„Durchschummler“ – die verrohte Sprache der Entsolidarisierung

Wo der Sozialstaat zurückgebaut wird und seine Institutionen delegitimiert, wo das Kollektive in schlechten Ruf gesetzt und der Erfolg nie dem Gemeinsamen und stets der Anstrengung des Einzelnen zugeschrieben wird, da wird der Angsthemmer Sozialstaat durch den Angsttreiber „individuelles Risikomanagement“ ersetzt. Stets hängt alles vom Einzelnen ab, dass der keine Fehler macht, Gefahren frühzeitig erkennt, vorausblickend in sich selbst investiert, seine Kompetenzen aktiv sichert und ja nicht ausschert. Der weiß, wenn es nicht rund läuft, ist niemand anderer schuld als er selbst. Das neoliberale Selbst weiß stets, dass der Boden wankend ist, auf dem sein Hamsterrad steht. Es ist ein Ich, das von der Angst gebeutelt ist.

Einher damit gehen Rhetoriken der Verrohung und Diffamierung. Eine Einheitssprache hat sich durchgesetzt. „Erfolgreiche“ und „Loser“. Und damit werden sofort moralische Urteile verbunden. Der Erfolgreiche ist als ganzes ein gelungener Mensch, der Loser auf eminente Weise abgewertet. Wer arm oder bloß nicht ausreichend erfolgreich ist, dem wird unterstellt, dass ihm selbst das wenige, das er besitzt, nicht wirklich zusteht. Er hat sich zu schämen, und muss sein Armenleben in der Schamzone leben. Er wird unsichtbar gemacht. Es ist diese Ordnung der Diskurse, die es erst ermöglicht, das Anlegen von Daumenschrauben für die Schwächsten als vernünftige Politik auszugeben.

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