folgendes gesagt: Loewy müsse akzeptieren, dass die Entscheidungen im Rathaus getroffen werden “und nicht im jüdischen Viertel”. Es ist schon bizarr: Da will Egger einen Konflikt begraben und lässt sofort den nächsten antisemitischen Spruch vom Stapel.  Ein notorischer antisemitischer Wiederholungstäter will Bürgermeister in Hohenems werden weiterlesen

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Schäubles Krieg gegen die Griechen: Business as Usual in der EU

Eine kleine Anmerkung zu den ganzen Aufregungen um den Showdown in der Eurogroup und den Krieg, den der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble gegen die Griechen führt. Nun, ich will ja die fatale Rolle der deutschen Regierung nicht runterspielen. Aber eines ist schon auch klar: Es ist in der europäischen Politik eben auch immer so, dass Kompromisse nicht eine Woche vor der Deadline, sondern in letzter Minute getroffen werden. Und bei extrem überladenden symbolischen Fragen ist es auch immer so, dass die Fachminister – in dem Fall: die in der Eurogroup -, den Konflikt bis zum Letzten ausreizen, bis die Regierungschefs dann am Ende im letzten Augenblick einen Kompromiss finden. Man kann das fatal finden, aber es ist letztlich das gewohnte Rule of the Game. Deswegen ist die Frage, wer da jetzt zu hoch pokert, wer hier am Ende einknicken wird, eine ziemlich müßige, solange man das Endergebnis noch nicht kennt. All die Voraussagen, wie es am Ende ausgegangen sein wird, haben etwas Lächerliches. Es war im Grunde genommen nie anzunehmen, dass es anders laufen würde als es eben jetzt läuft: Standoff bis zum letzten Augenblick und dann eben eine Lösung, die von den Staats- und Regierungschefs herbeimoderiert wird. Deswegen hat die tagelange Aufregung auch etwas Übertriebenes. So ist das in der europäischen “Diplomatie” und alle beteiligten Seiten haben sich bisher an diese (zugegeben fragwürdigen) Rules gehalten. Jeder spielt für seine nationale Galerie, und Schäuble will seiner CDU-Basis zeigen, dass er ganz streng mit den Griechen ist, und die Syriza-Führung will ihren Bürgern und Wählern zeigen, dass sie bis zum letzten Moment um die Würde der Griechen kämpft. So rennt es halt.  Schäubles Krieg gegen die Griechen: Business as Usual in der EU weiterlesen

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Alle auf die Kleinen

Solidarität ist in Europa ein Unwort geworden. Eurogruppenchef Dijesselbloem agiert wie ein Oberschüler, der sich als Anführer der Schulhofgang profilieren will – mit drohen und erpressen. Ein Beitrag für Zeit-Online. 

Es war ein versteckter Absatz in einer “Spiegel”-Story über EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Im Europawahlkampf, war da zu lesen, “prangte das Wort ‘Solidarität’ auf Junckers Plakaten.” Und weiter: “Merkels CDU war so aufgebracht über Junckers Slogan. dass ihm beinahe ein Auftritt in Berlin verweigert worden wäre.”

So weit haben wir es in der Europapolitik also gebracht – dass selbst das simple Wörtchen “Solidarität” schon eine Aufreger-Vokabel ist, die tunlich vermieden werden muss, da es im Merkel-Deutschland ja Assoziationsreihen auslösen kann wie: Solidarität… unser gutes Geld, … den faulen Pleitegriechen hinten reinschieben… Da wird dann selbst Solidarität zu einem Wort, das nicht mehr gesagt werden darf. Es ist nur eine kleine, nebensächliche, dafür umso bizarrere Unfassbarkeit. Alle auf die Kleinen weiterlesen

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Leak: Die Reden und Papers des griechischen Finanzministers aus der Eurogroup

Was die Dijesselbloem-Schäuble-Gang auch immer behaupten mag, vergessen Sie’s. Jetzt kann man die Reden und Papiere des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis aus den diversen Eurogroup-Meetings direkt nachlesen. Das griechische Portal capital.gr machte die Dokumente zugänglich.

11/2/2015 – YANIS VAROUFAKIS TALK IN THE 11TH FEBRUARY 2015 EUROGROUP MEETING

Mr President, (Jeroen Dijsselbloem)

Dear Colleagues,

It is a great honour for me to join this Eurogroup meeting as finance minister in the newly elected Greek government. Leak: Die Reden und Papers des griechischen Finanzministers aus der Eurogroup weiterlesen

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Woher kommt der blinde Hass gegen Syriza?

Wer heute wagt, einen Millimeter links von Tony Blair und Gerhard Schröder zu stehen, dem schlägt der nackte Hass und der geballte Vernichtungswillen entgegen. Und zwar nicht nur der Konservativen und harten Rechten, sondern aus dem Klüngel der Profiteure und Mitprofiteure der zeitgenössischen sogenannten professionellen Technokratenpolitik in der Mitte, aus dieser (vor allem) Männerwelt in Ministerien und Kabinetten, EU-Kommission und EU-Rat, Parteizentralen, Thinktanks und Consulter-Welt, plus der dazugehörigen Embedded Journalists. Die Profiteure dieser Klüngelei, die die Bürger so satthaben, wissen, dass der Syriza-Typus ihre Macht bedroht. Woher kommt der blinde Hass gegen Syriza? weiterlesen

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Deutsche gegen Griechen

Warum die deutsche Bundeskanzlerin keinen Schritt auf die Griechen zu macht und den Niedergang der Eurozone in Kauf nimmt. Falter, 11. Februar 2015

Die Berichterstattung der letzten Tage hatte etwas vom Plott eines schlechten Westerns: Kommt es zum großen Showdown zwischen Deutschen und Griechen? Werden Merkel und Schäuble – in unheiliger Allianz mit Bundesbankchef Jens Weidmann – die frischgewählte griechische Regierung auflaufen lassen? Der Thrill setzte so selbstverständlich ein deutsch-griechisches Gegeneinander voraus, dass überhaupt niemand mehr fragte: Wieso ist das denn selbstverständlich, dass Deutsche und Griechen gegeneinander handeln?

Schließlich könnte man die Sache ja auch so sehen, wie das Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis gegenüber seinem französischen Amtskollegen formuliert hat: “Es ist nicht so, dass wir uns am Verhandlungstisch gegenüber sitzen und mit- und gegeneinander verhandeln, sondern wir sitzen Schulter an Schulter auf der einen Seite des Tisches und auf der anderen Seite sitzt das Problem, und wir müssen beraten, wie wir ihm Herr werden.”

Die deutsche Haltung ist stark und prekär zugleich: Deutschland ist die mächtigste Wirtschaftskraft und die politisch führende Nation in der EU. Gleichzeitig ist niemand so sehr wie die deutsche Kanzlerin und ihr Finanzminister mit dem Austeritätskurs in Europa verbunden, der nun schon sieben Jahre Rezession und Stagnation zur Folge hatte. Deutsche gegen Griechen weiterlesen

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Wie der griechische Finanzminister den Kapitalismus retten möchte

Yanis Varoufakis hat sein Buch “Der globale Minotaurus” aktualisiert und zum gratisdownload ins Internet gestellt. Falter, 11. Februar 2015

varoufacker 3Was wollen die Griechen wirklich? Werden sie sich mit einer Umschuldung und einem Ende der Austerity in ihrem Land zufrieden geben? Wie könnte ein Kompromiss aussehen? Das sind die Fragen, die gerade die Schlagzeilen beherrschen. Gut möglich, dass sich die Syriza-Regierung am Ende mit halben Sachen zufrieden geben wird. Gut möglich aber auch, dass sie ein viel größeres Reformziel vor Augen hat. Um zu begreifen, welches das sein kann, lohnt es sich, sich mit den Plänen jenes Mannes zu beschäftigen, der binnen weniger Tage zu einer Zentralfigur der Eurozone geworden ist: mit den Ideen von Yanis Varoufakis, dem neuen charismatischen Finanzminister in der Tsipras-Regierung. Gerade tourte er durch Europas Hauptstädte, in Griechenland ist er längst der Darling der Herzen. Und auch global stieg er wie eine Rakete zum Ökonomiestar auf: Der Guardian nannte den Ökonomen mit dem offenem Hemdkragen, der mit seinem BMW-Motorrad ins Ministerium fährt, “den coolsten Politiker Europas”, der “Businessinsider” machte den Sack dann zu, indem er ihn mit dem Attribut “interessantester Mann Europas” belegte. Die Superlative sind jetzt aufgebraucht, keine Steigerung mehr möglich.

Zur Coolnessdiagnose darf man wohl auch hinzuzählen, dass Varoufakis, kaum war er ernannt, die Veröffentlichung der Neuauflage seines Buches “Der globale Minotaurus” vorzog und gratis zum Download bei Amazon einstellte. Wer also einen Kindle hat, der darf jetzt kostenfrei runter saugen. Wie der griechische Finanzminister den Kapitalismus retten möchte weiterlesen

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Der Erfolgsmensch

Wir Protagonisten der Wettbewerbsgesellschaft sind zugleich ihre ersten Gefangenen. Neue Zürcher Zeitung, 6. Februar 2015

Der zeitgenössischen Schule der Verhaltensökonomie (“Behavioral Economics”) verdanken wir erhellende Einsichten darin, wie sich Menschen in bestimmen Situationen verhalten und wie, umgekehrt, die Situationen und die Umstände das Verhalten von Menschen modellieren. Der “Spiegel” berichtete unlängst über eine verhaltensökonomische Spielanordnung folgendes: “Psychologen ließen Studententeams einen kleinen Aufsatz verfassen. Jeweils zwei der Teilnehmer schrieben, einer sollte die Leistung der anderen beiden bewerten. Nach 30 Minuten kam der Studienleiter hinein und brachte einen Teller mit Keksen. Vermeintlich zur Stärkung, tatsächlich aber als Teil des Experiments. Die Aufzeichnung zeigte: Die Leistungsbewerter, also quasi die Vorgesetzten in dieser Situation, griffen nicht nur rücksichtslos nach den letzten Keksen, sondern krümelten auch besonders ungeniert herum. 30 Minuten in einer zufällig zugeordneten Führungsrolle hatten ausgereicht, um ihren Wertekompass zu verändern.” Der Erfolgsmensch weiterlesen

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